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Fragwürdige Zustände auf Traunsteiner Großbaustelle

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Traunstein. Ein nicht ungefährlicher Vorfall auf einer Großbaustelle im Traunsteiner Stadtzentrum im April 2013 – der 42-jährige Geschäftsführer einer Immobilienfirma wurde niedergeschlagen und um 3500 Euro beraubt – beschäftigte gestern erneut das Landgericht Traunstein. Auf der Anklagebank saß dieses Mal ein geständiger 50-jähriger, österreichischer Baumeister.


Einen Mittäter, einen 41-jährigen Niederländer, hatte die Zweite Strafkammer bereits im November zu 18 Monaten Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit verurteilt. Der jetzige Angeklagte war damals auf der Flucht und war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte gestern nun eine 15-monatige Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährung.

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Ein internationaler Bautrupp war 2013 auf der Baustelle, die die Immobilienfirma aus Wörgl als Generalunternehmer betreute, tätig. Der 42-jährige Geschäftsführer wollte die schwierige Baustelle zum Abschluss bringen. Dazu nahm er die Hilfe eines 41-jährigen niederländischen, damals in Spanien lebenden Bauleiters und eines 50-jährigen österreichischen Baumeisters mit Baufirma in Spanien in Anspruch.

Mehrere Spanier reisten ab Februar 2013 für jeweils zwei Wochen nach Traunstein, schufteten in 14 Tagen 180 Stunden und hatten danach eine Woche frei. Wer wann bei wem angestellt oder selbständig tätig war – das stellte sich in den beiden Prozessen als kompliziertes Geflecht dar. Die Angeklagten beider Verfahren monierten fragwürdige Zustände wie fehlende Verträge und gekürzte Lohnzahlungen.

Vor diesem Hintergrund ereignete sich die Tat am 18. April 2013. Bauleiter und Baumeister hatten einem Abfindungsvertrag über 2500 Euro zugestimmt. Der 42-jährige Geschäftsführer trug bei dem Treffen im Baubüro im vierten Stock 6000 Euro in bar in der Hosentasche. 2500 Euro davon gab er dem bereits verurteilten 41-jährigen Niederländer. Als der Geschäftsführer das Büro verließ, schlug ihm der 50-jährige Angeklagte ohne Vorwarnung eine Holzstange über den Kopf. Das Opfer sank zu Boden und war kurz bewusstlos.

Die beiden Täter drohten dann noch den Hundert-Kilo-Mann über die Betonbrüstung in die Tiefe zu stoßen, so dass der Geschäftsführer Angst um sein Leben hatte und sich stark wehrte. Daraufhin ging er aber wieder zu Boden und der 50-Jährige machte ihn mit einem Fußdruck an der Kehle bewegungsunfähig. Der Niederländer schnappte sich dann noch die restlichen 3500 Euro und das Handy aus der Hosentasche des Opfers. Der 42-Jährige erlitt eine Platzwunde am Kopf, Abschürfungen und Prellungen. Beide Täter flüchteten.

Im Urteil sprach Richter Zenkel von »wechselnden Einlassungen von vielen Seiten« – durch den Angeklagten, den Mittäter und das Opfer. Der Schlag mit der Latte sei eine gefährliche Körperverletzung, das Hochhieven des Geschädigten Richtung Brüstung eine Bedrohung und gemeinschaftliche Nötigung. Der Fuß auf dem Hals bedeute ebenfalls eine Nötigung. Dafür gab es 15 Monate Haft mit Bewährung. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. kd