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Frage des Pfarrsitzes wird von Grund auf überdacht

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Nicht nur die Oberwössner und Unterwössner Gläubigen sehen in der Pfarrkirche St. Martin, Unterwössen, den Sitz eines zukünftigen Pfarrverbandes mit Schleching und Reit im Winkl. Nach den guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden in Schleching und Unterwössen, empfehlen auch die Schlechinger Katholiken Unterwössen als Pfarrsitz des Pfarrverbandes. (Foto: Flug)

Unterwössen. Alles zurück auf null heißt es bei den ersten Überlegungen rund um den neu zu gründenden Pfarrverband aus den Pfarrgemeinden Reit im Winkl, Schleching, Ober- und Unterwössen. Die Frage nach dem Sitz des Pfarrverbandes und seiner Ausgestaltung wird nun im Erzbischöflichen Ordinariat München noch einmal ganz neu angegangen. Das erklärte Bettina Göbner, Sprecherin des erzbischöflichen Ordinariats, auf Anfrage.


Pfarrer Johann Spiolek tritt in Reit im Winkl mit Wirkung zum 1. Dezember in den wohlverdienten Ruhestand. Pfarrer Klaus Wernberger hört zum gleichen Termin auf. Wernberger hat die Ämter als Pfarrer in Unterwössen, Kurat in Oberwössen und Pfarradministrator in Schleching inne. So stellt sich das Erzbischöfliche Ordinariat einmal mehr der Aufgabe, den Priestermangel in Deutschland möglichst schonend zu überwinden. Dem neuen Pfarrer und bisherigen Militärseelsorger aus Bad Reichenhall, Martin Straßer, überträgt das Ordinariat nach bisheriger Planung die Aufgabe, einen Pfarrverband zu bilden. Der soll aus den heutigen Pfarrgemeinden St. Martin/Unterwössen, Mariä Sieben Schmerzen/Oberwössen, St. Remigius/Schleching und St. Pankratius/Reit im Winkl bestehen. Die Erzdiözese München und Freising sah in einem ersten Orientierungsrahmen den Sitz dieses Pfarrverbandes in Reit im Winkl. Regelmäßig bedeutet das dann, dass der Pfarrer dort seinen Wohn- und Dienstsitz nimmt.

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Erheblicher Widerstand

Die Bürgermeister hatte das Erzbistum auf Nachfrage früh in diese Überlegungen eingeweiht – und war auf erhebliche Bedenken gestoßen. Mit einer Resolution und einem Gespräch mit Weihbischof Wolfgang Bischof im Anschluss an die Unterwössner Firmung verwiesen die Bürgermeister auf ihre Bedenken. Der Weihbischof stellte eine eingehende Prüfung in Aussicht. Das Ordinariat entsandte jetzt Diakon Friedl, um den Orientierungsrahmen in seinen Einzelheiten den Bürgermeistern und Pfarrgemeinderäten im Unterwössner Pfarrheim darzustellen. Dessen Inhalt: Vor allem weil der Pfarrhof in Reit im Winkl einer Verwaltung eines Pfarrverbandes den notwendigen Raum gewähre, habe das Ordinariat vorläufig diesen Sitz geplant. Daraus folge, dass Pfarrer Straßer dort die Seelsorge übernimmt. Die Pfarrgemeinden in Unterwössen würde ein Pater aus Südamerika seelsorgerisch als Vikar betreuen. Später solle ein Pastoralreferent das Team des Pfarrverbandes vervollständigen. Die bisherigen Pfarrbüros in Unterwössen und Schleching sollen erhalten bleiben.

Demgegenüber sprachen sich der Schlechinger Bürgermeister Josef Loferer und der Unterwössner Amtskollege Hans Haslreiter deutlich für einen Sitz des Pfarrverbandes in Unterwössen als dem zentralen Ort im oberen Achental aus. Loferer verwies auf den notwendigen Bezug von Kirche und Mittelschule. Allein die räumliche Nähe des Pfarrers zur Schule biete die Chance, die Kinder mit dem Glauben zu konfrontieren und sie daran zu binden.

Argumente der Bürgermeister

Die Argumente aus der Resolution beider Bürgermeister an das Ordinariat wurden beleuchtet: Unterwössen ist der zentrale Ort im oberen Achental. Dort unterrichtet die Mittelschule für alle Orte des Pfarrverbandes. Der Katholische Kindergarten Unterwössen ist der größte im Pfarrverband und die Bevölkerungsstruktur in Unterwössen mit Zuzügen junger Familien spricht für dessen Zukunft. Die Pfarrkirche St. Martin ist die Kirche mit dem größten Fassungsvermögen und ausreichendem Parkplatz im Umfeld. Pfarrhof und Pfarrheim sind intakt, energetisch saniert und auch für größere Büroeinheiten nutzbar. Der Unterwössner Kirchenbesuch ist überdurchschnittlich. Als Mittelpunkt der Pfarrgemeinden Oberwössen, Schleching und Unterwössen hat das Achental schon gute Erfahrungen mit einer zentralen Verwaltung gemacht. Unterstrichen wurde die zentrale Lage von Unterwössen durch die Darstellung der kurzen Wege für die unmittelbar benachbarten Pfarrgemeinden. In den Wintermonaten sei eine Fahrt in das in der Peripherie gelegene Reit im Winkl nicht gewährleistet.

Gerade die Unterwössner Teilnehmer der Sitzung sahen im Gespräch die aufgezeigte Entwicklung sehr kritisch. Sie fürchten um ihre noch »intakte Pfarrgemeinde mit überdurchschnittlichem Kirchenbesuch«. Mehrfach betonte Diakon Friedl, dass der so kritisierte Orientierungsrahmen keine verbindliche Planung sei. Abschließend hielt Friedl fest: »Der Prozess geht nun wieder von vorne los, aber letztlich entscheidet der Bischof.« Den Unterwössner und Schlechinger Teilnehmern blieb trotzdem ein ungutes Gefühl.

Frage des Pfarrsitzes wird neu überdacht

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Kurfer und dem Kirchenpfleger Bernhard Greimel entschlossen sich zu einem offenen Brief, in dem sie sich für einen Pfarrsitz in Unterwössen aussprechen und über die Argumente informieren. Noch bevor dieser Brief veröffentlicht wurde, berichtete Ordinariat-Sprecherin Bettina Göbner, dass die Frage des Pfarrsitzes nun noch einmal von Grund auf überdacht werde. Wenn Pfarrer Straßer im Dezember seinen Dienst beginne, beginne auch die Aufbauphase des Pfarrverbandes, meinte Göbner. In deren Verlauf sollten alle Fragen zur Ausgestaltung und Organisation gemeinsam geklärt werden. Dazu gehöre dann auch die Frage nach dem Sitz. Göbner sieht im Ordinariat die Personalplanung noch nicht abgeschlossen. Auskünfte, wer weiter Priester im Pfarrverband sein wird, seien deshalb noch nicht möglich. In Bezug auf die Ruhestandspriester im oberen Achental stehen nach Wissen des Ordinariats aber keine Veränderungen wie etwa Umzüge an, meinte Bettina Göbner. In welcher Form und in welchem Umfang die Ruhestandspriester im Pfarrverband mithelfen, werden die selbst gemeinsam mit Pfarrer Straßer entscheiden.

So wie es aussieht, ist also noch nicht das letzte Wort gesprochen. Und während ansonsten immer im Ordinariat die Stellenwechsel zum 1. September vollzogen werden, gibt es hier, im oberen Achental, noch ein paar Wochen Zeit bis Ende November. Dann am 1. Dezember übernimmt Pfarrer Strasser die Seelsorge und ordnet seine Herden. lukk