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Forstliches Gutachten und TBC kontrovers diskutiert

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Unterschiedliche Ansichten zum Forstlichen Gutachten und zu TBC hat es bei der Hegeschau der BJV-Kreisgruppe Traunstein gegeben.


Die Kulturlandschaft sei ein Spiegel der Gesellschaft und der Menschen, die sie pflegen und erhalten, sagte Landrat Hermann Steinmaßl. Mit ihrer Hege und Pflege des Wildes gehörten die Jäger dazu, denn auch die Jagd sei ein Kulturgut. Aber auch das Thema TBC gehöre dazu, weil sie durch das Rotwild übertragen werde. »Wir müssen dieses Thema vorsichtig und in Abstimmung mit den Betroffenen angehen«, sagte er mit Blick auf das Allgäu, wo Rotwild während der Schonzeit in Gattern geschossen werden soll. »Es macht Sinn, nicht nur die Rinder, sondern auch das Rotwild, und zwar entlang der gesamten Alpenkette als vermuteten Infektionsherd zu testen.« Es gehe sowohl um das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung als auch um den Tierschutz.

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Landrat Steinmaßl trat für Schutzreviere ein

Die Jagd stelle eine Herausforderung und Gratwanderung dar. Die Rehe seien mehr im Wald, weil ihnen die Wiesen keinen Schutz mehr böten. Steinmaßl trat daher für mehr Schutzreviere ein, in denen sich das Wild außerhalb des Waldes bewegen kann. »Wir sind dabei, Konzepte zu entwickeln«, sagte er. Bei der Abschussplanung hätten sich bereits 90 Prozent der Reviere geeinigt. Der Landrat vertrat die Meinung, dass dies privatrechtlich gelöst werden und das Landratsamt nur Schiedsrichter spielen sollte.

Auch Dr. Jürgen Schmid vom Staatlichen Veterinäramt vertrat die Ansicht, dass bei der TBC Eile geboten sei. »Wir werden versuchen, vermehrt Proben vom Rotwild zu bekommen, aber vornehmlich von auffälligen Tieren und nicht wahllos«, versprach er. »Wir werden eine abgestimmte und vernünftige Vorgehensweise versuchen.« Über TBC im Wildbereich habe sein Amt relativ wenige Ergebnisse. Die Aussagen, die man habe, stünden auf tönernen Beinen.

Der BJV-Kreisvorsitzende Sepp Haiker fand den geplanten Gatterabschuss und in der Schonzeit für gesetzwidrig. Er fand es schlichtweg als absurd, dass jetzt die Jagd beweisen solle, dass das Rotwild nicht Verursacher für die Übertragung von TBC sei. Für ihn war es unmöglich, »dass niemand auf den Trichter kommt, dass TBC von anderen Viechern kommt«. Diese würden aus ganz Europa und sogar aus den Anden zu uns gekarrt. »Es ist nicht so, dass das Rotwild schuld an der TBC ist«, widersprach er seinen Vorrednern vehement. Er setzte seine Hoffnung darauf, dass sich das Landratsamt auf den geringst möglichen Rotwildabschuss beschränken werde.

Verbiss-Situation: »Erfolge sichern«

Auf die Situation des Forstlichen Gutachtens ging Leitender Forstdirektor Alfons Leitenbacher vom Traunsteiner Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein. Seine Feststellung lautete, dass sich die Verbiss-Situation stabilisiert habe und der Landkreis Traunstein besser dastehe als der Durchschnitt in Bayern. »Jetzt geht es darum, die Erfolge zu sichern«, betonte er. Dazu sei es wichtig, in den 73 Revieren, in denen der Verbiss zu hoch oder deutlich zu hoch sei, eine Trendwende einzuleiten. Bei 63 Prozent der rund 200 Reviere sei der Verbiss günstig oder tragbar, in den restlichen zu hoch oder deutlich zu hoch.

Haiker stellte dazu fest, dass sich einige Hegegemeinschaftsleiter und Revierinhaber sich nicht gefallen ließen, was im Vegetationsgutachten stehe und Waldbegehungen durchgesetzt hätten. Beschwerdepunkt seien die revierweisen Aussagen, weil sie von Forstbeamten missbraucht würden. »Wenn die Aussagen von Forstbeamten den Ausschlag für die Abschussplanung geben, warum brauchen wir dann noch das amtliche Vegetationsgutachten«, lautete Haikers Kritik. Er ermuntere die Jagdpächter deshalb, mit Einsprüchen dagegen vorzugehen. Bjr