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Folgenschwerer Radunfall rief Verkehrsreferenten auf den Plan

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Aufgrund eines folgenschweren Unfalls in Oderberg, bei dem sich eine Radfahrerin lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen hat, fordert der Traunreuter Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) eine bauliche Sperrung der Einmündung in die Sonnenstraße. Der Traunreuter Stadtrat wird sich am kommenden Donnerstag mit dem Thema befassen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) hat bei der Traunreuter Stadtverwaltung einen Eilantrag eingereicht. Er will damit eine sofortige Schließung der Einfahrt in die Sonnenstraße in Oderberg erreichen. An der Einmündung war es zu einem folgenschweren Unfall gekommen, bei dem eine 32-jährige Radfahrerin mit einem siebenjährigen Buben zusammengestoßen war. Die Frau zog sich dabei lebensgefährliche Kopfverletzungen zu. Gorzels Antrag stand auf der Tagesordnung der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung ganz oben.


Als Begründung für seinen Antrag führt der Verkehrsreferent aus, dass bei der Einmündung in die Sonnenstraße trotz ausgiebiger und eindeutiger Beschilderung ein Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern nicht auszuschließen sei. Da es hier »um das Leben von schützenswerten Fahrradfahrern geht«, sei höchste Eile geboten, so Gorzel.

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32-Jährige lebensgefährlich am Kopf verletzt

Wie berichtet, hatte ein Siebenjähriger am Ende der Sonnenstraße bei der Einmündung in die Robert-Bosch-Straße mit seinem Kinderfahrrad offenbar wenden und zurück in die Sonnenstraße fahren wollen. Laut Polizeiprotokoll ist der Bub bei diesem Wendemanöver auf die rot markierte Fläche des dortigen Radwegs gefahren. Zur gleichen Zeit kam eine 32-jährige Radfahrerin aus Richtung Traunreut den Radweg herunter und stieß mit dem Kind zusammen.

Der Unfall sei zwar kein »typischer Unfall« gewesen, aber das Unglück zeige, dass es sich um eine sehr gefährliche Stelle handle, räumte der Zweite Bürgermeister Hans Peter Dangschat ein. Diese Aussage unterstrich auch Johannes Danner von der Bürgerliste. »Das ist eine verdammt gefährliche Stelle«, mahnte Danner, der täglich auf dieser Strecke mit dem Fahrrad von Traunwalchen nach Traunreut zur Arbeit fährt. Der Verkehr auf der Robert-Bosch-Straße habe zugenommen und die Einfahrt in die Sonnenstraße sei eine Mausefalle. Die Autofahrer, die von Traunreut kommend links in die Sonnenstraße einbiegen möchten, müssten sowohl auf den Gegenverkehr achten als auch auf die Radfahrer aus beiden Richtungen, die wegen des Gefälles oft mit sehr hoher Geschwindigkeit fahren würden. Zusätzlich befinde sich vor der Einfahrt auch noch eine öffentliche Bushaltestelle. Danner sprach sich darum für eine verschärfte Lösung aus. Allerdings sagte er auch, dass man mit Straßenschließungen grundsätzlich vorsichtig verfahren sollte.

Christian Gerer und Hans Kneffel (CSU) forderten eine »größere Lösung«, um die Gesamtsituation zu entschärfen. »Wir sollten jetzt Nägel mit Köpfen machen«, betonte Gerer. Dr. Michael Elsen (CSU) regte an, den Radfahrverkehr über das Oderberger Gewerbegebiet umzuleiten. Auf dieser Strecke gebe es kaum eine Senkung – und damit ließe sich ein Großteil der Gefahrenquelle ausschließen. Ernst Ziegler (SPD) monierte, dass der Radweg ohnehin zu schmal sei und ein Sichtdreieck durch eine Hausmauer nicht vorhanden sei. In diesem Zusammenhang forderte er die Verwaltung auf, nachzuforschen, ob diese Mauer überhaupt genehmigt sei.

Zieglers Fraktionskollege Christian Stoib sprach sich für ein Umlaufgitter aus, um die Radfahrer aus der Sonnenstraße zum Absteigen zu zwingen. »Wir sollten wirklich jetzt was tun«, forderte Gretl Gineiger (Grüne), und auch Ernst Biermaier (FW) vertrat die Ansicht, jetzt klar nachzudenken und Lösungen zu finden.

Die Situation auf Höhe der Zufahrt in die Sonnenstraße verschärft sich dahingehend, dass es immer wieder unbelehrbare Autofahrer gibt, die sich nicht an die Verkehrsordnung halten. Obwohl die Ausfahrt von der Sonnenstraße in die Robert-Bosch-Straße seit einem schweren Fahrradunfall vor einigen Jahren mit einer entsprechenden Beschilderung verboten ist, halten sich einige Autofahrer nicht an die Regelung und gefährden dabei die Radfahrer.

Zusätzlich wurde an der Sonnenstraße, rund 100 Meter vor der für Autofahrer verbotenen Ausfahrt auf die Robert-Bosch-Straße, eine rote Markierung auf die Straße aufgebracht und ein Hinweis, dass nach 100 Meter Schluss ist. Diese Beschilderung missachten unbelehrbare Autofahrer aber offenbar nach wie vor. »Es fahren trotzdem welche raus«, sagte eine Anwohnerin der Sonnenstraße dem Traunsteiner Tagblatt. Auf weitere Nachfrage bestätigte sie, dass es sich dabei um fremde Autofahrer handle und nicht um Anlieger.

Rettungsdienst und Müllabfuhr waren Thema

Eine bauliche Absperrung der gefährlichen Einfahrt hatte die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen bereits vor rund zwei Jahren gefordert. Daraufhin fand eine Verkehrsschau statt, bei der sich alle Fachbehörden einig waren, wegen des Rettungsdiensts und der Müllabfuhr an der Sonnenstraße mit Ausnahme einer zusätzlichen Beschilderung nichts zu verändern. Die Müllfahrzeuge und Rettungsfahrzeuge müssen von der Robert-Bosch-Straße über die gefährliche Abzweigung in die Sonnenstraße fahren. Durch den Siedlungscharakter gibt es in der Sonnenstraße aber für größere Fahrzeuge und Müllfahrzeuge keinerlei Wendemöglichkeit. Eine Schließung der Zufahrt in die Sonnenstraße hätte zur Folge, dass die Müllabfuhr die Sonnenstraße aus anderer Richtung anfahren müsste, aber nicht mehr wenden beziehungsweise ausfahren könnte.

Insofern dürfte dieses Problem nicht leicht zu lösen sein. Die Stadtverwaltung hat die zuständigen Behörden jetzt erneut um Stellungnahmen gebeten. Die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt Traunstein teilte der Stadtverwaltung dazu per E-Mail mit, dass sie grundsätzlich keine Einwände gegen die Schließung der Einmündung erhebe. Die Belange von Rettungsdienst und Müllabfuhr seien jedoch weiter zu beachten. Deshalb empfahl die Behörde der Stadtverwaltung, Kontakt mit der Integrierten Leitstelle Traunstein (ILS) und dem Entsorgungsbetrieb aufzunehmen.

Warten auf Stellungnahmen der Behörden

Die Stellungnahmen des Rettungsdiensts und des Entsorgungsbetriebs sowie des Staatlichen Bauamts Traunstein stehen noch aus, sollen aber bis zur Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag vorliegen. Auch die Polizei hat eine Stellungnahme abgegeben. Sie schreibt, dass der Unfallhergang erneut gezeigt habe, dass an der Einmündung in die Sonnenstraße ein »ganz erhebliches« Sichtproblem vorliege. »Ein Sichtdreieck ist schlichtweg nicht vorhanden.«

Um die Gefahrensituation zu entschärfen, gibt es aus Sicht des zuständigen Sachbearbeiters drei Ansätze: Die Herstellung eines Sichtdreiecks, eine bauliche Schließung der Einmündung mittels durchgehendem Zaun – mit all den Nachteilen und Problemen, die schon bei der Verkehrsschau letztendlich als Hinderungsgründe eingestuft wurden – und eine Aufhebung des Benutzerrechts für Radfahrer auf dem linken »Radweg«. Eine Beschilderung für die bergab fahrenden Radfahrer »gefährliche Einmündung – Schrittgeschwindigkeit« wären in den Augen des Polizeibeamten auch noch eine Option. Keine dieser Maßnahmen sei aber geeignet, die bestehenden Gefahren vollständig zu beseitigen, heißt es in der Stellungnahme abschließend.

Der Hauptausschuss verständigte sich letztendlich darauf, zunächst die noch ausstehenden Stellungnahmen abzuwarten und erst dann über den Antrag in der Stadtratssitzung zu befinden. ga