Förderverein will Kosten für Gutachten übernehmen

Bildtext einblenden
Der Förderverein Alt-Traunstein hat angeboten, die Kosten für einen Gutachter zu übernehmen, der den Bauzustand der Salinenkapelle ermittelt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der Förderverein Alt-Traunstein will sich nach wie vor dafür einsetzen, dass die Salinenkapelle ein Juwel in der Stadt bleibt. Erneuert und verdeutlicht hat er sein Angebot, der Kirchenverwaltung St. Oswald unter die Arme zu greifen: Er stellt jetzt in Aussicht, ein Gutachten zu finanzieren, das den baulichen Zustand des Schmuckstücks in der Au in den Brennpunkt rückt und die Frage des Sanierungsbedarfs klärt. »Wir sind bereit, zu zahlen«, sagte Richard Kraft, der Vorsitzende des Vereins, am Mittwoch in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Ein Gutachten kostet – so erste Schätzungen, die im Raum stehen – rund 100.000 Euro.


»Die Salinenkapelle ist ein ganz tolles Bauwerk«, schwärmt Kraft. Nur wenige in der Stadt und der Umgebung wüssten, so der Vereinsvorsitzende weiter, dass das Gotteshaus, das der Staat im 17. Jahrhundert im Zuge des Auf- und Ausbaus der Saline für die Arbeiter errichtete, »künstlerisch sehr wertvoll« sei. Der Verein ist laut Kraft überzeugt, dass ein Sanierungsbedarf gegeben sei – und er biete der Kirchenstiftung an, ihn auf seine Rechnung in einem ersten Schritt feststellen zu lassen. Wenn dann möglicherweise einmal ein Gutachten vorliegt, dann sei in einem zweiten Schritt zu überlegen, ob und wie der Verein helfen kann, einzelne Maßnahmen zu ergreifen.

Anzeige

Wenn sich die Kirchenverwaltung entschließt, ein Gutachten in Auftrag zu geben, dann übernimmt der Verein laut Kraft die Kosten – und zwar in voller Höhe. Dietrich von Dobeneck habe vor seinem Tod noch einmal deutlich gemacht, dass ihm die Salinenkapelle eine Herzensangelegenheit sei, und habe dann auch die 100.000 Euro bereitgestellt, die eine Untersuchung voraussichtlich kostet.

Das Angebot, die Kosten zu übernehmen, hat im Pfarramt St. Oswald am Mittwoch große Freude ausgelöst. Stadtpfarrer Georg Lindl habe, wie er auf Anfrage mitteilte, über das Traunsteiner Tagblatt nun zum ersten Mal gehört, dass Alt-Traunstein die Ausgaben für das Gutachten stemmen will. Wenn der Verein nun auch noch persönlich an ihn herantrete, sei er gerne bereit, weitere Schritte hin zur Vergabe des Auftrags einzuleiten.

Erforderlich sei dann insbesondere auch ein Gespräch mit dem Erzbischöflichen Ordinariat.

Pfarrer Lindl ist mehr als nur ein bisschen erfreut, dass der Verein das Geld für eine Begutachtung der Salinenkapelle locker machen will. Denn die Kirchenstiftung St. Oswald, der Eigentümer der Salinenkapelle, besitze keinen Euro mehr. Die Sanierung der Stadtpfarrkirche – sie hat viele Millionen Euro gekostet – sei ein finanzieller Kraftakt gewesen, der die Kirchenstiftung über Jahre hinweg sehr gefordert habe. Ihre Kasse sei jetzt leer.

Wenn alle – und damit auch die Erzdiözese – an einem Strang ziehen, so ist die Kirchenstiftung St. Oswald laut Lindl gerne bereit, das Gutachten in Auftrag zu geben. »Wir sind dabei – ohne Wenn und Aber«.

Die Salinenkapelle sei, so der Stadtpfarrer und Dekan, das »kunsthistorisch wertvollste Gebäude in Traunstein«. Eine grundlegende Untersuchung ihres baulichen Zustands bevorzugt der Pfarrer gegenüber einer Sanierung an dieser oder jener Stelle im Gotteshaus. So hält Lindl zum Beispiel nichts davon – wie der Förderverein Alt-Traunstein anfänglich auch zur Diskussion gestellt hatte –, das Altarblatt zu restaurieren. Ehe man einzelne Objekte auf Vordermann bringt, sei eine Gesamtübersicht erforderlich, ob überhaupt Sanierungsbedarf besteht – auch diese Frage sei vom Gutachter zu klären – und, wenn ja, wo und welcher. Auf dieser Grundlage könne man dann über einzelne Maßnahmen diskutieren.

An der Frage, ob und, wenn ja, welcher Sanierungsbedarf gegeben ist, scheiden sich bislang die Geister. Vertreter des Vereins wie auch der Kirche hatten sich vor einiger Zeit ein Bild an Ort und Stelle gemacht. Während der Verein nach wie vor einen Anlass zum Handeln sieht, ist die Kirche zurückhaltend.

»Von Seiten des Erzbischöflichen Ordinariats München waren ein Vertreter der Bauberatung für die Region Süd sowie ein Vertreter der Hauptabteilung Kunst vor Ort«, berichtete Hendrik Steffens von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats München. Bei dieser Begehung sei der aktuelle, bauliche und konservatorische Zustand routinemäßig begutachtet und im Gespräch mit Vertretern des Fördervereins Alt-Traunstein reflektiert worden. Und die Begutachtung habe ergeben, »dass der Kirchenbau insgesamt außen einige altersgemäße Abnutzungen und Verschmutzungen aufweist«, so Steffens. Die künstlerische Ausstattung im Innern der Kirche weise – insbesondere an den Altarretabeln – einzelne Schäden auf. »Ein erhöhter, substanzieller restauratorischer Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Erzbischöflichen Ordinariats derzeit aber nicht.«

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen