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Förderanspruch, Bürokratismus und Klimawandel

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Hans Maier (Zweiter von links) aus Teisendorf wurde für seine langjährige Tätigkeit in der Almgenossenschaft Freidling geehrt. Es gratulierten der Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Michael Hinterstoißer (links), Bezirksalmbauer Kaspar Stangassinger (Zweiter von rechts) und der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair. (Foto: Horn)

Schneizlreuth – Der 67. Almbauernjahrtag des Berchtesgadener Landes fand im Hotel Alpenglück in Weißbach an der Alpenstraße statt. Ein festlicher Gottesdienst in der Weißbacher Kirche, Grußworte und teilweise kritische Ansprachen, aber auch die Unbeschwertheit des gemütlichen Beisammenseins prägten den Tag.


Pfarrer Quirin Strobl ging in seiner Predigt auf die wertvolle Arbeit in Sachen Landschaftspflege und gesunde Nahrungsmittelproduktion ein und bezog seine Ausführungen auf das Tagesevangelium, in dem es um die Nächstenliebe ging. Die Musikkapelle Weißbach gestaltete sowohl die Messe als auch den anschließenden Festzug mit Blasmusik.

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»Das ist nicht selbstverständlich«

Bezirksalmbauer Kaspar Stangassinger bedauerte, dass es nicht auf allen Almen im Berchtesgadener Land einen unfallfreien Sommer gegeben hatte. Er machte deutlich, mit welchem Idealismus die Almwirtschaft betrieben werde. Denn größtenteils würden die Betriebe im Nebenerwerb geführt. Stangassinger forderte von der Politik mehr Verständnis. »Landschaftspflege, die von uns betrieben wird, ist nicht selbstverständlich. Würde es auf den Almen kein Vieh mehr geben, wäre es um den Tourismus schlecht bestellt«, prognostizierte der Bezirksalmbauer.

Landratstellvertreter Helmut Fürle verdeutlichte, dass der Landkreis Berchtesgadener Land außerhalb der EU-Forderungen durch eigene Unterstützungsmaßnahmen die Almwirtschaft bezuschusst. Derzeit wird über die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes diskutiert.

»Ein Düngeverbot wird es nicht geben«

Der stellvertretende Leiter des Landwirtschaftsamtes Traunstein, Rolf Oehler, ging auf die Planungen zur neuen Düngeverordnung ein. »Ein Düngeverbot auf Grünland in Hangflächen wird es nicht geben«, stellte er klar. Bis zum Jahr 2015 soll aber eine generelle Schleppschlauchpflicht auf Grünland eingeführt werden. Um Bürokratismus zu vermeiden, forderte Oehler eine generelle Ausnahmegenehmigung für Berggebiete.

Almfachberater Franz Gruber ging auf den vergangenen Almsommer ein. Der Weideaustrieb hatte aufgrund der günstigen Witterung bereits rund eine Woche früher als üblich begonnen. Im Landkreis waren heuer 1 566 Rinder auf den Almen des Berchtesgadener Landes. »Es ist deutlich zu erkennen, dass sich der Almsommer durch den Klimawandel weiter nach vorne verschiebt. Die starren Zeiten für Weidezeiten sind überholt und gelten nicht mehr«, machte Gruber deutlich. Heuer sei es sehr schwierig gewesen, einen Zeitpunkt für die Heuernte zu finden und ab Mitte August hatte eine lange Regenperiode dafür gesorgt, dass auf den Weiden viele Trittschäden entstanden sind.

Gruber erläuterte weiter, dass von den Förderansprüchen reger Gebrauch gemacht worden war. 100 000 Euro waren im Landkreis in den Erhalt von Almgebäuden geflossen, dazu gab es eine Förderung in Höhe von 34 000 Euro. Weiter waren 16 000 Euro an Zuschüssen für Schwendmaßnahmen beantragt worden. In diesem Bereich gebe es eine wesentlich höhere Nachfrage als Fördermittel ausgeschüttet würden.

Unmut wegen Düngeverordnung

Viel Unmut hatten die EU-Bestrebungen ausgelöst, eine neue Düngeverordnung mit einem generellen Gülleverbot auf Hangflächen einzuführen. Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair, machte dazu deutlich: »Wir werden alles dagegen unternehmen, damit diese Verordnung nicht greift.«

Molkereigeschäftsführer Bernhard Pointner bezeichnete die Situation auf dem Milchmarkt als katastrophal. »Einige Molkereien haben bereits die 30-Cent-Marke nach unten durchbrochen«, war eine schlechte Nachricht für die Milchbauern. Positiv hingegen war, dass er für die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land eine andere Entwicklung sieht, denn die Produktion von Qualitätsprodukten habe sich bewährt.

Kreisobmann Anton Kern ging auf die Planungen der Gründung eines Landschaftspflegeverbandes im Landkreis Berchtesgadener Land ein und erklärte, dass keine Konkurrenz zu bestehenden Strukturen geschaffen werden soll.

Ehrungen verdienter Almbauern

Mit Ehrungen verdienter Almleute fand der offizielle Teil des Almbauernjahrtages seinen Abschluss: Für 35 Almsommer wurde Christl Bauregger von der Reiter Alm ausgezeichnet. 30 Almsommer verbrachte Catharina Hartl auf der Steiner Alm, 15 Almsommer war Matthias Bauregger auf der Reiter Alm und ebenfalls 15 Almsommer verbrachte Hans Stangassinger auf der Büchsen- und Gotzenalm.

Für zehn Almsommer wurden Regina Brandner (Wasserfallalm) und Christian Graßl (Kallbrunnalmen) ausgezeichnet. Auf jeweils fünf Almsommer blicken Sonja Sauter (Raggertalm) und Irmgard Leipld-Aigenherr (Mitterkaser). Eine besondere Ehrung gab es für den langjährigen Vorsitzenden der Almgenossenschaft Freidling, die die Stoißer Alm am Teisenberg bewirtschaftet. 19 Jahre lang hatte Hans Maier an der Spitze des Verbundes gestanden und sich um die Almwirtschaft verdient gemacht. Eine farbenprächtige Fuikl war das äußere Zeichen der Verbundenheit und des Dankes vonseiten des Bezirksalmbauern Kaspar Standgassinger. mh