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Flüchtlingszahl wird sich heuer wohl noch fast verdoppeln

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299 Asylbewerber leben aktuell in den zentralen Unterkünften der Regierung von Oberbayern in Grassau, Engelsberg und Inzell, 523 Flüchtlinge sind dezentral in den Landkreisgemeinden untergebracht. Ruhpolding hat mit 118 die meisten Asylbewerber aufgenommen. In elf Kommunen leben nach wie vor keine Flüchtlinge. (Grafik: Landratsamt Traunstein)

Traunstein – Über die aktuellen Flüchtlingszahlen hat Landrat Siegfried Walch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses informiert. 879 Asylbewerber waren zum Stichtag 1. Mai im Kreis Traunstein untergebracht. Laut einer erst gestern aktualisierten Prognose der Regierung von Oberbayern für das Jahr 2015 muss der Landkreis heuer mit einem Anstieg auf 1685 Asylbewerber rechnen. Walch erklärte in der Sitzung auch, dass er das Signal bekommen habe, dass der Asyl-Notfallplan im Landkreis Traunstein vorerst nicht in Kraft treten wird.


Laut Walch sind 57 der 879 Asylbewerber sogenannte »unbegleitete minderjährige Asylbewerber«, das heißt, sie sind unter 18 Jahre alt und ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen. 299 der Asylbewerber im Landkreis Traunstein leben in den zentralen Unterkünften der Regierung von Oberbayern: in Grassau (162), in Engelsberg (96) und in Inzell (41). Die übrigen 523 Flüchtlinge sind dezentral untergebracht. »Unser Bestreben, die Asylbewerber flächendeckend unterzubringen, greift langsam«, führte Walch aus. Die meisten Gemeinden würden sich sehr engagiert beteiligen.

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Sechs neue Planstellen am Landratsamt

Ruhpolding hat die meisten dezentral untergebrachten Asylbewerber aufgenommen, nämlich 118. 82 Flüchtlinge leben in der Gemeinde Bergen. Dann folgen die Städte Trostberg (55), Traunstein und Traunreut (beide 35). In der Gemeinde Unterwössen leben 55 sogenannte »Kontingentflüchtlinge«; sie haben aus humanitären Gründen mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Nach wie vor gab es zum Stichtag aber einige weiße Flecken: In den elf Gemeinden Chieming, Fridolfing, Kienberg, Kirchanschöring, Pittenhart, Reit im Winkl, Staudach-Egerndach, Surberg, Taching am See, Übersee und Vachendorf waren zum 1. Mai noch keine Asylbewerber untergebracht.

Zur Prognose der Regierung von Oberbayern, dass der Landkreis heuer gut 800 weitere Asylbewerber aufnehmen muss, sagte Landrat Siegfried Walch: »Wir gehen intern von höheren Prognosen aus.« Seine Behörde rechne mit einer Verdoppelung der Ist-Situation. Diese Entwicklung würde es auch erfordern, sechs zusätzliche Planstellen im Landratsamt neu zu schaffen, »um das notwendige Existenzminimum der Asylbewerber sicherstellen zu können«. »Ich habe das kurz hochgerechnet: Das sind ja etwa 200 000 bis 300 000 Euro an Personalkosten, die dem Landkreis zusätzlich entstehen. Ist das richtig?«, wollte Dr. Lothar Seissiger (Freie Wähler) vom Landrat wissen. »Ja, das ist richtig«, antwortete Walch. Und momentan gebe es keine Aussicht auf eine Kostenübernahme.

Was den Asyl-Notfallplan der Staatsregierung betreffe, habe er das Signal erhalten, dass der Landkreis Traunstein zumindest fürs erste »auskommen« werde, so Walch. »Rund um uns herum schlägt es ein«, sagte der Landrat mit Blick etwa auf die 160 beziehungsweise 180 Flüchtlinge, die aktuell im Berchtesgadener Land und im Landkreis Altötting in Turnhallen untergekommen sind. »Wir haben immer ein bisschen mehr Asylbewerber untergebracht, als wir mussten. Wir waren von Anfang an ein zuverlässiger Partner«, begründete Walch die Tatsache, dass der Landkreis aktuell noch keine Turnhalle für Flüchtlinge schließen musste. Allerdings könne ein weiterer, rapider Anstieg der Asylbewerber natürlich auch schnell zu einer Änderung führen.

»Situation nicht dramatisieren«

Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) sprach zwei Probleme an, die auch den Landkreisbewohnern, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern würden, unter den Nägeln brennen würden. Zum einen gebe es gerade mit der steigenden Zahl der Asylbewerber aus Syrien ein Sprachproblem. »Sie sprechen kein Deutsch, kein Englisch und auch kein Französisch«, erklärte Wiesholler-Niederlöhner. »Das ist für uns Ehrenamtliche ein riesen Problem.« Und das fast noch größere Problem sei die Wohnungssuche; Asylbewerber täten sich nach ihrer Anerkennung schwer, eine Wohnung zu finden.

»Der Landkreis kann nicht für alles zuständig sein«, entgegnete Siegfried Walch. Das Landratsamt habe gar nicht die Kapazitäten, für jedes Problem eine Lösung zu finden. »Vieles wird an den Gemeinden und an den Ehrenamtlichen hängen bleiben«, so die Einschätzung des Landrats. Dennoch sah er gerade die Dringlichkeit des Wohnungsproblems. »Es herrscht tatsächlich eine Knappheit am Wohnungsmarkt.« Darum werde es dazu auch ein Wohnungsbauprogramm des Freistaats geben.

Als abschließendes Resümee zur Flüchtlingsproblematik im Landkreis Traunstein meinte Walch: »Die Situation ist nicht einfach, aber wir sollten sie auch nicht dramatisieren.« san