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Flüchtlingskrise ist die größte Herausforderung

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Übersee – Eine große Portion Ortsgeschehen und Gemeindepolitik mit vielen Zahlen, Daten und Fakten als Rück- und Ausblick hatte Übersees Bürgermeister Marc Nitschke in seiner eineinhalbstündigen Rede für die rund 180 Besucher der Bürgerversammlung im Feldwieser Wirtshaussaal vorbereitet. Dabei zeichnete er ein Bild von einer aktiven, bürgernahen, kinder- und investitionsfreundlichen sowie sozial hoch motivierten Gemeinde mit starkem Bürgerengagement.


»Was aber vor allem zählt, ist die Dorfgemeinschaft«, sagte Nitschke. Sie macht Übersee lebenswert, schafft Lebensqualität und hilft Krisen zu überwinden. Als überragende Herausforderung für die nächsten Monate und Jahre bewertete er die Flüchtlingskrise. Niemand wisse, wie sich die Lage entwickle, man werde auf die große Politik angewiesen sein. »Mit unserem Zusammenhalt werden wir aber auch diese schwierige Situation gemeinsam meistern«, war sich der Bürgermeister sicher.

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Bisher sind nur 15 Flüchtlinge untergebracht

Mit derzeit 15 untergebrachten Asylbewerbern liege man weit unter der Sollquote für den Ort von 82 für dieses Jahr und von 164 für 2016. Wie so oft in diesen Tagen, rief Nitschke seine Bürger auf, Wohnraum in kleinen Einheiten zur Anmiete durch das Landratsamt zur Verfügung zu stellen, um Zwangszuweisungen zu vermeiden.

Positives berichtete der Rathauschef über Investitionen von insgesamt 3,2 Millionen Euro. Nach der Erweiterung des Kindergartens Zellerpark um eine Kinderkrippe und der dadurch erforderlichen Neugestaltung der Außenanlagen, diversen Straßen- und Brückensanierungen und -neubauten, wurden 75 000 Quadratmeter Grünland für Grundstückstausch und Ausgleichsflächen erworben. Weiterhin ist die Schule mit neuen Toilettenanlagen, neuen Schülertischen und multimedialer Technik in vier Klassenräumen ausgestattet worden.

Mehrere große Projekte in den nächsten Jahren

Zu den beiden wichtigsten Großprojekten in nächster Zukunft zählt der Bürgermeister das Gemeinde- und Bürgerzentrum sowie das Gemeinschaftshaus für Senioren. Aktuell arbeitet eine Konzeptgruppe an Neubauvarianten für das künftige Rathaus, dem Umbau des jetzigen Rathauses in ein Bürgerhaus, den Abriss des ehemaligen Feuerwehrhauses und der Gestaltung eines großen Dorfplatzes. Eine ausführliche Bürgerinformation dazu ist für den Jahresbeginn 2016 geplant.

In Sachen »Seniorenwohnen und -pflegen« kommt nach zahlreichen Konzepten, Standorten, Planungen und ebenso vielen Verwerfungen der vergangenen Jahre jetzt laut Nitschke eine Lösung in Sicht. Man habe einen Standort an der Bahnhofsstraße ortsauswärts gefunden und arbeite derzeit an der Rohplanung. Das sogenannte »Gemeinschaftshaus« werde alle Bedürfnisse der Gemeinde, wie Tagespflege, Betreutes Wohnen, Pflege-WG und Demenzabteilung, abdecken.

Als Großprojekt sieht der Bürgermeister auch die Sanierung der Feldwieser Straße durch den Landkreis. Aktuell sei ein bestandsorientierter Ausbau mit Gehsteig, aber ohne Fahrradwege wahrscheinlich. Eine nochmalige Überprüfung sei aber gerade im Gemeinderat beschlossen worden.

Darüber hinaus laufe derzeit das Antragsverfahren für 84 neue, überdachte Fahrradständer an der Westseite des Bahnhofs sowie die Bearbeitung zum neuen Verkehrskonzept Chiemseeufer, um geregelte Verkehrsabläufe bei großem Andrang zu garantieren. Bereits realisiert worden seien die lang ersehnte Tankstelle und das Kundencenter im Bahnhof für einen persönlichen Service.

Viele familienfreundliche Betreuungsangebote

Die Einwohnerzahl hat einen noch nie dagewesenen Höchststand von 5029 (2014: 4987) erreicht. Der prozentuale Anteil von 16,2 Prozent an Kindern und Jugendlichen, 63,8 Prozent an Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren und von 20,1 Prozent an Senioren über 65 Jahren sei laut Nitschke »eine gute Struktur im Gegensatz zu anderen Gemeinden«. Der Bürgermeister führte den steten Anstieg der Bevölkerung auch auf das familienfreundliche Betreuungsangebot mit drei Kindergärten und zwei Krippen sowie dem Erfolgsmodell der Mittagsbetreuung zurück. Inzwischen habe man die Rekordzahl von 91 Kindern erreicht, habe personell aufstocken und die Zeiten verlängern müssen.

Augenmerk auf neue Gewerbegebiete

Nach wie vor eine positive Tendenz sah der Rathauschef beim Bau von Neubauten und am Grundstücks- und Immobilienmarkt sowie bei Übersees größten Arbeitgebern, den Firmen Aircraft Philipp und Maschinenbau Wimmer. Trotzdem richte man das Augenmerk auf neue Gewerbegebiete.

Laut Nitschke sei der Haushalt heuer geprägt worden von Rekordergebnissen bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer und den Gebühreneinnahmen, aber auch von höheren Kreis- und Gewerbesteuerumlagen und großen Investitionen. Die Gesamtverschuldung habe sich zwar um 174 000 Euro auf 4,2 Millionen Euro erhöht. Man befinde sich aber dennoch »auf einem guten Weg«.

Sichtlich stolz zeigte sich Nitschke über die vielen ehrenamtlichen Sozialinitiativen und dankte unter Beifall den engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern in allen Vereinen und Organisationen für ihr Engagement und ihre immer wieder neuen Projekte. »Übersee ist inzwischen in der ganzen Region bekannt für seine sozialen Netzwerke und Vorzeigeprojekte.« bvd

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