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Flüchtlinge: Spendenbereitschaft in Laufen ist enorm

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Vor einer Woche sind die Asylbewerber in Laufen angekommen. Die Hilfsbereitschaft ist groß, doch es gibt auch kritische Stimmen. (Foto: Höfer)

Laufen – Mancher kam mit kleinem Rucksack oder einer Plastiktüte. Ansonsten hatten die 94 Asylbewerber, die vor einer Woche am Rottmayr-Gymnasium eintrafen, nur das, was sie am Leib trugen. Viel zu wenig für die derzeit im Rupertiwinkel herrschenden Temperaturen. Doch diese Not war rasch gelindert, die Spendenbereitschaft von Schülern und Bevölkerung ist enorm. Sabine Klinger, in der Stadt Laufen zuständig für Soziales, ist voll des Lobes.


Sieben Familien mit ein bis drei Kindern leben derzeit in der großen Doppelturnhalle. Dazu kommen Männer; die jüngsten sind im Teenageralter, die ältesten beinahe im Rentenalter. Die Flüchtlinge kommen aus Nigeria, Somalia, Albanien, Eritrea, Syrien, Pakistan und Afghanistan. Langsam beginnt für sie der Alltag. »So mancher fängt an zu 'tigern'«, beschreibt der Geschäftsleiter der Stadt Laufen, Christian Reiter, die Lage. »Umso wichtiger sind jetzt Freizeitangebote«, ergänzt Sabine Klinger.

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Kicker und Spielsachen für die Freizeit

Da sind positive Anfänge gemacht. Zwei Kicker und Spielsachen sind eingetroffen. In der unterrichtsfreien Zeit können die Asylbewerber die Tischtennisplatten im Schulhof nutzen. Der Sportverein gestattet das Spielen am alten Fußballplatz an der Freilassinger Straße, Bälle wurden dafür bereits gespendet. Lehrer des Rottmayr-Gymnasiums vermitteln ein Basis-Deutsch oder sind aktiv im Helferkreis.

Überhaupt erobern die Asylbewerber zunehmend ihre neue Umgebung, überall im Stadtbild sind fremdländische Gesichter zu sehen. Nicht zur Freude aller. Einer berichtet von grober Unhöflichkeit dreier junger Asylbewerber am Gehsteig, viele beäugen deren intensive Handy-Nutzung mit Argwohn. »Das kann ich nicht mehr hören«, sagt dazu Geschäftsleiter Reiter, »für diese Menschen ist es oft die einzige Chance, Kontakt zu halten zur Familie oder in ihr Heimatland.« Die Stadt wolle sie sogar dabei unterstützen, ist gerade dabei, WLAN in die Schulturnhalle zu holen.

»Wir wollen uns der sozialen Verantwortung nicht entziehen«, betont Reiter, »und unseren Beitrag leisten, damit alles möglichst reibungslos funktioniert.« Dafür sorgen neben den Verantwortlichen im Landratsamt Berchtesgadener Land Organisationen wie die Malteser, das Rote Kreuz, die Caritas und die Arbeiterwohlfahrt, die aus Freilassing dreimal täglich Essen anliefert. Alles, außer Schweinefleisch.

Die Sicherheitsleute am Gymnasium arbeiten schichtweise. »Die sind nicht dort, weil die Asylbewerber gefährlich wären«, betont Klinger ausdrücklich, »es geht um den Schutz der Menschen und ihre Intimsphäre.« Ansonsten kämen wohl viele Neugierige in die Halle. Zutritt aber hat neben den Offiziellen nur, wer als Helfer gelistet ist.

Rund ein Drittel der Arbeitszeit von Schuldirektor Alfred Kotter beansprucht inzwischen die neue Situation am Gymnasium. Ansonsten laufe alles »ziemlich optimal«, erklärt der Direktor. Und daneben werde das Thema Flucht, Vertreibung und Asyl im Unterricht aufgegriffen.

Zwei Schülerinnen mit albanischem Migrationshintergrund betätigen sich mit Einverständnis ihrer Eltern in den Pausen als Dolmetscherinnen. »Einen Dolmetscher braucht es immer«, sagt Klinger, »etliche können Englisch, viele nicht.«

So richtig losgehen mit Aktionen an der Schule, mit Musik und Sport und Festen, soll es nach den Pfingstferien. »Dann, wenn das Gesundheitsamt grünes Licht gibt«, erklärt der Direktor. Denn noch liegen nicht alle Untersuchungsergebnisse vor. »Ich selbst mache mir keine Sorgen«, sagt Kotter, »aber in der Verantwortung für die Schüler bin ich vorsichtig.«

Genau dieser gesundheitliche Aspekt ist Thema an den Laufener Stammtischen. »Unverantwortlich« sei es, Menschen aus fremden Ländern ohne abgeschlossene Gesundheitsuntersuchung hierher zu bringen, ist zu hören, sie gefährdeten möglicherweise die Gesundheit der 6800 Laufener. Doch Untersuchungen gab es freilich bereits. Einen groben Check in München, eine medizinische Untersuchung gleich nach der Ankunft in Laufen. Was noch nicht endgültig abgeschlossen ist, ist die Röntgen-Reihenuntersuchung und es liegen noch nicht alle Laborwerte vor.

Sie sollen vier bis sechs Wochen bleiben

Wie das Landratsamt bestätigt, soll die Verweildauer der Flüchtlinge in Laufen vier bis sechs Wochen betragen. »Eine Garantie dafür gibt es aber nicht«, erklärt der Direktor. Nach den Pfingstferien können die Gymnasiasten die Turnhalle der Mittelschule mitnutzen – »wie in den Zeiten des Turnhallenbaus auch«, beschreibt Kotter die nicht unbekannte Situation. Darüber hinaus dient der Mehrzwecksaal im Obergeschoß nun auch sportlichen und turnerischen Zwecken. Und eine Turnhalle steht ja weiterhin zur Verfügung. höf