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Flüchtlinge singen »Heit gibt' s a Rehragout«

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Mit »Heit gibt's a Rehragout auf d´Nacht« gibt Gemeindereferent Martin Riedl gesanglich »Deutschunterricht« mit bayerischen Akzenten, die von den Flüchtlingen recht humorvoll aufgenommen wurden. Traditionell auf der Ziach begleitete sie Michael Schneider, der Enkel des legendären Schneider- Willi (rechts). Unser Bild zeigt ferner auf der Bühne (von links) Lucia Riedl, Hasib, Esmail, Hamaulla und Lang, davor Abass aus Gambia am Mikrofon und Gemeindereferent Martin Riedl. (Foto: Sojer)

Waging am See – Das Lied »Heit gibt' s a Rehragout« brachte Gemeindereferent Martin Riedl den Flüchtlingen beim dritten »Café International« im Waginger Pfarrheim bei. Zurzeit leben fünf Familien mit 13 Kindern und 29 junge Männer im Bereich Waging und Wonneberg – zusammen 52 Flüchtlinge. Sie tragen exotische Namen wie Esmail, Abolfazl, Mohammed, Hussam, Nargis oder Razaq, und kommen aus fremden Ländern wie Afghanistan, Gambia, Senegal oder Syrien. Dramatische Geschichten haben sie alle erlebt, und so manche schlechten Erlebnisse spiegeln sich in ihren Gesichtern wider.


Einige der »Zugezogenen« sind noch etwas scheu. Andere sprechen schon ganz ordentlich deutsch und plaudern munter drauf los, wie Familie Nazaria aus Afghanistan. Sie flüchteten aus Kundus mit Tochter Nargis und Sohn Razaq. Gerade ziehen sie von Wonneberg nach Vachendorf. »Wir sind auf Bus und Bahn angewiesen, und hier oben ist es für uns sehr beschwerlich, mit den Kindern zum Arzt oder zum Einkaufen zu gehen« sagt Mutter Nasi Nazaria. Das dritte Kind, ein Töchterchen, kam im September im Traunsteiner Kreiskrankenhaus zu Welt. »Katharina heißt sie«, sagt Vater Abolfazl ganz stolz. Aber die Zukunft seiner Familie ist ungewiss.

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Hussam Almasri aus Syrien erzählt von seiner Flucht. Nebenbei malt er eine Donald Duck Figur. Früher habe er viele solcher Figuren gezeichnet und mit Sprechblasen in Englisch versehen. Der Übersetzer glaubt nicht mehr an eine Rückkehr. Das Haus ist zerstört, seine Eltern sind schon sehr alt. Sie hatten ihn zur Flucht gedrängt aus Angst um das Leben des 33-Jährigen. Nach Deutschland zu kommen hatte er nicht geplant. Zunächst floh er in den Libanon und wäre auch dort gerne geblieben. »Das Land ist sehr modern und ziemlich kulturnah mit meiner Heimat Syrien«, schwärmt er fast schon, »es ist ähnlich wie Bayern und Österreich.« Aber seine Reise ging weiter nach Griechenland, und schließlich landete er in Deutschland.

Die Angst der Deutschen vor den vielen Fremden könne er verstehen. »Aber wir trinken und rauchen nicht«, versicherte er, »nicht nur wegen des Glaubens, auch aus gesundheitlichen Gründen. Gewalttätig sind wir auch nicht. Niemand im Dorf muss sich vor uns fürchten«. Sie selbst seien froh, dass sie den Krieg nicht mehr länger miterleben müssten. Die Waginger gäben ihnen Schutz und kümmerten sich sehr gut um sie. »Dafür sind wir ihnen sehr dankbar, aber wir fühlen uns trotzdem manchmal etwas einsam und würden gerne deutsche Freunde haben.«

Mohammed aus Afghanistan möchte unbedingt in die Berufsschule, muss aber erst noch einen Sprachtest ablegen. Mit etwas Glück kann er sich dann seinen Wunsch erfüllen. Seit Dezember ist er in Otting, sein Deutsch wird immer besser. Er hat einen 1-Euro-Job im Seniorenheim und ist sehr hilfsbereit und aktiv. Er hat gute Aussichten auf eine Praktikumsstelle in einer Behinderteneinrichtung.

Abass aus Gambia ist zum Treffen gekommen, um auch anderen zu helfen. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland, spielt Fußball und arbeitet bei Bergader im Käsewerk. Im September beginnt er dort eine Ausbildung zum Milchtechnologen. Seine Offenheit machte es einfacher, schnell integriert zu werden. Er spricht gut deutsch mit bayerischem Akzent. »Du musst vor allem aufhören, afrikanisch zu denken«, lacht Abass. Seit einem Monat ist er mit Andrea verheiratet. »Andrea ist meine Traumfrau und ihre Familie ist auch meine Familie«, freut er sich – er ist jedenfalls in Deutschland gut angekommen.

Drei Helferkreise aus Waging, Otting und Wonneberg betreuen ehrenamtlich alle Flüchtlinge. Im Moment werden zwölf Sprachkurse mit unterschiedlichen Niveaustufen angeboten. Gesucht werden weiterhin Firmen, die den Einstieg in die Arbeitswelt ermöglichen. »Wir schätzen jedes Angebot von potenziellen Arbeitgebern und würden uns sehr freuen, wenn diese sich bei uns melden« sagte Martin Riedl. soj