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Floriansjünger bei Motorradunfällen besonders gefordert

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Zu besonders vielen schweren Motorradunfällen mit Toten und Schwerstverletzten mussten die Feuerwehren im Inspektionsbereich Land 4 (24 Feuerwehren im nördlichen Landkreis Traunstein) in diesem Jahr ausrücken. So verunglückte etwa am 17. Juni ein 45-Jähriger mit seiner Maschine auf der Kreisstraße bei Pittenhart.

Seeon-Seebruck – Seit knapp neun Monaten ist Christian Schnebinger verantwortlicher Kreisbrandinspektor für den Inspektionsbereich Traunstein Land 4 und damit zuständig für 24 Feuerwehren in nördlichen Landkreis Traunstein. Erstmals seit Übernahme des Amtes von Paul Klinger lud Schnebinger die Kommandanten und Stellvertreter der Wehren zur Dienstversammlung ein. Dabei zog er im Gasthaus Alter Wirt in Seeon Bilanz über das Feuerwehrwesen in seinem Inspektionsbereich.


Besonders belastet waren die Floriansjünger in Schnebingers Zuständigkeitsbereich mit Verkehrsunfällen, vor allem mit schweren und tödlichen Motorradunfällen. Insgesamt 15 Mal wurden die Wehren zur technischen Hilfeleistung bei Unfällen mit Motorradfahrern alarmiert. Bei 14 Verkehrsunfällen mussten die Aktiven eingeklemmte und schwerverletzte Personen aus Fahrzeugen befreien. Elf Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. »Das sind Situationen, die für die Feuerwehrler alles andere als einfach sind, wenn sie nicht mehr helfen können«, so Schnebinger.

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Immer weniger Brand-Einsätze

Die eigentliche und klassische Aufgabe Brände zu löschen und Feuer zu bekämpfen, trete immer mehr in den Hintergrund. Die Wehren werden zunehmend zum »Allzweck-Helfer«, die im Einsatz tagtäglich mit einer Vielzahl verschiedenster Herausforderungen konfrontiert werden. Als Beispiel dafür nannte Schnebinger zwei Gefahrgut-Unfälle in Engelsberg und Obing, bei denen die Feuerwehren gefordert waren um Mensch und Umwelt vor Gefahren und Schäden zu schützen, aber auch mehrere schwere Lkw-Unfälle.

Um im Einsatz bestehen zu können, sei ständiges Üben notwendig, betonte Schnebinger. Insgesamt 225 Floriansjünger absolvierten in diesem Jahr einen Leistungstest mit Erfolg, davon 79 das Leistungsabzeichen der Gruppe im Löscheinsatz und 102 die Prüfung »Technische Hilfeleistung«. 44 Anwärter legten die Jugendleistungsprüfung mit Erfolg ab. Neben den Leistungsprüfungen gebe es ein umfangreiches Aus- und Fortbildungsgebot, das auch umfangreich genutzt wurde.

Schon weit fortgeschritten ist die Einführung des Digitalfunks. Die Feuerwehrfahrzeuge im Landkreis werden derzeit mit der neuen Funktechnik ausgerüstet; Anfang des nächsten Jahres wird der Probebetrieb mehr und mehr ausgeweitet und gipfelt im Februar mit einem »Massentest« mit mehr als 150 Fahrzeugen.

Kreisjugendwart Stephan Hellmuth freute sich über eine insgesamt hohe Motivation der Feuerwehr-Anwärter. Veranstaltungen wie der Kreisjugendfeuerwehrtag oder der alljährliche Wissenstest beweisen, dass es um den Feuerwehrnachwuchs gut bestellt ist. Dennoch müssen die Feuerwehren nachhaltig aktiv sein, um junge Menschen für den ehrenamtlichen Dienst zu begeistern. Dazu gehören auch Kinderfeuerwehren für Buben und Mädchen ab acht Jahre, die mehr und mehr entstehen. Falls Wehren eine Kinderfeuerwehr einführen wollen, sei es wichtig diese nicht zusammen mit jugendlichen Anwärtern ab 14 Jahre zu organisieren. Kinder- und Jugendgruppen müssen unabhängig voneinander betrieben werden. Hellmuth forderte dazu auf sich offen und tolerant zu zeigen, wenn Flüchtlinge und Migranten bei der Feuerwehr mitwirken wollen.

Altersgrenze bleibt bei 63 Jahren

Kreisbrandrat Hans Gnadl berichtete, dass die Altersgrenze in Bayern bei 63 Jahren bleiben wird und Bestrebungen, den aktiven Feuerwehrdienst bis zum 67. Lebensjahr auszuweiten, eine Absage erteilt wurde. Gedacht wird jedoch an eine »stille Reserve« – Feuerwehrmänner über 63 Jahre, die im Hintergrund tätig werden dürfen, aber nicht mehr an vorderster Front im Einsatz stehen.

»Es ist keine leichte Kost, mit der die Feuerwehren tagtäglich konfrontiert werden«, sagte Seeon-Seebrucks Bürgermeister Bernd Ruth und würdigte die Floriansjünger, die ihren Dienst in hervorragender Weise leisten. Dazu seien eine hohe Motivation und die stete Bereitschaft notwendig, sich ständig fortzubilden und auf dem neuesten Stand zu halten. Für die Polizei sei die Sicherheitspartnerschaft mit der Feuerwehr unerlässlich, betonte Josef Bernhart von der Polizei Trostberg. »Bei Rettung, Absicherung, Bergung oder technischer Hilfeleistung leisten die Feuerwehren professionelle Arbeit.« Dies sei umso bemerkenswerter, weil die Floriansjünger ehrenamtlich tätig sind und an 365 Tagen im Jahr uneingeschränkt zur Verfügung stehen. pv

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