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Fließwasserkraftwerk: Bauern mahnen zur Vorsicht

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Staudach-Egerndach. Eines der vier geplanten Fließwasserkraftwerke in der Tiroler Ache könnte in Staudach-Egerndach realisiert werden. Das geht aus der Machbarkeitsstudie hervor, die in Bergen vorgestellt wurde (wir berichteten). In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde über die Stellungnahme der Achental-Bauernobmänner diskutiert, die vor allem die Erhöhung des Grundwasserstands als sehr problematisch erachten. »Wenn die Grundwasserproblematik nicht in den Griff zu bekommen ist, ist das Thema für mich erledigt«, betonte Bürgermeister Hans Pertl.


Die Bauern bemängeln, dass nicht auf die Belange der Landwirtschaft eingegangen wurde. Die Aufstauung der Ache für die Fließwasserkraftwerke und der daraus resultierende Anstieg des Grundwasserspiegels hätten schwere Folgen für die anliegenden Grundstücke, betonen sie. Die ertragsbringende Bewirtschaftung dieser Flächen wäre nicht gesichert. Doch gerade diese Flächen seien nötig, um die landwirtschaftlichen Betriebe nachhaltig zu sichern, so die Aussagen der Landwirte.

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Auswirkung der Aufstauung wird untersucht

Angeregt wurden Messungen des Grundwasserspiegels und der Geländegestaltung. Auch wurden für die anliegenden Landwirte Entschädigungen gefordert. Gleichwohl müsse geklärt werden, welche Folge die Grundwassererhöhung auf die vorhandene und künftige Bebauung habe. Zudem müsse festgelegt werden, wie Güllegruben gewährleistet werden, wie die Ertragsfähigkeit des Bodens nach der Aufstauung erhalten werden kann und welche Auswirkungen dies auf die Trinkwasserqualität haben wird, zählen die Bauern auf.

Pertl informierte, dass im weiteren Verfahren die Auswirkung der Aufstauung untersucht werde. Zudem müssen die Kosten der Sicherung der Grundstücke ermittelt werden. Er sei ein Befürworter dieser Kraftwerke, sagte er. Wenn das Gutachten aber für die Landwirtschaft und die Bebauung Probleme aufzeige, die nicht in den Griff zu bekommen sind, sei das Thema für ihn erledigt.

Von »rein privatwirtschaftlichen Interessen und PR-Veranstaltungen«, sprach Dominik Demmler-Schmittem (FW/UW). Für ihn sei dieses Vorhaben nicht zu Ende gedacht, fügte er hinzu, die nachhaltigen Schäden könne keiner bislang verifizieren.

Pertl konterte, die Studie sollte erst einmal belegen, ob sich Fließwasserkraftwerke in der Ache überhaupt rentieren. Man sei am Beginn der Untersuchung. Hätte die Studie negativ ausgesehen, könnte man auf weitere Untersuchungen verzichten, ergänzte er. Kraftwerke ohne Aufstauung wurden versprochen, so Martin Schweiger (CSU). Bei der Vorstellung seien dann aber »ganz normale Stauwerke« vorgestellt worden. »Wir hatten etwas völlig anderes erwartet«, sagte Schweiger.

»Wir wollen keinen Großinvestor«

»Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Kraftwerke«, erklärte der Gemeinderat und Landwirt. Aber gerade in Staudach-Egerndach hätte dies große Folgen, da diese Wiesen entlang der Ache wichtig sind. Alle anderen Gebiete seien in ihrer Bewirtschaftung bereits durch den Naturschutz beeinträchtigt. Neben dem FFH-Gebiet gebe es auch ein Vogelschutzgebiet. Etwas verärgert bezeichnete er das Ökomodell als »Achentalregierung«. Er meinte, dass solche Vorhaben im Gemeindegremium diskutiert werden müssen.

Laut Evi Pöschl sollte die Machbarkeitsstudie nur darlegen, ob Fließwasserkraftwerke wirtschaftlich betrieben werden können. Pertl ergänzte, dass sich die Bürgermeister der Region entschlossen haben, nun die Grundwasserproblematik untersuchen zu lassen. Auch Peter Huber (CSU) kritisierte, dass die Information des Ökomodells sehr schlecht sei. Etwas mehr Transparenz wünschte sich auch Demmler-Schmittem.

Auf die Frage von Manuel Kalweit (FW), wem diese Kraftwerke gehören würden, informierte Pertl, dass an ein Kommunalunternehmen gedacht sei. »Wir wollen keinen Großinvestor«, sagte der Rathauschef. Es gab zwar keinen Beschluss, dennoch wurde protokolliert, dass die Gemeinde die Interessen der Landwirte vertreten werde. tb