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Flexible Weidezeiten und Fremdviehauftrieb auf Almen

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Alle bisherigen Vorsitzenden kamen zur Jahresversammlung des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau. Unser Bild zeigt (von rechts) den Ehrenvorsitzenden und Gründer des Verbands, Altlandrat Leonhard Schmucker, Landrat Siegfried Walch und die Altlandräte Hermann Steinmaßl und Jakob Strobl. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Dass der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau hohes Ansehen und starken politischen Rückhalt hat, zeigte die sehr gut besuchte Mitgliederversammlung der Forstberechtigten im Hotel zur Post in Ruhpolding. Mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Behörden und Vereinen waren rund 200 Mitglieder von Miesbach bis aus dem Berchtesgadener Land gekommen. Mit großem Applaus wurde der Ehrenvorsitzende, Altlandrat Leonhard Schmucker, begrüßt, der den Verband vor fast 65 Jahren (im Jahr 1952) gegründet hatte.


Der Verband der Forstberechtigten zählt insgesamt etwa 800 Mitglieder, davon rund 550 aus dem Landkreis Traunstein, 250 aus dem Berchtesgadener Land und wenige aus anderen Landkreisen. Vorsitzender Landrat Siegfried Walch sagte einführend, dass der Verband auch historisch gesehen sehr wichtig für den Erhalt der Kultur- und der Almwirtschaft sei. An die Geschäftsstelle der Forstberechtigten im Landratsamt, die seit Gründung des Verbands dort untergebracht ist, habe man sich inzwischen zwar gewöhnt, sie sei aber keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Bei den Haushaltsdebatten stelle sich Jahr für Jahr erneut die Frage, ob die Stelle aus finanziellen Gründen noch vertretbar sei. Walch zeigte sich jedoch überzeugt davon, dass dieser Standort im Landratsamt Traunstein eine weise Entscheidung gewesen sei, die eng mit der Schlagkraft des Verbands verbunden sei. Besonders günstig sei die enge Verbindung zu anderen Fachbehörden. Er versprach, dass die Geschäftsstelle mit ihm als Landrat weiterhin dort bleiben werde.

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Kampf gegen »Generalverdacht«

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, der seit Jahren für die Belange der Almbauern kämpft, sprach auch im Namen von Michaela Kanniber, die CSU-Stimmkreisabgeordnete im Berchtesgadener Land. Sie beide hätten sich zu »unbequemen Landtagsabgeordneten« entwickelt, denn es sei dringend notwendig, für die Belange der Alm- und Waldwirtschaft zu kämpfen. Immer wieder würden die Almbauern in der Öffentlichkeit »unter Generalverdacht« gestellt, dass sie Landschaft und Natur zerstörten, wie in den Debatten zum Almwegebau. »Almbauern gehören auf die Anklagebank« habe es sogar geheißen. Die pauschalen Vorwürfe zum Beispiel zur Massentierhaltung – die es in Wirklichkeit zwischen Berchtesgaden und Bodensee gar nicht gebe – führten zu immer mehr Einschränkungen, Vorschriften und Kontrollen. In Deutschland gebe es acht »grüne Agrarminister«, die oft nicht zwischen den Regionen unterschieden. Sorgen bereite Steiner auch die weitere Ausbreitung des Wolfs – wenn diese nicht rechtzeitig verhindert werde, könne das ein weiterer »Sargnagel für die Almwirtschaft« sein.

Der stellvertretende Landrat des Berchtesgadener Lands Rudolf Schaupp sagte, die Forstberechtigten in seinem Landkreis würden viel von der Geschäftsstelle in Traunstein profitieren. Die Arbeit dort habe sich sehr positiv entwickelt, denn inzwischen würde auf Augenhöhe mit Behörden und Institutionen diskutiert.

Tannenoffensive des Verbands erfolgreich

Geschäftsleiterin Maria Stöberl berichtete, dass der Verband als Mitglied im Beirat der Bayerischen Staatsforsten den Antrag gestellt hat, beim Umbau des Bergwalds einen wesentlichen höheren Anteil an Tannen einzubringen. Bisher gibt es nur rund zwei Prozent Tannen im Staatswald. Auf Vorschlag des Verbands gab es im vergangenen Herbst eine Exkursion des Beirats im Bereich des Forstbetriebs Ruhpolding, wo im Revier von Franz Obermayer die erfolgreiche Tannenverjüngung vorgestellt wurde.

Wie Reinhard Strobl, Geschäftsführer der Bayerischen Staatsforsten, bestätigte, wird diese »Tannenoffensive« des Verbands jetzt landesweit umgesetzt. Elf Prozent der Landesfläche im Freistaat werden von den Staatsforsten verwaltet.

Maria Stöberl berichtete weiter, dass für alle Natura-2000-Gebiete Managementpläne erstellt werden müssen. Auf Drängen des Verbands hatten eigene Auftaktveranstaltungen für den Bereich Almen im Natura-2000-Gebiet »Östliche Chiemgauer Alpen« sowie »Geigelstein und Achentaldurchbruch« stattgefunden. Grundsätzlich gelte in den Natura-2000-Gebieten ein Verschlechterungsverbot. Maßnahmen für eine landwirtschaftliche Bodennutzung würden durch die FFH-Bestimmungen nur dann nicht beschränkt, wenn sie den Erhaltungszielen des Gebiets nicht entgegenstehen. Das Verschlechterungsverbot könnte Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben, zum Beispiel wenn die Bewirtschaftung oder der Betrieb geändert wird, warnte Stöberl. Deshalb müssten in den Managementplänen die Formulierung der Erhaltungsziele genau verfolgt werden. Bei Zweifeln sollten sich die Berechtigten an die Geschäftsstelle wenden. Das Natura-2000-Team habe dem Verband zugesagt, ihn bei den Entwürfen der Managementplanung zeitnah einzubinden.

Neben vielen anderen Themen berichtete die Geschäftsleiterin auch über die erst seit 2015 möglichen flexiblen Weidezeiten auf den Almen, wenn sie vertraglich vereinbart werden. Der Auftrieb kann um bis zu drei Wochen vorverlegt werden, wenn die Tiere bis zu sechs Wochen nach Beginn des Auftriebs auf der Lichtweide gehalten werden. Das könne durch Koppelhaltung auf den Lichtweideflächen geschehen oder durch Auszäunung sensibler Waldbereiche. Die flexiblen Weidezeiten und die Maßnahmen zur zeitlichen Weidelenkung müssen mit dem jeweils zuständigen Forstamt schriftlich vereinbart werden.

Zum Fremdviehauftrieb gilt, dass grundsätzlich nur noch 20 Prozent eigenes Vieh bei »bereinigten Almen« aufgetrieben werden muss. Auch bei noch nicht bereinigten Almen kann die Zahl des Fremdviehs auf bis zu 200 Prozent je nach Einzelfall erhöht werden. Die neuen Regelungen müssen vertraglich genau festgelegt werden, wobei die Berechtigten von der Geschäftsstelle unterstützt werden. Bei mehreren Berechtigten müssen alle einverstanden sein.

Vortrag über Abgabe von Rechtholz

Wichtiger Tagesordnungspunkt war dann das Referat von Harald Siegler, Revierleiter des Forstbetriebs Ruhpolding, über die »Umrechnung von Rechtholz in das Vertragsgrundsortiment«. Die früheren Bedarfsholzrechte wurden oft schon um das Jahr 1900 mit Musterverträgen in fixierte Rechte umgewandelt, sodass der Berechtigte jährlich Anspruch auf eine bestimmte Menge von Nutzholz hat. Die im Recht fixierten Holzarten sind meist Fichte und Tanne. Anhand von Beispielen zeigte Siegler, wie die tatsächliche Holzabgabe auf den Wert der Grundsortimentsmenge umgerechnet wird, die dem Berechtigten zustehen. Zugrunde gelegt wird der durchschnittliche örtliche Marktpreis.

Aus dem Kassenbericht von Ludwig Böddecker ging eine solide Finanzlage hervor. Durch einstimmigen Beschluss gab es keinen eigenen Haushaltsplan, sondern die Mitglieder ermächtigten die Vorstandschaft, die Mittel in gewohnter Weise den Verbandszwecken entsprechend zu verwenden. Bei der Aussprache appellierte der Geschäftsführer des Bayrischen Bauernverbands in Traunstein, Reinhard Lampoltshammer, an die Bauern, sich an den Sozialwahlen zu beteiligen. Mitte Februar würden sie angeschrieben, wobei die Wahlzettel eigens angefordert werden müssen. gi