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Fleisch: Gefährliche Preisspirale

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»Bei der Preisspirale für Fleisch und Fleischprodukte gibt es nur Verlierer.« Das betonte der Obermeister der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, Rudolf Riedler, bei der Jahreshauptversammlung der Metzger-Innung im Gasthaus Gumping in Feldkirchen. Der Obermeister kritisierte die massiven Preissenkungen der Discounter für Fleisch und Fleischprodukte von mehr als zehn Prozent, die im Rahmen einer Frühjahrskampagne von allen großen Marktteilnehmern in einem ruinösem Preiskampf durchgezogen würden.


Am Ende bezahle der Verbraucher die Rechnung, die Bauern seien einem Preisdiktat unterworfen und der Tierschutz bleibe bei dieser Entwicklung zwangsläufig auf der Strecke. Der Trend zu riesigen Massenställen werde damit angeheizt. »Qualität hat seinen Preis, mit dem man Regionalität, Nachhaltigkeit und Tierschutzstandards fördert«, so der Obermeister, der diese beim »Innungs-Metzger um die Ecke« gewährleistet sieht.

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»Hände weg vom Meisterbrief«

Eine Lanze brach er auch für die Beibehaltung der Meisterpflicht, die von Seiten der Europäischen Union immer wieder unter Beschuss stehe. Für den Obermeister sei der Meisterbrief das wichtigste Qualitätsmerkmal im Handwerk. »Wir stellen ein hochsensibles Lebensmittel her und das erfordert ein hohes Maß an Können und Wissen«, so Riedler. Die Meisterpflicht sei für den Verbraucher ein verlässlicher Garant für die Qualität in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung im Metzger-Handwerk.

Derzeit würden die erste und zweite Berufsschulklasse der heimischen Metzgerlehrlinge in Rosenheim beschult, die dritte Klasse weiter in Traunstein, so Riedler weiter. Ob an der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein im September wieder eine Metzgerklasse mit den nötigen 16 Schülern pro Klasse zustande komme, könne er im Moment noch nicht sagen. Man werbe, wo immer die Möglichkeit bestehe, um beruflichen Nachwuchs. Auch am Tag der offenen Tür an diesem Samstag um 10 Uhr in der Berufsschule sei man vor Ort. Der Obermeister warb um verstärkte Nachwuchswerbung und Bereitstellung von Ausbildungsplätzen: »Wenn wir heute keine Lehrlinge haben, haben wir morgen keine Metzger.«

Die Zwischenprüfung im März haben 20 Auszubildende, die sich auf die Schulen Traunstein, Traunreut und Rosenheim verteilen, abgelegt. Mit den Leistungen sei man sehr zufrieden gewesen. Für die Gesellenprüfung im Juni habe man 14 Lehrlinge, die dann bei entsprechendem Erfolg Ende Juli freigesprochen werden.

Die Innung hat aktuell 39 Mitglieder. »Macht Werbung bei denen, die keine Mitglieder in der Innung sind«, rief der Obermeister die Anwesenden auf. Die Mitgliedschaft bringe für die Metzgereibetriebe enorme Vorteile, wie beispielsweise Rahmenverträge für den Fahrzeugerwerb oder betriebswirtschaftliche und technologische Beratungen.

Geordnete wirtschaftliche Verhältnisse

Die Jahresrechnung 2013 und der Haushaltsplan 2014 wurden von Gerhard Wittenzellner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, vorgelegt. Die noch ausgeglichenen und gesunden Finanzverhältnisse der Innung wurden nach einem positiven Votum der Rechnungsprüfer ohne Gegenstimme verabschiedet. Im Nachgang wurden die beiden Rechnungsprüfer Maria Wimmer aus Trostberg und Raimund Hölzl aus der Schönau in ihrem Amt bestätigt.

Modernes Auftreten der Metzgerbetriebe als Ziel

Die anwesenden Mitglieder beschäftigten sich mit einer Reihe von Fach- und Sachthemen. Cornelius Roth von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land warb für ein modernes Auftreten der regionalen Metzgerei-Handwerksbetriebe. Gerade in einer Fremdenverkehrsregion müsse man auch damit rechnen, dass überregionale Kunden sich über Internetseiten über das Angebot der regionalen Betriebe informieren würden.

Bettina Poloczek, technisch-technologische Beraterin beim Fleischerverband Bayern, stellte die neue Schlachtverordnung vor, in denen sämtliche Themen wie Tierschutz, Transport, Schlachten und Betäubungsgeräte geregelt sind. Man messe dem Tierschutz dabei analog der EU-Verordnungen eine hohe Bedeutung bei.

Kreishandwerksmeister Peter Eicher wies in der anschließenden Aussprache darauf hin, dass zunehmend »Garagenmetzgereien« entstehen würden. Man wolle hier zwar niemand »hinhängen«, der Zustand sei trotzdem nicht akzeptabel. Die anwesenden Veterinäre betonten, man könne nur kontrollieren, wenn man darüber Kenntnis erlange. Anwesende Innungsmitglieder betonten, dass diese Entwicklung zunehmend verbreitet sei. awi