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Flaschlbrot: Heimisches Bio-Brot aus der Flasche, gut für die Region

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Foto: Daniel Delang
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Bronze-Gewinnerin Jessica Linner und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. (Foto: LVÖ Bayern/Christoph Assmann)
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Aus der Region, gut für die Region – das boarische Hanfweckerl-Flaschlbrot aus Tettenhausen zählt dieses Jahr zu den "besten Bio-Produkten aus Bayern". Doch wie kam es dazu und was steckt hinter dem Brot aus der Flasche, dass nur aus heimischen Bio-Zutaten hergestellt wird?


Was steckt hinter dem Brot aus dem Glas?

Im Prinzip ist die Idee recht einfach: Alle Zutaten, die für die Zubereitung eines gesunden und nahrhaften Brotes benötigt werden, kommen in eine Glasflasche. Das macht aus dem Brot nicht nur einen außergewöhnlichen Hingucker, sondern auch ein nettes Geschenk und Mitbringsel.

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Alle Zutaten der fertigen Backmischung kommen aus unserer Region und rein ökologischem Anbau. Damit unterstützt das Projekt nicht nur die heimischen Bauern und unsere Umwelt, sondern ist auch eine gesunde Alternative zu herkömmlichen Backwaren. Das Weizenmehl – die Hauptzutat – wird aus dem Laufener Landweizen gemahlen. Dieser gilt als weniger allergen und deutlich verträglicher.

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Wie kam es eigentlich zum "Flaschlbrot"?

Ein spannendes und auffälliges Produkt für die dürren Infostände auf Märkten und Veranstaltungen – das war das Ziel der Arbeitsgruppe Ernährungsbildung aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel. 
Inspiriert durch das "Glaslbrot", das als absolute Neuheit auf der Biofachmesse in Nürnberg galt, kreierte man ein Glaslbrot mit heimischen Biozutaten und Biobier. Möglich wurde das durch den Hobbybäcker Wolfgang Grösch aus Fridolfing, der eigens ein Rezept dafür entwickelte – mit vollwertigen Zutaten und hohem Vollkornanteil, frei von Zusatzstoffen, gleichzeitig aber mit einem lockeren Backergebnis.

Der Probeverkauf lief sehr gut und es gab auch erste Anfragen einiger Läden zum Glaslbrot. Jetzt stieß die Arbeitsgruppe allmählich an ihre Grenzen. Von der notwendigen Biozertifizierung über das Abfüllen bis zum Vertrieb standen größere Aufgaben an. Jessica Linner, die in der Ökomodellregion wohnt, erkundigte sich nach den Hürden und nahm die Herausforderung an. Das Glaslbrot wurde umbenannt in Flaschlbrot und bot großen Spielraum für Kreativität: Vom Erweitern des Sortiments bis zur Gestaltung der Verpackung.

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Mittlerweile gehören der staatlich anerkannten Ökomodellregion die 10 Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See, Wonneberg, Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen an.

Und wie kam es dann zum Bronze-Gewinn bei "Bayerns beste Bio-Produkte"?

Bronze erhielt Jessica Linner dieses Jahr auf der Grünen Woche in Berlin (wir berichteten).
Die Boarischen Hanfweckerl schienen geradezu dafür geeignet, um es mit der starken Konkurrenz aufzunehmen. Alle Bio-Zutaten kommen aus ökologischem Anbau in der Region, dazu die originelle Aufmachung "im Glas" und zum Schluss der interessante Name "Hanfweckerl", der gleich auf den ersten Blick an die gleichnamige Droge erinnert.

Nach der Bewerbung bei der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ) herrschte einige Stille. Keiner der Teilnehmer wusste, wer und wie viele sich noch beworben haben. Klar war aber wie jedes Jahr, dass sich auch größere Firmen für den Titel bewerben.

Im November 2016 war es dann schließlich so weit: Ein Sternekoch bereitete die Hanfweckerl nach genauen Angaben zu. Anschließend vergab die Jury Punkte – dies geschah nach wichtigen Kriterien wie die Herkunft der Zutaten (regionale Wertschöpfung), Engagement für den Umwelt- und Naturschutz, Innovation und eine nachhaltige Verpackung.

Schließlich setzte sich das Flaschlbrot neben 34 anderen bayerischen Bio-Unternehmen, die mit insgesamt 54 Produkten am Wettbewerb teilgenommen haben, durch und landete auf Platz 3.

Laufener Landweizen: 400 Jahre altes Urgestein im Rupertiwinkel

Das Weizenmehl ist die Hauptzutat in allen Flaschlbrot-Backmischungen. Gemahlen wird es aus dem Laufender Landweizen. Dieser wurde erstmals im 16. Jahrhundert von den Bauern im Rupertiwinkel angebaut. Die ganz besonders alte und seltene Sorte bringt zwar nicht so viel Ertrag wie gezüchtetes Turbo-Getreide, kommt dafür aber ohne Chemie auf den Feldern aus. Derzeit ist die Nachfrage nach dem Urkorn noch größer als das Angebot.

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Foto: Daniel Delang

Das Urkorn war vollkommen in Vergessenheit geraten, bis Mitarbeiter der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege Restbestände an Saatgut entdeckten.

Was macht diese Weizensorte eigentlich so besonders?
Der Weizen ist sehr gut gegen Umwelteinflüsse gewappnet. Er wächst bis zu zwei Meter hoch und hat stabilere Halme als übliche Weizensorten. Gegen Wind, Regenfälle und Pilzbefall ist er somit deutlich resistenter.
Außerdem ist die Sorte verträglicher für Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Man geht davon aus, dass der Laufener Landweizen weniger allergen ist, da die Sorte einen kleineren Anteil Gluten enthält.

Doch auch für die Umwelt bringt der Weizen einen großen Vorteil mit sich: Durch den Verzicht auf Chemie können auf den Feldern wieder andere Pflanzen wie Moonblumen oder Kamillen wachsen. Und die wiederum locken vermehrt Bienen an, die bekanntlich vom Aussterben bedroht sind. Vielleicht können wir uns in Zukunft wieder auf mehr Bienenvölker in der Region freuen.

Muss nur 20 Minuten in den Ofen

Gerade einmal 15 Minuten nimmt die Zubereitung des Brotes und der Weckerl in Anspruch. Weitere Zutaten braucht es dafür übrigens nicht: Alles, was benötigt wird, wird bereits im Glas mitgeliefert: Mehl, Samen, Kerne, Salz und Gewürze.
Und so geht es: Den Inhalt der Flasche in eine Schüssel füllen, 450 Milliliter Wasser hinzugeben und die Masse etwa 5 Minuten zu einem weichen Teig kneten. Dann 15 Minuten ruhen lassen, nochmal kurz durchkneten und weitere 10 Minuten ruhen lassen. In Stücke teilen, formen und nach 45 Minuten Ruhezeit noch für 20 Minuten in den Ofen. Fertig.
An dieser Stelle noch ein allgemeiner Tipp für Teigmischungen: Alkohol lockert den Teig auf.

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Foto: Daniel Delang

Noch ein paar Worte zur Ökomodellregion

Bei der Ökomodellregion Waginger See geht es vorwiegend um die Erzeugung und Vermarktung regionaler Bioprodukte. ILE ist das Kürzel für integrierte ländliche Entwicklung, »eine Art Dorferneuerung für eine ganze Region«. Hier gehe es zum Beispiel auch um ein sogenanntes Kernwegenetz, um eine einheitliche Wanderwegbeschilderung und um die Anlage von Feld-, Wald- und Gewässerrändern.

Wo gibt es das Flaschlbrot?

Mehr Infos zum Flaschlbrot von Jessica Linner, der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel und der Auszeichnung "Bayerns beste Bio-Produkte" finden sie unter den Links am Ende des Beitrags. Dort haben wir auch die Bezugsquellen in der Region verlinkt.

Jessica Linner stellt das Flaschlbrot auch häufig auf Märkten und Veranstaltungen in der Region vor. Probieren können Sie das Flaschlbrot auf jeden Fall am 23. April in Kirchanschöring bei der Gewerbeschau "Anschöring sperrt auf".

www.flaschlbrot.de
Liste aller Bezugsquellen in der Region: Partner.

Bayerns beste Bio-Produkte 2017 (Bronze-Gewinner)

Übersicht aller Kriterien für das Punktesystem

Ökomodellregionen Bayern: Waginger See Rupertiwinkel

Fotos: Daniel Delang und Hans Lamminger

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Foto: Hans Lamminger