weather-image
-1°

Finden sich noch weitere Bajuwarengräber?

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Wo in Zukunft der Turnhallen-Neubau stehen wird, beginnen am morgigen Donnerstag archäologische Grabungen. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Die Finanzen im Haushalt stimmen, die Planung schreitet offenbar zügig voran – im Frühsommer soll der Startschuss für den Bau der neuen Waginger Zweieinhalbfach-Turnhalle fallen. Die Bagger werden allerdings schon am morgigen Donnerstag anrollen. Archäologische Untersuchungen sollen klären, ob auf der Fläche neben der künftigen Turnhalle möglicherweise noch verstreute Überreste des nahe gelegenen Reihengräberfeldes aus der Bajuwarenzeit versteckt sind.


Gegraben wird, wie Bautechniker Franz Fenninger von der Gemeinde Waging informiert, nicht direkt auf dem Baugrundstück der künftigen Turnhalle. Diese Fläche ist nämlich vor Jahren schon einmal archäologisch untersucht worden, als die Montessori-Schule vorgehabt hat dort zu bauen. Damals wurden immerhin noch fünf Gräber – allerdings so gut wie ohne Beigaben – entdeckt.

Anzeige

Die aktuellen Grabungen finden, wie Fenninger erläutert, auf dem benachbarten Grundstück statt. Hier muss für den Turnhallen-Neubau – er steht direkt an der Grundstücksgrenze – nämlich auch Boden ausgehoben werden. Es handelt sich dabei laut Fenninger um eine Fläche von rund 500 Quadratmetern; sie wird jetzt auf mögliche archäologische Überreste untersucht.

Laut Stefan Mühlemeier von der mit den Grabungen beauftragten Firma Phoinix ist ein Bagger mit einer »schonenden Böschungsschaufel« eingesetzt. Gegraben wird – je nach Bodenbeschaffenheit und Humusdicke – in eine Tiefe von 30 bis 50 Zentimetern. Untersucht wird die komplette Fläche.

Die Fachleute unter Leitung der Phoinix-Mitarbeiterin Ines Gerhardt werden den Aushub dann sorgfältig untersuchen und vor allem darauf achten, ob Bodenverfärbungen zu erkennen sind, die auf Eingriffe aus früherer Zeit zurückgehen könnten: etwa auf Pfosten oder gar auf Grabgruben.

Der Hintergrund: Bereits beim Bau des jetzigen Friedhofs im Jahr 1877 und erst recht dann bei der Friedhofserweiterung waren in Waging umfangreiche Hinterlassenschaften von Bajuwaren entdeckt worden, in der Summe nicht weniger als rund 300 Gräber.

Ortsheimatpfleger Franz Patzelt erklärt, dass es nicht völlig auszuschließen sei, dass angesichts der Nähe des Gräberfeldes noch einzelne versprengte Grabgruppen auftauchen. Zudem sei angrenzend an solche Gräberfelder bei anderen Grabungen häufig eine Art Separatfriedhof entdeckt worden, auf dem offenbar der örtliche Adel beerdigt worden war. Diesen Separatfriedhof habe man in Waging noch nicht gefunden.

Seitens der Firma Phoinix rechnet man allerdings eher nicht mit großen Entdeckungen. Von daher könnten, wie Mühlemaier vermutet, die Arbeiten schon nach einem Tag im Wesentlichen wieder beendet sein. Das Unternehmen hatte erst im vergangenen Herbst in Waging gearbeitet. Damals mussten im Bereich der Schallschutzwand entlang der Staatsstraße Probeuntersuchungen gemacht werden, die allerdings völlig ergebnislos blieben. he

- Anzeige -