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»Finanzieller Spielraum für notwendige Aufgaben gegeben«

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Grabenstätt – »Auch wenn wir heuer kein Leuchtturmprojekt gehabt haben, ist wieder viel passiert und wir haben einige wichtige Sachen auf den Weg gebracht«, resümierte Zweiter Bürgermeister Robert Muggenhamer auf den gut besuchten Bürgerversammlungen im Gasthof »Grabenstätter Hof« in Grabenstätt und im Gasthof »Fliegl« in Erlstätt.


Wie Bürgermeister Georg Schützinger in seinen eineinhalbstündigen Rechenschaftsberichten anmerkte, habe sich die Asyl- und Flüchtlingssituation im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannt. »Auch Bestrebungen zur Errichtung einer eigenen Asylbewerbereinrichtung konnten glücklicherweise zurückgestellt werden«, betonte der dienstälteste Rathauschef des Landkreises und verwies auf 50 Asylbewerber, die in den örtlichen Einrichtungen am Grabenstätter Marktplatz, im ehemaligen Pfarrkindergarten und im Galler-Anwesen in Winkl untergebracht sind.

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Keine weiteren Flüchtlinge bis Jahresende erwartet

Derzeit gehe man aber nicht davon aus, dass bis Jahresende weitere Flüchtlinge nach Grabenstätt kommen, so Schützinger. Die Soll-Höchstgrenze 2016 liege für die Gemeinde bei 74. Ein Sonderlob verteilte der Rathauschef an den gut 20-köpfigen »Helferkreis Asyl«, der »unverzichtbare Dienste und Hilfestellungen zur Integration der Flüchtlinge« leiste.

Seit Jahren beschäftigt man sich mit dem Bebauungsplan »Erlstätter Straße« in Grabenstätt. Planungszweck sei die Ausweisung eines allgemeinen Wohngebietes zur Errichtung von Einzel- und Doppelhaushälften sowie Hausgruppen vorrangig für den »Einheimischenbedarf«, so Schützinger. Man sei guter Dinge, dass die Anerkennung des überarbeiteten Plans demnächst erfolge und das Verfahren fortgeführt werden könne.

Verkehrsverbesserung für die nächsten Jahrzehnte

In die Kategorie »wichtige Tiefbaumaßnahmen« fiel die im August abgeschlossene Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße Grabenstätt-Bergen auf einer Länge von 3,5 Kilometern mit der Erneuerung der Aitrach-Brücke. »Das ist eine verkehrsmäßige Verbesserung und eine gute Grundlage für die nächsten Jahrzehnte«, so das Gemeindeoberhaupt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro und man erwartet eine Förderung von 53,1 Prozent der förderfähigen Kosten.

Angesprochen wurde auch die umfangreiche Straßensanierung mit Hangsicherung am Osterbuchberg, die ausgebaute Verbindungsstraße zwischen dem Erlstätter Feuerwehrhaus und der benachbarten Firma Gienger sowie die umgesetzte Weiterführung des Gehwegs an der Innerlohener Straße entlang des Gienger-Betriebsgeländes. Die rund 144 000 Euro teuren Bauarbeiten zur Erschließungsmaßnahme Högelbergstraße in Erlstätt könnten bei günstiger Witterung noch Ende des Monats abgeschlossen werden, zeigte sich Schützinger optimistisch. Die Anlieger müssten hier laut Satzung 90 Prozent des beitragsfähigen Aufwands leisten.

In vollem Gange sei im Rahmen der Städtebauförderung (Ortskernsanierung) der rund fünfwöchige Ausbau der Entermühlstraße in Grabenstätt. Die Kosten zuzüglich Planung und Straßenbeleuchtung belaufen sich auf rund 125 000 Euro. »Die Austraße und die Schlossstraße (Nord) sind für die Fortschreibungsjahre 2018 bis 2019 geplant«, so der Rathauschef.

»Etwas aufwändiger gestaltet als ursprünglich gedacht«, habe sich die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Alten Erlstätter Schulhauses, was bereits mit dem Jahresantrag 2016 als erste vorgezogene Einzelmaßnahme bei der Regierung von Oberbayern angemeldet worden sei. Die Voruntersuchungen und die Bestandsaufnahme hinsichtlich Gebäudevermessung, Tragwerk/Statik, Elektro, Abwasser, Wasser, Heizung und Gebäudeanalyse (Schadstoffe) seien unabdingbar, um »am Ende auch die Hände in den Fördertopf legen zu können«, erklärte Schützinger.

Weitere 448 Haushalte bekommen schnelles Internet

Was die Breitbandförderung des Freistaates Bayern anbelange, seien die Ortsteile Osterbuchberg, Kraimoos, Tettenmoos, Fernbichl, Schneereut, Hachsenöst, Höring, Zeiering und Sossau und das Gewerbegebiet von Grabenstätt aufgenommen worden. »448 Haushalte bekommen Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von mindestens 30 Megabit pro Sekunden, in Teilen sogar bis zu 200 Megabit/Sekunde«, freute sich das Gemeindeoberhaupt und sprach von Gesamtinvestitionen von rund 829 000 Euro und einem gemeindlichen Eigenanteil von 107 034 Euro.

Zudem verwies er auf das in Auftrag gegebene Hochwasserschutzkonzept für das Einzugsgebiet des Grabenstätter Mühlbachs und des Pfarrerbachls, den laufenden Anbau an der Ostseite des Integrationskindergartens in Grabenstätt (Kinderkrippe), die getätigte Anschaffung eines LF20 KatS für die Erlstätter Feuerwehr, die neu geschaffenen Urnenbestattungsmöglichkeiten in Grabenstätt, die angedachte Umstellung der Straßenbeleuchtung auf effizientere LED-Technik, das gezielte Vorantreiben der Elektromobilität und das abgeschlossene Beschilderungs- und Radwegkonzept des Chiemgau Tourismus.

Trinkwasserqualität in Marwang machte Sorgen

Hohe Wellen schlug in den vergangenen Jahren die gemeindliche Wasserversorgung und Trinkwasserqualität in Marwang und Umgebung. Daher werden seit Mai 2015 die beiden Wasser der gemeindlichen Wasserversorgung und des Wasserbeschaffungsverbandes Grabenstätt gemischt. »Der Nitratwert im Mischbetrieb liegt durchschnittlich bei rund 16 bis 17 Milligramm pro Liter, der Grenzwert liegt bei 50 mg/l«, betonte Schützinger und hoffte darauf, dass man die Abschlussarbeiten der Geologen zum Schutzgebietsvorschlag bis Dezember bekomme.

Ein Sonderlob gab es für die Grundschule Grabenstätt, deren Erfolgsmusical »Schuihofgschroa« zuletzt nochmals im Landtag in München gewürdigt wurde, sowie für den Theatervereinsnachwuchs und die »Junge Chiemseer Bühne«, die nun mit ihren Kooperationspartnern Salztheater Traunstein und Chiemgau Theater Ensemble in der ehemaligen Firma Seidel, Chieminger Straße 24, mit der Kleinkunstbühne »Theater Strickerei« eine neue Spiel- und Probenstätte gefunden hat.

Auch auf das Gemeindeleben ging der Bürgermeister ein. In besonderer Weise bedankte sich der Rathauschef bei den über 160 Aktiven der Feuerwehren Grabenstätt, Erlstätt und Holzhausen und bei allen Vereinen für ihre vielfältigen Aktivitäten. Als diesjährigen Höhepunkt bezeichnete er das 150. Gründungsjubiläum der SKK Grabenstätt. Ein Segen für Urlauber und Einheimische seien die vielen kulturellen Veranstaltungen, so Schützinger.

Zahl der Übernachtungen hat zugenommen

Mit großer Freude habe man zur Kenntnis genommen, dass die Gästeankünfte heuer um über 1000 und die Übernachtungen um rund 5000 zugenommen haben. Auch finanziell stehe die seit Oktober 2006 schuldenfreie Gemeinde bestens dar. Man habe ein Rekordhaushaltsvolumen von über 17,2 Millionen Euro, auch dank der 4,8 Millionen Euro Bruttoeinnahmen aus der Gewerbesteuer, freute sich Schützinger und fügte an: »Damit ist für die Zukunft finanzieller Spielraum für die Verwirklichung notwendiger Aufgaben gegeben«. mmü

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