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Fiese Fratzen als Leidenschaft

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Rund 30 Stunden braucht Bernhard Palfi, bis eine Maske fertig ist. (Foto: Dörner)

Traunstein. Furchterregende Kreaturen mit fiesen Fratzen, langen Hörnern, unheimlich leuchtenden Augen und struppigem Fell ziehen derzeit wieder im Alpenraum durch die Straßen. In den zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig und meist auch schon in den Wochen zuvor finden in Südbayern und Österreich vielerorts Veranstaltungen statt, auf denen zahlreiche Perchten und Teufel in grausigen, vielgestaltigen Masken das Publikum erschrecken.


Auch die Mitglieder des Vereins »Hochberg-Pass Traunstein« sind in diesem Jahr wieder auf zahlreichen Läufen vertreten. Einige von ihnen präsentieren in diesem Jahr ganz neue Gesichter. Denn die Perchten und Teufel des Traunsteiner Vereins haben neuerdings einen hauseigenen Maskenschnitzer. Ihr Obmann, Bernhard Palfi aus Traunreut, versuchte sich vor einigen Monaten erstmals in der Maskenschnitzerei. Heraus kamen sehenswerte Teufel-, Perchten- und Hexenmasken, die sich keineswegs in Palfis Keller verstecken müssen.

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»Die erste Maske war nicht direkt grob«

Mit Holz hatte der Industriemeister und gelernte Maler Bernhard Palfi bisher nicht viel am Hut, mit der Bildhauerei schon gar nicht. Doch die Kunst des Maskenschnitzers Alois Kronthaler aus dem österreichischen Erl beeindruckte ihn jedes Mal wieder, wenn er oder ein anderes Vereinsmitglied eine neue Maske von ihm fertigen ließen. Im März diesen Jahres packte ihn schließlich die Neugier. Würde es ihm auch gelingen, eine Maske aus einem einfachen Holzklotz zu schlagen? Er kaufte sich also ein paar Stemmeisen in den örtlichen Baumärkten und versuchte sich an einem ersten Holzklotz, der ein Geschenk seines österreichischen Vorbilds war.

»Die erste Maske war dann nicht direkt grob, fand ich«, erinnert sich Bernhard Palfi. Die Proportionen stimmten noch nicht so ganz und die Ohren waren noch etwas klobig, aber ansonsten war sie durchaus schon herzeigbar. Also holte sich der Traunreuter noch ein paar weitere Holzblöcke aus Weymouthskiefer von einem Schnitzer in Burghausen und so entstanden drei weitere Masken. Diese zeigte er seinem »Mentor« Alois Kronthaler, der ihn zum Weitermachen ermutigte und ihm Tipps gab, wo was sitzen muss. Zudem stattete er Palfi mit einem Satz alter Schnitzeisen aus, mit dem er noch präziser arbeiten konnte.

So flogen in Palfis Garten und Keller immer häufiger die Späne. In den vergangenen neun Monaten entstanden insgesamt zehn Masken, deren beeindruckende Mimiken und Feinheiten nicht erahnen lassen, dass der 34-Jährige dieses Handwerk erst seit so kurzer Zeit ausübt. Vorlagen braucht der junge Schnitzer für seine furchterregenden Fratzen nicht. Er malt sich lediglich die Proportionen auf einen Zettel – die Vorstellung von dem, was aus dem Holzklotz werden soll, hat er in seinem Kopf. Mal ist es ein aggressiver Gesichtsausdruck, mal das verschrobene Gesicht einer Hexe, mal sind es Motive aus der Tierwelt, die sich Bernhard Palfi in den Kopf gesetzt hat. Und dann malt er mit dem Filzstift einige Linien zur Einteilung der Proportionen auf das keilförmige Holzstück, nimmt die Motorsäge zur Hand und sägt darauf los.

Wenn das Gesicht so weit fertig ist, bekommt die Maske noch Hörner verpasst. Die Augen, hergestellt aus einem speziellen Harz, beleuchtet Bernhard Palfi mit farbigen LED-Lämpchen, welche die Masken vor allem in der Dunkelheit noch unheimlicher erscheinen lassen. Schließlich fehlt dann noch eine ordentliche Bemalung. Dazu verwendet Palfi Acrylfarbe, die sich sehr gut mischen lässt. »Mein Beruf als Maler kommt mir hier natürlich zugute«, erklärt er. Nachdem die Maske noch mit Fell versehen wurde, ist sie nach gut 30 Stunden Arbeit schließlich bereit zum Einsatz.

»Der alte Mann« bleibt unter Verschluss

Das neue Hobby des 34-Jährigen blieb natürlich auch seinen Vereinskollegen und den Mitgliedern befreundeter Vereine nicht verborgen. Einige seiner Teufelsmasken, die er bisher überwiegend anfertigte, werden in diesem Jahr bei Läufen zu sehen sein. »Das ist ein tolles Gefühl«, so der Schnitzer. Eine Maske bleibt jedoch noch unter Verschluss und wird auf keinen anderen Kopf gesetzt: »Der alte Mann«, das neueste Werk von Bernhard Palfi, auf das er besonders stolz ist. Die Maske zeigt das grimmig dreinblickende Gesicht eines alten Mannes mit langem, feinsäuberlich geschnitztem Bart und grellgrün leuchtenden Augen. »Den alten Mann werde ich heuer selber tragen«, freut sich der talentierte Maskenschnitzer. sid

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