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Feuerwehr und Schützen unter einem Dach

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Auf diesem verwilderten Grundstück im Oderberger Gewerbegebiet soll im nächsten Jahr ein neues Gebäude für die Freiwillige Feuerwehr Traunwalchen gebaut werden. Der Stadtrat verständigte sich nun darauf, dort auch die Traunwalchner Schützen unterzubringen, die seit vielen Jahren auf der Suche nach einem neuen Schützenlokal sind. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Traunreuter Stadtrat hat sich darauf verständigt, im neuen Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen, das im Gewerbegebiet Oderberg gebaut werden soll, auch den Traunwalchner Schützenverein unterzubringen. Der Entscheidung ging ein Antrag der Schützengilde voraus, im Keller Räume einzuplanen, die dann in Eigenleistung von den Schützen ausgebaut werden. Der Antrag wurde gegen das Votum der SPD und Freien Wähler mit 18:12 Stimmen angenommen.


Mit dieser Entscheidung wurde den Schützen signalisiert, dass sie sich berechtigte Hoffnungen auf ein neues Schützenlokal machen können. Zunächst müssen aber erst die exakten Kosten ermittelt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sich die Schützen sicher, das Vorhaben auch finanziell schultern zu können. Dazu haben sie auch schon einen Finanzierungsplan aufgestellt. »Sollten wir kostenmäßig nicht zusammen kommen, können wir immer noch reagieren«, sagte der Erste Schützenmeister Norbert Alversammer dem Traunsteiner Tagblatt.

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In ihrem Antrag äußern die Schützen ganz klare Vorstellungen. Die Räume für die Schützen sollen im Rahmen der Baumaßnahme (Feuerwehrhaus) im Rohbau erstellt und dann von den Schützen in Eigenleistung ausgebaut werden. Der Raumbedarf sollte sich dabei an den staatlichen Förderrichtlinien für den Schießstättenbau orientieren. Wünschenswert wäre auch ein integrierter Jugendraum, der gemeinsam mit der Feuerwehrjugend genutzt werden könnte. Die Mehrkosten für die Räume der Schützen würde der Schützenverein tragen, wobei hier in Abstimmung mit der Stadtkämmerei ein schlüssiger Finanzierungsplan vorzulegen sei. Außerdem sollte den Schützen von der Stadt ein Nutzungsrecht von mindestens 25 Jahren eingeräumt werden. Der Verein, der seit Jahren auf der Suche nach einem neuen Schützenlokal ist, das auch die sicherheitstechnischen und sportlichen Anforderungen erfüllt, weist auch darauf hin, dass er alle Voraussetzungen erfülle, um den staatlichen Landeszuschuss für einen Schießstättenbau in Höhe von 25 Prozent der Baukosten zu erhalten.

Finanzierungsplan der Schützen

In einem von den Schützen bereits aufgestellten Finanzierungsplan werden die Gesamtkosten für einen Schützenkeller auf rund 265 000 Euro geschätzt. Abzüglich der Zuschüsse und der Eigenleistung würde der Finanzierungsüberschuss bei 2200 Euro liegen. Die Kosten für einen Kellerrohbau und der Innenausbau werden auf 220 000 Euro geschätzt. Hinzu kämen 26 000 Euro für zusätzliche Stellplätze und 30 000 Euro für elektronische Schießstände. Der Verein würde 35 000 Euro Eigenmittel sowie Eigenleistungen in Form von Hand- und Spanndiensten einbringen und hofft auch auf Geld und Sachspenden. Über die Zuschussrichtlinie der Stadt und vom Freistaat Bayern erhofft man sich rund 130 000 Euro und über ein zinsloses Mitgliederdarlehen in Höhe von 45 000 Euro könnte die Finanzierung gesichert werden. Während die Vertreter der CSU sowie der Grünen und der Bürgerliste dem Vorhaben optimistisch gegenüberstanden, befürchteten die Freien Wähler und die SPD ein Restrisiko durch Mehrkosten.

Bürgermeister Klaus Ritter hatte die seiner Berechnung nach realen Mehrkosten aufgezeigt, die unter anderem durch erhöhte Grundstücks- und Planungskosten entstehen und mit eingerechnet werden müssten. Für ihn und seine Fraktionskollegen stellen sich auch weitere Fragen, die Probleme aufwerfen könnten: Was passiert bei einem Auszug der Schützen innerhalb der 25 Jahre, oder auch später? Sind dann die Baukosten von der Stadt auszugleichen? Sie fragen sich auch, welche Verbindlichkeiten die Stadt gegenüber den Schützen habe, die sich mit Eigenleistung eingebracht haben, sollte Jahre später ein neues Feuerwehrhaus an anderer Stelle gebaut werden. Ritter stellte auch heraus, dass dabei die sehr stark miteinander im Vereinswesen verwobenen Strukturen zu beachten seien. Es ergäben sich dabei Abhängigkeiten, die die Stadt nicht eingehen sollte, da die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Stadt sei und sie daher nicht mehr frei in die Zukunft agieren könne, so Ritter. »Ich möchte nochmal betonen, dass eine Stadt alle Vereine gleich behandeln sollte. Besonders in finanziellen Angelegenheiten. Schaffen wir uns doch bitte keine Präzedenzfälle für die Zukunft.«

Mit dieser Aussage handelte er sich Kritik ein, auf die er postwendend reagierte. Er sei nicht gegen die Vereine. Die Vereine seien wichtig. »Ich bin kein Feind des Vereins.« Er habe lediglich versucht, die realen Mehrkosten darzustellen, die er nicht unter den Tisch kehren könne. Unterstützt in seinen Aussagen wurde er von Ernst Biermaier und Matthias Baueregger (beide Freie Wähler). »Wir müssen ganz klar zwischen Verein und harten Fakten trennen, und das sind Euro und Cent«, sagte Biermaier. Er sehe schon ein großes Problem durch Mehrkosten und warne deshalb davor, ein finanzielles Risiko einzugehen.

CSU geschlossen hinter Schützen-Antrag

CSU-Fraktionsvorsitzender Reinhold Schroll teilte mit, dass seine Fraktion geschlossen hinter dem Antrag der Schützen stehe. Durch einen ausgebauten Keller und mehr Parkplätze würde das Feuerwehrhaus eine enorme Werterhöhung erfahren, und alles bleibe im Eigentum der Stadt. Er und seine Fraktionskollegen hätten auch keinerlei Bedenken, dass die Schützen das Vorhaben nicht schultern könnten. »Es ist ein engagierter Verein, der Mut besitzt und das auch anpacken kann«, versicherte Schroll. »Die Schützen leisten eine super Arbeit«, sagte Andrea Haslwanter (CSU). Das Geld sei gut investiert.

Dass kein Vorhaben ohne Risiko ist, stellte Martin Czepan (Grüne) heraus. »Wir sollten den Schützenantrag unterstützen.« Ablehnen könne man den Antrag nur, wenn Fakten auftreten, dass die Schützen das Vorhaben nicht stemmen könnten, so die Meinung von Sepp Winkler (Bürgerliste). Er appellierte, unter dem Motto »wir gestalten mit den Bürgern«, jetzt eine Feinplanung zu erarbeiten und diese dann den Schützen an die Hand zu geben.

Feuerwehrreferent: Keine gemeinsamen Toiletten

Feuerwehrreferent Herbert Kusstatscher (SPD) befürchtete, dass die Kubatur des Gebäudes durch zusätzliche Baumaßnahmen, wie den Einbau von zusätzlichen Toiletten, angepasst werden müsse. »Es geht nicht, dass die sanitären Anlagen gemeinsam genutzt werden.« Diese und weitere Bedenken äußerte auch der Kommandant der Traunreuter Feuerwehr, Karl-Heinz Erhard, in einer schriftlichen Stellungnahme. Sollte kein separater Eingang für die Schützen geschaffen werden, befürchte er, dass Fremde ungehinderten Zugang zu den Einsatzgerätschaften und Funkgeräten haben.

Die Traunwalchner Feuerwehr spricht sich für eine Unterbringung der Schützen aus. Sie empfiehlt aber auch, eine Außentreppe als separaten Eingang für die Schützen. Auch ein problemloses Parken müsse für die Einsatzkräfte im Alarm- und Übungsdienst gewährleistet sein. Bei der Jugendarbeit sehen die Traunwalchner Floriansjünger durchaus Synergieeffekte und sprechen sich deshalb auch für einen gemeinsamen Jugendraum aus.

In den Augen des Sportreferenten Bernhard Seitlinger (CSU) sei die geplante Konstellation eine einmalige Möglichkeit, die man vor allem auch zugunsten des Schützensports im gesamten Stadtgebiet nutzen sollte. Auch er ist sich sicher: »Der Verein kann das stemmen – Ein Restrisiko ham ma bei jedem Bau.« ga