Feuerwehr Traunwalchen: »Wir können nicht dauerhaft auf Tiefschlaf fahren«

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In der Bilanz der Feuerwehr Traunwalchen kam auch der Hochwassereinsatz an der Talmühle im August zur Sprache. Im Bild sieht man die Hochwasserschutzschläuche die sog. »Float Tubes«. (Foto: Feuerwehr Traunwalchen)

Traunreut – Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Aus- und Weiterbildungen der Freiwilligen Feuerwehren aus. Aktuell finden keine Übungen und Fortbildungsmaßnahmen statt. »Wir haben seit Anfang November keine Übung oder Ausbildung abhalten können und warten jetzt ab, wie die Politik weiter entscheidet«, betont der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen, Matthias Besuch, in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Der Ausbildungsstau sei auch im gesamten Landkreis Traunstein feststellbar. Deshalb warnte er davor: »Wir können nicht dauerhaft auf Tiefschlaf fahren«.


Auch der Jugendwerbetag fand im vergangenen Jahr nicht statt. Die Veranstaltung ist für die Feuerwehren wichtig, um Nachwuchs zu gewinnen. Bis Februar 2020 sei alles noch »ganz normal« gelaufen, sagte Besuch. Während der Lehrgänge »Führungsstufe A« und die Führungskräftefortbildung noch besucht wurden, musste der Truppmann-Lehrgang mit vier Kameraden im März unterbrochen und im Juli fortgeführt werden. Im September und im Oktober wurden dann zwei Kameraden auf einen Gruppenführer- beziehungsweise Brandmeldelehrgang geschickt. Erfreulich sei gewesen, dass der Besuch der Schüler der 3. Klasse der Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen Anfang März vergangenen Jahres noch geklappt habe. »Die Kinder waren wie immer begeistert«, so Besuch.

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Zu den insgesamt 24 Einsätzen teilte der Kommandant mit, dass die Feuerwehrleute während des ersten Lockdowns zwischen Mitte März und Ende Juli kein einziges Mal ausrücken musste. Dies habe sich auch bei allen Feuerwehren im Landkreis widergespiegelt. Sogar die großen Wehren hätten in dieser Zeit verhältnismäßig wenige Einsätze gehabt.

Doch dann kam Ende Juni das erste Unwetter. »Durch den Starkregen hatten wir auf der Anfahrt zum Gerätehaus kaum Sicht«, erinnert sich der Kommandant. Um in Niedling einen vollgelaufenen Keller auszupumpen, habe man sich aufgrund umgefallener Bäume zunächst den Weg mit einer Motorsäge frei schneiden müssen. Auch die Ortsdurchfahrt Zweckham sei auf Grund des Unwetters erneut überflutet gewesen und das Wasser musste über einen Sickerschacht neben der Straße abgepumpt werden. Das gleiche Szenario in Zweckham spielte sich bei einem weiteren Unwetter Anfang August ab. Überdies sei bei diesem Unwetter der Wasserstand der Traun in Traunwalchen über Nacht auf 2,60 Meter angestiegen und die Talmühle drohte überflutet zu werden. Hier kamen die sogenannten »Float Tubes« (Hochwasserschläuche) zum Einsatz.

Darüber hinaus mussten die Traunwalchner zu zwei Motorradunfällen und einem Autounfall auf der Kreisstraße TS 49 ausrücken. Bei einem der Motorradunfälle wurde eine Person schwer verletzt. Mit dem Schlimmsten musste Ende letzten Jahres beim Einsatz in einem Hochhaus in der Hoferstraße in Traunreut gerechnet werden. Die Meldung »Sieben bewusstlose Personen und Gasaustritt« verhieß bei der Anfahrt nichts Gutes. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es sich um einen absichtlich herbeigeführten Fehlalarm eines 57-jährigen Mannes gehandelt hatte (wir berichteten).

Mit 49 männlichen und sieben weiblichen Aktiven ist die Feuerwehr Traunwalchen gut aufgestellt. Dazu kommen noch sechs jugendliche Nachwuchskräfte. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über 1100 Einsatz- und Dienststunden geleistet.

Auch die Kameradschaft ist aufgrund der Corona-Beschränkungen auf der Strecke geblieben. Hier war ebenfalls Ende Februar Funkstille. »Die Vorstandssitzungen mussten digital abgehalten werden und die Veranstaltungen, wie das Weinfest, der Florianstammtisch und die Beteiligung an den kirchlichen Festen sind alle ausgefallen«, resümierte der Vereinsvorsitzende, Manfred Heisler. Wegen der Corona-Auflagen müssen auch die letzten Restarbeiten in dem erst vor rund zwei Jahren bezogenen Feuerwehrhauses nach hinten verschoben werden.

Im Herbst 2018 war die Feuerwehr von Traunwalchen nach Oderberg in ein neues Gebäude umgezogen, um das es seit rund einem Jahr still geworden ist. »Seit Corona ist praktisch kein Betrieb im Haus«, so Heisler. »Selbst wenn wir wollten, wären die Arbeitseinsätze mit mehreren Leuten schwierig, um die Regeln einzuhalten.«

Ganz untätig waren die Kameraden aber nicht. Einige Mitglieder schlossen sich der Vereinigung »Ein Dorf hält zusammen« an, und unterstützten während des Lockdowns Bürger mit Einkäufen und anderen Botengängen. »Im Moment ruht diese Initiative, aber wenn die Beschränkungen wieder verschärft werden, wird sie sicher wieder aktiviert.«

Für das noch junge Jahr 2021 haben die Feuerwehrkameraden noch nichts Konkretes geplant: »Wir terminieren momentan nichts und warten zunächst ab. Es bringt ja nix, wenn wir die Termine dann wieder absagen müssen«, sind sich Kommandant und Vorsitzender einig. So wurde auch die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen mit Neuwahlen der Vorstandschaft, die ursprünglich Anfang Januar geplant gewesen wäre, auf unbestimmte Zeit verschoben. Bis dahin bleibt die Vorstandschaft kommissarisch im Amt. ga

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