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Fest für das Dach der Christuskirche kam gut an

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Der noch eingerüstete Turm bekommt noch einen neuen Anstrich; dann sind alle Arbeiten erledigt. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Obwohl es schon fast fertig ist, bleibt das neue Dach der Christuskirche das Sorgenkind der evangelischen Kirchengemeinde. Schließlich muss das knapp 150 000 Euro teure Bauvorhaben noch bezahlt werden, und 35 000 Euro davon muss die Kirchengemeinde aus Rücklagen und Spenden selber stemmen. Bei einem »Kirchdachfest« wurde nun kräftig ein dickes rosa Sparschwein gefüttert, das die Pfarrerstöchter Anna-Lena und Amelie gebastelt hatten. Markus Ruf vom Kirchenvorstand sägte außerdem das alte, marode Blechdach in kleine Teile, die quasi als Souvenirs verkauft wurden.


»Es fehlen noch etwa 14 000 Euro«, stellte Kirchenpfleger Klaus Henke besorgt fest. Bisher wurden von der Kirchengemeinde und vom gerade erst gegründeten »Evangelischen Gemeindeverein Inzell« knapp 4000 Euro gesammelt. Der Verein hat 23 Mitglieder, die jeweils 20 Euro im Jahr zahlen. Für die Beiträge, die auch steuerlich absetzbar sind, und für Spenden kann der gemeinnützige Verein natürlich Spendenquittungen ausstellen.

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Rund 17 000 Euro vom Eigenanteil werden aus Rücklagen gedeckt, müssen aber irgendwann zurückgezahlt werden, da im Haushalt Rücklagen auszuweisen sind. Der Idealfall wäre, den Eigenanteil durch Spenden abzudecken. Den Löwenanteil der Gesamtkosten schultert mit 99 000 Euro die Evangelische Landeskirche. Das Dekanat Traunstein trägt 10 000 Euro, und aus dessen Jahreszuweisungen fließen 6000 Euro.

Mitte Mai wurde mit den Arbeiten begonnen, die die nächsten Tage abgeschlossen werden sollen. Als Letztes bekommt nun der Glockenturm einen neuen Anstrich. Das alte Dach war verrostet. Die neuen Dachbeläge von Kirche und Gemeinderaum, Garage und Glockenturm sind aus Edelstahl. Darüber hinaus wurden neue Regenrinnen angebracht. Das Pfarrhaus hatte schon vier Jahre vorher ein neues Edelstahl-Dach bekommen. Eva Burbach vom Münchner Büro Möller-Architekten war voll des Lobes über die kompetenten Handwerksbetriebe aus der Region: »Dieses Dach ist eine größere Sache, das kann nicht jeder.«

Den doch beträchtlichen Eigenanteil mit nur 450 Gemeindegliedern und nur einer halben Pfarrerstelle aufzubringen – Thomas Seitz ist mit der anderen Hälfte seiner Stunden als Klinikseelsorger tätig – sei nicht einfach, räumt er ein. »Wir sparen, wo's geht, und machen jetzt alle Hausmeister- und Gartenarbeiten selber«, erklärt er. Geld in die Kasse spülen sollen unter anderem die Einnahmen vom Kirchdachfest und Benefizkonzerte. Das nächste gestaltet der ehemalige Kirchenmusiker Rainer Browarzyk am Sonntag, 7. Oktober, um 19.30 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Michael mit Orgelmusik. Sehr gut läuft eine Schuhaktion: Über das Projekt »SHUUZ« werden gebrauchte Schuhe zu Geld gemacht. »Jeden zweiten Tag schicken wir seit etwa drei Wochen einen Umzugskarton an Schuhen weg. Wir haben diese Aktion gewählt, weil da im Gegensatz zu einem Flohmarkt nichts übrig bleibt«, erzählt Seitz. »Und dann schauen wir, was uns noch einfällt. Am besten ist eine gute Gemeindearbeit und Seelsorge.«

Den Gottesdienst vor dem Fest gestaltete Patrick Pföß mit dem Musikschul-Ensemble »Leprechaun Players« mit Musik von Turlough O'Carolan, Pföß und anderen. In seiner Ansprache ging Seitz darauf ein, was das Kirchendach eigentlich schützt: das Kirchengebäude, das in erster Linie dafür da ist, dass hier der Gottesdienst gefeiert wird. »Für wen oder was aber ist der Gottesdienst da?«, fragte er. Am Extrembeispiel der Kartäuser-Mönche, die im Mittelpunkt des 2005 mehrfach ausgezeichneten Films »Die große Stille« stehen, ging er auf die Zweckfreiheit im spirituellen Leben, in der Natur, im Spiel eines Kindes, im Schaffen des Künstlers, in der Gestaltung der Christuskirche, im Ablauf der Liturgie ein. All dies befreit den Menschen von der »Tyrannei des Zwecks«, wie Seitz aufzeigte. vm