weather-image
25°

Fein säuberlich mit der Hand geschrieben

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Wer an das Christkind schreibt, der sollte sich Zeit nehmen und seinen Wunschzettel auch ansprechend gestalten.
Bildtext einblenden

Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: der Christkindlbrief.


Wer erinnert sich nicht daran! So um den 20. Dezember herum, manchmal auch kurz davor, war es an der Zeit, dem Christkind seine kleinen oder großen Wünsche mitzuteilen. Das hat man in einem selbst geschriebenen Christkindlbrief getan. Ohne Rechtschreibfehler versteht sich und fein säuberlich ausgemalt mit Kerzen, Sternen und sonstigen Objekten, die man für geeignet hielt, dem Christkind zu signalisieren, dass da ein Kind schreibt, das sich sein Geschenk zu Weihnachten auch verdient hat.

Anzeige

Das nahm Zeit in Anspruch, und wenn alles fertig geschrieben war, legte man den Brief auf das äußere Fensterbrett, möglichst mit einem Stein oder sonst mit einem schweren Gegenstand vor dem Wegfliegen geschützt. An dem Tag, an dem das geschehen war, ging man gerne und frohgemut ins Bett in der sicheren Erwartung, dass dieser Brief in der Christkindlwerkstatt ankommen musste. Wenn am anderen Morgen das Fensterbrettl leer war, dann strahlten die Kinderaugen und alle mussten sich davon überzeugen, mehr oder weniger staunend, dass der Brief weg war.

Meistens trafen die gewünschten Geschenke dann auch ein und wenn nicht, dann hieß das nur, dass die paar Wochen auffälliger Folgsamkeit und Bravheit vor Weihnachten halt nicht ausgereicht hatten, um das wieder gut zu machen, was man unterm Jahr »versemmelt« hatte. Pech gehabt.

Seit etwa 1956 können Kinder nun schon eine Weiterentwicklung in Sachen Christkindlbrief nutzen und zwar, wenn sie ans »Postamt Christkindl« in 4411 Christkindl/Österreich schreiben. Da gibts dann sogar eine richtige Antwort, mit Sonderbriefmarke.

Wer allerdings glaubt, er brauche nur sein Smartphone oder iPhone nehmen, einige Wunschgedanken auftippen und dann das Ganze versenden, der wird feststellen, dass das Christkind auch heute noch nicht auf Facebook, Twitter oder Whatsapp unterwegs ist. Nicht einmal eine E-Mail-Adresse hat es. Verflixt!

Da bleibt nur der Brief, wenn man wirklich Erfolg haben will! Aber der sollte handgeschrieben sein, weil Tippen kann ja jeder ohne besondere Mühe. Und Sterne oder Tannenbäume aus dem Grafikprogramm kommen da auch nicht gut an.

Ja, ja, das Christkind! Seit Tausenden von Jahren hoffnungslos altmodisch analog – und doch so meilenweit voraus... fb