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Feierliches Abschlussfest der Dorferneuerung Raiten

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Der Sprecher der Dorfgemeinschaft Raiten Alois Steiner (links) überreichte Peter Oster, dem Vorstandsvorsitzenden der Dorferneuerung, ein »Gamskrickerl«. Im Hintergrund ist links der neue Dorferneuerungsstein zu sehen. (Foto: Reichenbach)

Schleching. Zu einem feierlichen Abschluss gebracht wurden die insgesamt elf Jahre dauernde Flurneuordnung und die Dorferneuerung des Ortsteils Raiten bei einem großen Fest am Samstag. Am neu gestalteten Dorfplatz feierte die Dorfgemeinschaft mit der Geistlichkeit, dem Stellvertretenden Landrat Josef Konhäuser, Vertretern der Ländlichen Entwicklung Oberbayern, des gleichnamigen Verbandes, des Staatlichen Bauamtes Traunstein, des Forstbetriebes Ruhpolding, Bürgermeister und Gemeinderat. Die Musikkapelle Schleching begleitete in großer Besetzung die Feier musikalisch.


Festtag begann mit feierlichem Gottesdienst

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Der Festtag begann mit einem Gottesdienst in der Raitener Kirche »Maria zu den sieben Linden«, den Pfarrer Klaus Wernberger mit Diakon Heiner Vogl aus Raiten zelebrierte. Die musikalische Gestaltung der Messe hatten die jungen Raitener Weisenbläser übernommen. Die Mezzosopranistin Stefanie Iranyi aus Raiten, inzwischen weltweit auf vielen Bühnen unterwegs, sang »Die Himmel rühmen« von Ludwig van Beethoven und »Er weidet seine Herde« von Georg Friedrich Händel, begleitet von Maria Blank auf der Orgel.

»Das bürgerschaftliche Engagement in Raiten begann bereits lange vor der Dorferneuerung«, fasste anschließend Bürgermeister Josef Loferer zusammen. Von den zahlreichen Aktivitäten nannte der Bürgermeister unter anderem die jährliche Trachtenwallfahrt des Chiemgau Alpenverbandes und das Aufräumen nach dem Hochwasser im Dorf und der Flur. Besonders würdige Loferer den unermüdlichen Einsatz von Alois Steiner als Kümmerer und quasi Bürgermeister von Raiten, der spontanen Applaus erhielt.

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser betonte, dass erst durch die erfolgreiche Ausgliederung des Durchgangsverkehrs in Raiten und der Einrichtung einer Umfahrung, der Startschuss für die Dorferneuerung gegeben werden konnte. Baudirektor Sebald König vom Staatlichen Bauamt Traunstein überreichte dem Schlechinger Bürgermeister ein Luftbild von Raiten und Fotos von der früheren Verkehrssituation im Dorf mit Bussen und Lastwagen. Er erinnerte an die jahrzehntelangen hartnäckigen Bemühungen schon vor dem Beginn des Verfahrens, eine Umgehungsstraße zu erhalten.

Das Resümee des Vorstandsvorsitzenden der Dorferneuerungsverfahren in der Gemeinde, Peter Oster vom Amt für Ländliche Entwicklung, lautete, dass es nach einem schwierigen Anfang eine tolle Zusammenarbeit entstand und ein herausragendes Ergebnis für Raiten geschaffen werden konnte. Die Besonderheit der Flurneuordnung in Raiten seien die Grundstücksverhältnisse von 160 Besitzständen und 258 Beteiligten gewesen, darunter viele »Auswärtige«, bei einer relativ kleinen Fläche von 142 Hektar.

Bau einer Umfahrung drohte anfangs zu scheitern

Das große Ziel, im Rahmen der Flurneuordnung eine Umgehung der B 307 um Raiten zu verwirklichen, schien zunächst in weite Ferne gerückt zu sein und dem Verfahren drohte das Aus. Erst durch die Unterstützung von Politik und Staatlichem Bauamt konnte wieder Gas gegeben werden. Flächen wurden nicht nur für die Umgehungsstraße bereitgestellt, auch für den Geh- und Radweg zwischen Raiten und Zellersee und für die Berme entlang der Tiroler Achen. 400 Meter Asphaltstraßen und 1,9 Kilometer Kieswege sowie ein Erdbecken und Pflanzungen sind entstanden. 533 Flurstücke wurden auf 415 zusammengelegt, neu geordnet und erschlossen.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurde auch die Buskehre neu gebaut sowie der Kirchweg und der Dorfplatz mit Tretbecken des Raitener Baches neu gestaltet und bepflanzt. Viele historische landwirtschaftliche Anwesen erhielten Hoftafeln. Eine Ortsgestaltungssatzung wurde zudem ausgearbeitet. Zuletzt beteiligte sich das Amt am neuen Buswartehäuschen. Die Gemeinde wird den Raitenern noch eine Tischtennisplatte für den Dorfplatz spendieren. Der Bürgermeister übergab hierzu noch symbolisch Tischtennisschläger und Bälle.

Gesamtkosten liegen insgesamt bei 950 000 Euro

Die Gesamtkosten für die Flurneuordnung beliefen sich auf 450 000 Euro. Die Eigenanteile machen 42 000 Euro aus, die Gemeinde steuert 7500 Euro, das Staatliche Bauamt 12 000 Euro bei. Für die Dorferneuerung sind 400 000 Euro angefallen, davon trägt die Gemeinde 200 000 Euro.

Oster äußerte zum Abschluss noch zwei Wünsche: Dass der einmaligen Dorfgemeinschaft der Zusammenhalt und der Wille zum Selbstanpacken erhalten bleiben und dass sich nach dem Brand in der »Post« in Raiten wieder ein Wirt findet, der der Dorfgemeinschaft ein Zuhause geben kann. Oster erhielt von der Gemeinde passend zur Tracht handgestrickte Schlechinger Trachtenkniestrümpfe. Von den Raitenern überreichte Alois Steiner ihm ein »Gamskrickerl«.

Nach den Ansprachen bewegte sich der Festzug mit der Musikkapelle bis um die Buskehre und zum Festzelt beim »Feichten«-Hof der Familie Zaiser zum gemütlichen Ausklang. Die Helfer aus der Dorfgemeinschaft hatten das Fest vorbereitet und bewirteten die Gäste bestens. bre

Blattl Sonntag Traunstein