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Fehlender Respekt, wenig Wertschätzung

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Ruhpolding. Alles andere als »brauchtumsfreundlich«: Mit diesen Worten hat der Stellvertretende Vorstand des Gauverbandes I, Sebastian Gasteiger, die Band »LaBrassBanda« im Traunsteiner Tagblatt (wir berichteten) kritisiert, die am 23. Juli beim Gautrachtenfest in Ruhpolding auftreten wird. Band-Frontmann Stefan Dettl sucht nun laut Medienberichten den Dialog. Für ihn sei die Kritik »eine Sache des fehlenden Respekts, nicht nur gegenüber uns, sondern gegenüber von Tausenden Trachtenvereinsmitgliedern.«


Der geplante »LaBrassBanda«-Auftritt beim 124. Gautrachtenfest war auf harsche Kritik im Gauverband gestoßen. Der Veranstalter, der GTEV »D' Miesenbacher« Ruhpolding, hatte die Band bereits letztes Jahr gebucht. Mit dem Gauverband I hatte es Gespräche gegeben. Anscheinend waren diese nicht so verlaufen, wie sich Gasteiger das gewünscht hatte. Denn er hat kein Verständnis dafür, dass die Miesenbacher Bands wie »LaBrassBanda« oder die »Seer« gebucht haben. »Vor über einem Jahr, als es die ersten Vorgespräche gab und wir an einem Tisch saßen, war davon noch keine Rede«, sagte er in der vergangenen Woche.

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Die Brauchtumswächter haben also gesprochen, nun äußert sich Stefan Dettl, und zwar mit deutlichen Worten. Es gehe um die Zukunft der Trachtensache. Er, Dettl, setze daher auf den Dialog. »Den Stachel noch tiefer treiben«, das wollen er und die Band in keinem Fall. Vielmehr fordert er laut Medienberichten eine Stellungnahme von höchster Stelle. Denn wenn schon Funktionsträger sich öffentlich äußerten, müsse doch auch von »offizieller und kompetenter Stelle« ein Urteil erfolgen. Seine Forderung richtet sich an die Spitze des »bayerischen oder deutschen Trachtenverbandes.«

Dettl habe zwar auch schon von gemäßigteren Aussagen aus der Führungsebene des Trachtenverbandes gehört. »Geäußert hat sich aber noch niemand.« Als Verunglimpfer des traditionellen Brauchtums sieht er sich freilich nicht. Ein »Unding« seien derartige Aussagen. Denn die Tradition liege ihm sehr am Herzen, ebenso die Tracht. Nicht nur »LaBrassBanda« liege deshalb in der Schusslinie, sondern auch die ehrenamtlich tätigen Trachtler, die sich »vor den Kopf gestoßen fühlen.« Dettl fordert insgesamt mehr Respekt und Rücksichtnahme, auch jenen gegenüber, die barfuß auf die Bühne gegen – »LaBrassBanda« tut das. Genau jenes Barfuß-Kriterium hatte letzte Woche für viel Wirbel gesorgt.

»Auch wir ziehen gerne Tracht an«, wird Dettl nun zitiert, »mit allem drum und dran. Nur darf das nicht das Ausschlag gebende Kriterium sein, nach dem Motto: Wer Uniform an hat, ist in Ordnung, wer barfuß ist oder ein T-Shirt trägt, ist verkehrt.« Eigentlich gehe es doch um den Menschen – und wie man mit diesem umgehe.

Von wenig Wertschätzung zeuge es, wenn gefordert werde, dass das »LaBrassBanda«-Konzert, das im Zusatzprogramm des Gautrachtenfestes angesiedelt ist, möglichst weit weg vom Festzelt stattfinden solle. Gasteiger hatte sich im Traunsteiner Tagblatt bereits dafür ausgesprochen, dass die Musikveranstaltung nur dann abgehalten werden solle, wenn sie nicht in Zusammenhang mit den Trachtlern gebracht werden könne.

Für Stefan Dettl sei die Tracht etwas Besonderes, »wenn wir beim Gautrachtenumzug mitgehen (...), kommen wir natürlich auch nicht barfuß daher.« Nicht nur der Gesang der Band sei bairisch, auch die Wurzeln der Musik fänden sich in der Volksmusik, meint Dettl. »Aber wenn man alles verteufelt, ohne sich damit überhaupt beschäftigt zu haben, ist das sicher nicht im Sinne derer, die sich mit Herzblut dafür einsetzen, auch in Zukunft noch Begeisterung für bayerische Mundart, für Volksmusik und Tracht zu wecken.« kp