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»Fast ein kleiner Kinderspielplatz«

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Petting – Architekt Nikolaus Magg hatte die Kinder gefragt. Und die schrieben und zeichneten, was sie sich alles für das Umfeld der neuen Grundschule wünschen. »Das Grundstück ist zu klein für all die Wünsche«, konstatierte der Planer in der Sitzung des Gemeinderates. Gleichwohl hatte er einiges eingezeichnet auf Platten-, Schotter-, Hackschnitzel- und Rasengrund. Zu viel, wie die Gemeindevertreter fanden.


Von Seilbahn bis Minigolf, von Karussell bis Whirlpool. Die Liste der Kinder war ellenlang und beinhaltete vermutlich alles, was nur denkbar wäre, um die Pausen kurzweilig zu gestalten. »Es ist wichtig, dass sich viele gleichzeitig beschäftigen können, sonst gibt es Streit«, beschrieb Magg seine Überlegungen. Also keine Seilbahn, stattdessen ein Klettergerüst und eine Boulderwand; selbstverständlich ein Fußballtor und Tischtennisplatten. Liegende Baumstämme sollen Unterricht im Freien ermöglichen. Sträucher und verschiedene Obstbäume sollen den Kindern zeigen, wie unterschiedlich sie blühen und reifen. Seinen Entwurf wollte der Planer als »Speisekarte« verstanden wissen, aus denen der Gemeinderat wählen könne.

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Für die Räte ein eher üppiges Menü. »Fast wie ein Kinderspielplatz«, urteilte zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl und fragte: »Ist das normal?« Er erwartet, dass nachmittags alle Pettinger Kinder hier beim Spielen sein werden. »Das ist kein Kinderspielplatz«, pflichtete ihm Philipp Strohmeyer bei, »die Slackline ist super, das große Spielgerät braucht es nicht.« – »Der Unterhalt muss überschaubar bleiben«, warb auch Roland Kramer für Wippe und Schaukel, »man muss nicht übertreiben.«

Weniger Pflaster möchte Franz Vordermayer, was der Planer allerdings mit Verweis auf den Stand der Wintersonne bewusst etwas ausgedehnt hat. »Die Buben werden Fußballspielen«, ist Vordermayer überzeugt, worauf sich die Frage stellte: Ein oder zwei Tore?

»Die Lehrer werden wenig begeistert sein«, vermutete Elvira Kramer mit Blick auf die vier eingezeichneten Hochbeete. »Obwohl ich Vorstand im Gartenbauverein bin, bin ich eher dagegen.« Es erfordere zusätzliche Arbeit und es bleibe die Frage nach der Ferienbetreuung. Kraller fände Blumenbeete oder Blumenwiesen besser. Sie könnte sich auch eine Grillfläche auf dem Areal vorstellen. »Für wen? Für die Lehrer nach Feierabend?«, wunderte sich Bürgermeister Karl Lanzinger etwas über den Vorschlag.

Der Zugang von der Ortsseite wird mit einem Zaun versehen, nach Westen hin zu den landwirtschaftlichen Flächen soll es keine Abgrenzung geben. Weil das Gelände nach dorthin abfällt, erwarten manche Gemeinderäte permanent Bälle in Wiesen und Feldern.

»Das Areal darf sich verändern«, meinte Nikolaus Magg. Damit passe es gut zur Ökomodellregion, ergänzte Theo Pastötter. Und man könne jederzeit nachrüsten, sagte Lanzinger. Magg bot an, den Plan entsprechend der Diskussion umzuzeichnen. »Und dann schauen wir uns das nochmal vor Ort an«, schlug Ludwig Prechtl vor.

Philipp Strohmeyer machte sich Gedanken über die Platzierung der Mülltonnen, die Beleuchtung, die Radständer und den Zugang zum Jugendraum im alten Rathaus nebenan. »Dieser Zugang gehört gleich g'richt«, plädierte auch Elvira Kraller, wogegen Bürgermeister Lanzinger dafür warb, den ganzen Platz erst nach Abriss des alten Schulgebäudes in Angriff zu nehmen.

Das war das Stichwort für Franz Vordermayer. »Wie schaut es aus mit der Planung für die Turnhalle? Wir müssen da vorankommen.« 2017 nach der Hallensaison wolle man starten, erinnerte der Rathauschef, um im Herbst 2017 einziehen zu können.

Ob man nicht schon in diesem Herbst, nachdem die Schule umgezogen sei, mit dem Abriss beginnen solle, überlegte Prechtl. »Wir brauchen eine Grundplanung für die Bezuschussung und eine Abrissgenehmigung«, fasste Lanzinger zusammen. »Auf jeden Fall gehört Gas gegeben«, blieb Vordermayer hartnäckig, »damit wir dann nicht blöd dastehen.« – »Wir schaffen das«, beruhigte Ludwig Prechtl in Merkel-Manier.

Die Kollegen sollten sich schon mal Gedanken machen über die Gestaltung der neuen Schulaula, bat das Gemeindeoberhaupt, große leere Flächen stünden hier zur Verfügung für Kunst, für Geschichte, für was auch immer. höf