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Fast 2000 Besucher kamen nach Stöffling

Seeon-Seebruck. Beim fünften Bedaius Familienfest am Keltengehöft in Stöffling nutzten Jung und Alt die Gelegenheit, sich mit echten Kelten, Römern und Bajuwaren auf eine spannende Zeitreise zu begeben. Das große Besucheraufkommen zeigte, dass der zwischen Seebruck und Truchtlaching gelegene Weiler Stöffling mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad haben dürfte.

»Eintauchen in die Geschichte« hieß es beim fünften Bedaius Familienfest in Stöffling. Die Besucher konnten unter anderem das Bogenschießen probieren. Bajuwarin Agnes Würdinger (Baios) zeigte einige Tricks. (Foto: Müller)

»Fast 2000 Besucher und erstmals über 100 historische Darsteller, wir sind sehr zufrieden, einzig der Wind hätte ein bisschen weniger sein können«, resümierte Organisator Matthias Ziereis von der Tourist-Information Seebruck. Am frühen Morgen schien es noch, als hätte der Winter Einzug gehalten, denn über Nacht hatte sich Reif über die Wiesen gelegt – vom versprochenen warmen Föhn keine Spur. Doch ihren hartgesottenen Vorfahren wollten die Kelten, Römer und Bajuwaren an historischer Stätte natürlich in nichts nachstehen – statt zu jammern, stürzte man sich in die Arbeit, exerzierte und marschierte in voller Montur oder betätigte sich beim Pfeil- und Bogenschießen.

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Beim »Bogenschützenturnier für Gewandete« siegte Johannes Pilz vor Wolfgang Rapp und Simon Wastlhuber. Bürgermeister Konrad Glück ehrte die Sieger mit dem bajuwarischen Organisator Gerhard Würdinger. Ein besonderes Highlight war zudem die Vorführung des Nachbaus eines römischen Pfeilgeschützes durch Schüler des Gymnasiums Schloss Ising und deren Lehrer Marcus Altmann und Kurt von Kießling von der Römergruppe Bedaienses. Großer Jubel brandete auf, als gleich der erste Pfeil nach 30 Flugmetern ins Ziel traf. Im neu angelaufenen P-Seminar werde man ein anderes antikes Geschütz nachbauen, so Geschichtslehrer Altmann.

Ein imposantes Schauspiel war auch das Exerzieren der »Chiemgaurömer« von der »Legio II Italica« und der »Donaurömer« von der »2. Rätischen Cohorte« aus Parkstetten. Neben den befreundeten Keltengruppen »Clan Cuallaidh« aus Siegsdorf, »Touta Nanto En« aus Raubling, »Daru Venia« aus Mühldorf und »Antumnos« aus Simbach fand sich erstmals der Stamm »Gabro Agrani« aus Geisenfeld ein.

Wie ihre Vorfahren vor 2500 Jahren Salz hergestellt hatten, zeigte »Touta Nanto En«. Über der Glut sei das salzhaltige Wasser, die Sole, gesiedet worden, »bis das Salz in den Töpfchen, die auch als Währungseinheiten dienten, zurückblieb«, so Kelte Harald Licht. Verwendung habe das »weiße Gold« als Gewürz, zur Haltbarmachung von Lebensmitteln, beim Gerben von Fellen oder auch beim Einbalsamieren gefunden.

Gleich nebenan fertigte Bajuware Martin Beer über der 1200 Grad heißen Glut bronzene Gürtelschnallen und Fibeln an. Glasperlen gebe es schon seit 3500 vor Christus, so der bajuwarische Meister Martin Dürrwaechter von »Nors Farandi« aus Warngau. Höhepunkt der Herstellung sei die Zeit seiner Ahnen, also das frühe Mittelalter gewesen. Tonrepliken aus jener Zeit fertigte Bajuwarin Sabine Nagl.

Das Pfeil- und Bogenschießen erlernen konnte man bei Bajuwarin Agnes Würdinger (Baios) und Münzen prägen bei Keltin Claudia Bennich, die extra aus Irland angereist war. Zudem gab es Einblicke ins althergebrachte Spinnen, Wolle färben und Weben, Schnitzen, Kornmahlen und Lederbearbeiten. Viel los war beim Pfeil- und Bogenhandel Varvölgy von Christine Heim, Edelsteinexperte Xaver Hendlmaier und Händlerin Christiane Tränkler. Die jüngsten Gäste vergnügten sich beim Ponyreiten, Kelten- und Römerbrot backen, Lederbeutel anfertigen, Schilder bemalen und Kettenhemd knüpfen. Ein Kettenhemd bestehe aus 30 000 Ringen und sei elf Kilo schwer, sagte Experte Florian Maier.

Große Augen gab es auch bei Schmied Robert Mayer. Entspannter ging es bei Frederik Finn zu, der zu Harfenmusik Märchen und Geschichten erzählte. »Viele historische Gruppen haben sich schon für 2014 angesagt, auch einige neue«, freute sich Matthias Ziereis beim Abbauen bereits aufs nächste Jahr. mmü