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Fast 100 Vereine beteiligten sich am langen Festzug durch den Markt

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Auf einer Wiese beim Siassn-Bauern feierten Gastgeber und Festgäste unter Leitung von Kaplan Korbinian Wirzberger eine Feldmesse.

Teisendorf – Bei Kaiserwetter feierte die Freiwillige Feuerwehr Teisendorf gestern mit fast 100 Gastvereinen aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein sowie aus dem angrenzenden Österreich ihr 150-jähriges Bestehen.


Bereits am Vorabend ehrten die Feuerwehr Teisendorf und die Königlich Privilegierte Feuerschützengesellschaft Teisendorf gemeinsam ihre Toten. Am Kriegerdenkmal hielt Kaplan Korbinian Wirzberger eine Andacht. Feuerwehr-Vorstand Bernhard Wimmer und Kommandant Bernhard Hinterschnaiter sowie Schützenmeister Dr. Johann Seibert und Gauschützenmeister Anton Stutz legten mit Worten des dankbaren Gedenkens jeweils gemeinsam einen Kranz nieder.

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Festwoche mit Bieranstich offiziell eröffnet

»Eine Rückschau auf mehr als 400 Jahre Vergangenheit macht nachdenklich und demütig«, blickte Seibert bereits voraus auf die 400-Jahr-Feier der Feuerschützen am kommenden Sonntag. Vor fünf österreichischen Gastvereinen erinnerte er am Denkmal an die gemeinsame Geschichte unter den Salzburger Bischöfen, denen man »die 400-jährige, für Europa beispielhafte Friedenszeit von 1400 bis 1800 verdanke«. Unzählige Schützen seien in dieser Zeit aber durch Krankheiten wie die Pest gestorben. Auch an die vielen Toten und Gefallenen der Kriege in jüngerer Zeit erinnerten die beiden Jubelvereine. Der Kranz der Schützen trug symbolisch die Landesfarben von Bayern und Salzburg. Danach eröffneten Bürgermeister Thomas Gasser und Brauereichef Christian Wieninger mit dem Bieranstich im Festzelt offiziell die Festwoche.

Ein festliches Bild bot bereits der Kirchenzug zur Wiese beim Siassn-Bauern im Süden der Ortschaft. Kaplan und Feuerwehrmann Korbinian Wirzberger leitete den Feldgottesdienst. Die Musikkapelle Teisendorf umrahmte sie mit der Schubert-Messe, rhythmischen Liedern sowie Instrumentalsätzen. Mit am prachtvoll geschmückten Altar stand Konrad Eder, der lange Feuerwehrmann in Teisendorf gewesen ist und als Spätberufener im Raum München Pfarrer wurde. Jungfeuerwehrler fungierten in ihren Uniformen zugleich als Ministranten und Lektoren.

Eder trug das Lukas-Evangelium vom verlorenen Sohn vor. In seiner Predigt geißelte Wirzberger die heute verbreiteten Mobbing-Kampagnen über soziale Netzwerke, die Sucht mancher, sich selbst mit halsbrecherischen Aktionen zu filmen oder Unfälle per Handy zu dokumentieren und so Rettungskräfte zu behindern, und andere Zeiterscheinungen. »Dem Menschen wird in der multimedialen Welt der Rücken zugekehrt, es geht allein ums Produkt.« Dem stellte er das Handeln des barmherzigen Vaters bei Lukas und das selbstlose »Anpacken« der Feuerwehr zum Schutz von Menschen, Tieren und Sachgütern. »So gestalten wir unsere Heimat, machen aus Bayern einen liebenswerten Ort«, betonte er. Am Ende der Predigt gab es Applaus.

»Unschätzbarer Dienst für Jugend und Gesellschaft«

Teisendorfs Feuerwehr-Vorstand Bernhard Wimmer begrüßte die Ehrengäste und brachte seinen Stolz auf die Entwicklung der Wehr zum Ausdruck. Bürgermeister Thomas Gasser und Landrat Georg Grabner überreichten Geldgeschenke für die Jugend. St. Florian sei mit einem Mühlstein um den Hals in den Fluss geworfen worden und wieder aufgetaucht, erinnerte Gasser an das Martyrium des Feuerwehrpatrons. Er wünschte den Aktiven des Jubelvereins, dass der hohe Zeitaufwand, die enorme Verantwortung und die oft schwierigen und belastenden Einsätze für sie »kein Mühlstein« sind und dass sie auch durch »gute Erlebnisse und beglückende Gefühle« belohnt werden.

Grabner rief die Öffentlichkeit dazu auf, gegen Kritik, Verunglimpfung und sogar Angriffe gegen Feuerwehrleute »aufzustehen«. Die aktive Jugendarbeit sei ein »unschätzbarer Dienst für die Jugend und unsere Gesellschaft«. Kaltner forderte dazu auf, das Ehrenamt nicht zu missbrauchen, und wünschte für die nächsten 150 Jahre alles Gute.

Nach der Bayernhymne zogen die Feuerwehren, Teisendorfer Ortsvereine und befreundete Hilfsorganisationen über eine Stunde durch den Markt. Zehn Musikkapellen und sieben Festwagen oder Kutschen waren dabei. Vorneweg ritten Wolfgang und Stefan Lamminger mit der alten Standarte der Teisendorfer Wehr. vm

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