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Fantasie statt Entscheidungen gefragt

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Unterwössen. »Das Hallenbad war im letzten Jahrzehnt der Zankapfel im Dorf. Ich hoffe, dass wir bei der Entscheidung über die Nachnutzung eine neue Kultur des Miteinanders schaffen«, sagte Unterwössens Bürgermeister Ludwig Entfellner in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Mit einem »Strategie-Workshop« unter der Leitung von Architekt Toni Entfellner von der Firma Intec ist dazu in der Sitzung ein erster erfolgreicher Schritt getan worden.


»Lösung muss erst erarbeitet werden«

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»Heute stehen keine Entscheidungen an. Wir werden stattdessen unserer Fantasie freien Lauf lassen«, kündigte der Rathauschef die etwas ungewohnte Tagesordnung zum Thema Hallenbad-Nachnutzung an. Wie Architekt Entfellner verdeutlichte, liege eine entsprechende Lösung nirgendwo parat. Sie müsse erarbeitet werden. Als greifbare Methode, diese Vision zu entwickeln, wurde jeder Gemeinderat aufgefordert, seine Vorstellungen in Wort und Bild zu skizzieren. Die Frage war: Welches Ziel und welche Bedeutung soll das Hallenbad künftig für den Ort haben?

Das Ergebnis bezeichnete der Architekt als »hervorragend, bunt, vielschichtig und mit deutlichen Tendenzen«. So wünschten sich die meisten Mandatsträger ein Bürgerhaus als eine Art Dorfmittelpunkt mit den Schwerpunkten Kultur, Sport, Kinder, Senioren, Tourismus, Essen und Trinken. Je größer der Mehrzweck bei möglichst vielen Leuten, je besser, so lauteten viele Aussagen. Um das zu erreichen, sahen viele das Einziehen einer Zwischendecke im Hallenbad als eine der vorrangigsten Maßnahmen zur Raumgewinnung an.

Weitere Tendenzen gingen in Richtung einer guten Sauna und einer Integration des Außengeländes. Hatten einige Gemeinderäte den Fokus vorwiegend auf Schlechtwetter- und Winteraktivitäten gerichtet, war für den Rathauschef eine »Nutzung rund um die Uhr und zu allen Jahreszeiten« das Maß aller Dinge. Er sprach sogar von der Schaffung eines Kommunikationszentrums für das ganze Achental und somit eines richtungsweisenden Leuchtturmprojektes.

Uneins war man sich über die Gewichtung der Kosten. Während einige Räte eine Planung nur in dem machbaren Kostenrahmen bevorzugten, stellten andere zunächst die Kreativität über das Sparen.

Lage und Bausubstanz als Pluspunkte

Als nächsten Arbeitsschritt hatten die Gemeinderäte dann die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken der Gesamtsituation zu bewerten. Pluspunkte bekamen die zentrale Lage, das große und variable Raumangebot, die gute Bausubstanz, die schon bestehende Teilnutzung und die flexiblen Planungsmöglichkeiten.

Zu den jetzigen Schwächen zählten die Räte vor allem die angrenzende Wohnbebauung, die momentan schlechte Energiesituation und schlechte Parkplatzbeschaffenheit, die mangelnde Barrierefreiheit, die kargen Sport- und Sanitärbereiche, die kaum ansprechende äußere Optik des Gebäudes und die schlechte Situierung der Gastronomie.

Chancen sah man in der Belebung der Dorfgemeinschaft und der Wirtschaft sowie für die Infrastruktur und den Tourismus. Risiken wurden vor allem in finanzieller Hinsicht befürchtet: hohe Investitionskosten, keine Betreiber, zu hohe jährliche Unterhaltskosten, ein zu hoher Sanierungsbedarf und eventuell keine kostendeckende Nutzung. Auch sah man die Gefahr, dass eine fehlende Akzeptanz bei den Bürgern das Projekt scheitern lassen könnte.

Als Fazit über den Workshop äußerten sich viele Gemeinderäte positiv überrascht über die guten Ergebnisse des gemeinsamen Denkens. Auf den Punkt brachte es Josef Kurz-Hörterer (CSU): »Wieder so ein Schmarrn, habe ich anfangs gedacht, und war dann sehr beeindruckt von dem konstruktiven Meinungsbildungsprozess.«

Zuvor hatte Bürgermeister Entfellner noch einmal den aktuellen Sachstand geschildert. Nach Prüfung der Anlagetechnik und den Möglichkeiten der Sanierung sowie der Verneinung einer Chloridbelastung in den Betonteilen hatte der Gemeinderat »keine Weiterführung des Badebereichs« beschlossen.

Alte Sanitäranlagen und Platzmangel kritisiert

Durchweg positiv hätte der noch vom alten Gemeinderat beauftragte Gutachter Josef Krautloher die Rohbausubstanz beurteilt. Diese sei seiner Meinung nach immer noch in einem guten Zustand und werde mit Sicherheit auch die nächsten Jahrzehnte ihren Zweck erfüllen.

Wichtige Erkenntnisse hätten dann zuletzt die Gespräche mit den aktuellen Nutzern des Gebäudes außerhalb des Badebereichs gebracht. »Prinzipiell sind die Schützen, das Mütterzentrum, die Musikanten, die Gymnastikgruppe, die Saalnutzer und die Gastronomie mit den Räumlichkeiten hoch zufrieden und froh, dass sie vorhanden sind«, fasste der Bürgermeister die Ergebnisse zusammen. Allerdings gebe es auch bauliche und organisatorische Defizite, die vor allem aus veralteten Sanitäranlagen und einem generellen Platzmangel resultieren. Schwierigkeiten könnten sich zudem ergeben aus den zwischenzeitlich verschärften Gesetzesänderungen in puncto Wärmeschutz, Brandschutz und Statik.

Als Nächstes wird das Architekturbüro Intec die baulichen Vorbereitungen und die Ergebnisse des Workshops sowie noch zu erkundende Fördermöglichkeiten zusammenfassen. Danach sollen die Bürger darüber informiert und in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. Bis Weihnachten dürften laut Architekt Entfellner die geplanten Maßnahmen mit Zahlen und Kosten hinterlegt sein. Die Umsetzung sei dann 2015 möglich. bvd