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Familiencafé statt Familien-Sprechstunde

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Teisendorf – Vor fast drei Jahren war in Teisendorf ein Familienbüro eingeführt worden mit offenen Sprechstunden im Rathaus. Sozialpädagogin Katharina Theißig von der Familienförderstelle im Landratsamt Berchtesgadener Land gab nun im Gemeinderat einen Überblick, was sich in dem Projekt von Landkreis und Gemeinde für Familien seither entwickelt hat. Weitergeführt wird das Familiencafé alle zwei Monate im Kolping-Familienhotel. Die Sprechstunden hingegen werden mangels Nachfrage eingestellt.


Ziel war es, eine niederschwellige Anlaufstelle für Familien im Rathaus zu bieten, damit diese nicht ins Landratsamt fahren müssen. Schnelle und unbürokratische Vermittlung von Kinderbetreuung, Hilfsangeboten und weiterführenden Adressen war zum Beispiel ein Aufgabenbereich. Ebenso sollte Beratung bei Erziehungsfragen geleistet und über Angebote wie zum Beispiel Mutter-Kind-Turnen informiert werden.

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Das Angebot fand jeweils am ersten Dienstag im Monat statt. Anfangs saßen Theißig und ihre Kolleginnen vom Landratsamt jeweils von 9 bis 14 Uhr, also fünf Stunden, im Rathaus. Wegen der geringen Nachfrage wurden die Sprechtage vergangenes Jahr auf zwei Stunden verkürzt.

Sehr gut angenommen wird jedoch die im Februar 2015 erstellte Familienmappe mit wichtigen Kontakten für Teisendorfer Familien mit Neugeborenen. Inzwischen werde sie auf andere Landkreisgemeinden angepasst. Bürgermeister Thomas Gasser zeigte sich erfreut, dass die Teisendorfer Mappe im Landkreis als Vorbild dient.

Familiencafé alle zwei Monate erfreut sich großer Beliebtheit

Eine erfreuliche Resonanz hatte Theißig zufolge auch das Familiencafé, das als offener Treff alle zwei Monate im Kolping-Familienhotel stattfindet. Es dient dem gegenseitigem Austauschen und Kennenlernen von anderen Familien. Auch Ansprechpartnerinnen der Familienförderstelle sind beteiligt.

Eine weitere Aufgabe des kommunalen Familienbüros im Landratsamt ist die Vernetzungsarbeit. Um den Bedarf der Familien zu ermitteln, wurden 250 Netzwerkpartner von der Beratungsstelle bis zur Krabbelgruppe gemeindeübergreifend angeschrieben, doch nur 40 Fragebögen kamen zurück.

In einem kurzen Rückblick auf 2015 sagte Theißig, im ganzen Jahr hätten nur vier Personen die offene Sprechstunde besucht; darüber hinaus habe es vereinzelte telefonische Anfragen gegeben. Die Anliegen der vier Besucher kreisten um die Themen Trennung und Scheidung, Fahrdienst für Kindergarten-Kinder, Kinderbetreuung unter vier Jahren und Erziehungsschwierigkeiten mit einem autistischen Kind.

In der anschließenden Diskussion meinte Gasser, die mangelnde Resonanz liege nicht an der fehlenden Werbung. Wenn das Familiencafé mehr Erfolg hat, sei dies ein »praktikabler Weg«. Alois Stadler (CSU) zeigte sich erfreut über die Resonanz auf die Familienmappe. Die Verschiebung von der offenen Sprechstunde zum Familiencafé ist für ihn eine »Weiterentwicklung und kein Rückschritt«.

FWG-Sprecher Peter Schuhbeck meinte, dass das Familienbüro nicht so bekannt war und dass die Bürger sich nicht so viel darunter vorstellen konnten. Das Familiencafé begrüßte er sehr und regte an, dieses näher vorzustellen. »Die offene Sprechstunde hat schon eine Berechtigung«, meinte Georg Quentin (SPD). Sie aufzugeben, sei schade. Er glaube nicht, dass so persönliche Themen wie Scheidungsprobleme in einem Familiencafé Raum haben. Beim VdK seien die Sprechstunden zurückgegangen, als sie in einem Gasthaus angeboten worden seien, und nach der Verlegung ins Rathaus wieder besser angenommen worden. Theißig erklärte dazu, auf Anfrage komme sie auch zu Einzelgesprächen nach Teisendorf.

Ansturm auf Sprechstunde nur nach Hochwasser 2013

Einen monatlichen Turnus für das Familiencafé in Teisendorf regte Anita Niederstraßer (FWG) an. Auf Rückfrage von Drittem Bürgermeister Gernot Daxer (CSU) zur Entwicklung der offenen Sprechstunde seit 2013 sagte Theißig, einen Ansturm habe es nur im Sommer 2013 während des Hochwassers gegeben, als Eltern fragten, wie man helfen könne. Sonst sei sie oft alleine da gesessen. Ähnlich seien die Erfahrungen mit den Familienbüros in Ainring und Freilassing. Grünen-Rätin Elisabeth Aschauer ergänzte, wenn man Problem habe, wolle man dieses schnell besprechen und warte nicht auf den monatlichen Termin.

Heuer soll das Familiencafé im Kolping-Familienhotel in Teisendorf mit verschiedenen Gästen fortgeführt werden – am 18. Februar ab 17 Uhr mit der Arbeitsagentur zum Thema »Durchstarten mit Familie und Beruf«, am 21. April mit dem Kindergarten Schönau zum Thema »Forschen und Entdecken« und am 18. August voraussichtlich mit dem Generationenbund und der Seniorenbeauftragten Sissy Lang. Die Teisendorfer Tagesmütter stellen sich am 23. Juni vor. Das zweijährige Bestehen wird am 20. Oktober gefeiert und eine Gesprächsrunde mit den Jugend- und Familienreferenten ist am 8. Dezember angedacht.

Auf Landkreisebene wird außerdem der Familienwegweiser aktualisiert, ein Kinderfest in Bad Reichenhall angeboten (voraussichtlich am 10. Juli), das Projekt Familienmappe fortgeführt und ein Kinderschutzkonzept erstellt. Außer in Teisendorf sind die für Familien zuständigen Sozialpädagoginnen Katharina Theißig und Petra Braun im Landratsamt telefonisch unter der Nummer 08651/773-481 erreichbar. vm