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Familienalltag während der Pandemie

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Familienalltag während der Pandemie
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Symbolbild / Pixabay

Seit letztem Jahr hat sich das Leben für jeden geändert: Egal ob jung oder alt, alles ist anders. Besuchsverbote in Altenheimen und Krankenhäusern, Kontaktbeschränkungen für alle, Geschäfte und Gastronomen haben geschlossen, der Mund-Nasen-Schutz ist alltäglich geworden. Besonders für Familien ist eine schwere Zeit angebrochen. Eltern wurden zu Lehrern und Kinder sitzen nicht mehr im Klassenzimmer zum Lernen, sondern Zuhause – eine große Herausforderung für Familien. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich umgehört, wie sich der Alltag gestaltet und welche positiven, aber auch negativen Seiten es in dieser Situation gibt.


Sandra und ihre Tochter Emma aus Traunstein berichten: »Es ist mehr Zeit für die Familie, weil alle Zuhause sind. Wir können gemeinsam etwas länger schlafen, da wir uns nicht für die Schule oder Arbeit fertig machen müssen. Das ist unsere neue Kuschelzeit und die genießen wir sehr. Ich finde es als Mutter ehrlich gesagt gerade entspannender. Das Lernen läuft sehr gut bei uns. Ich bin alleinerziehend und habe immer viel gearbeitet, jetzt bekomme ich mehr mit von der Schule und dem Lernstoff. Während Emma lernt, kann ich meinen Haushalt nebenbei in Ruhe machen. Wir kochen mittags zusammen und nachmittags können wir spielen.«

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Jessica aus Traunreut: »Meinen Alltag macht es schöner, dass ich mit meinen beiden Kindern jeden Morgen Frühstücken kann ohne groß Stress zu haben. Es ist nicht so hektisch wie sonst. Wir haben auch mehr Zeit für Gespräche, Spaziergänge und Kuscheln. Mein neuer Job als Lehrerin macht mir und den Kindern Spaß. Ich habe das Gefühl, das auch ich ihnen so etwas beibringen kann.«

Nadine S. aus Tittmoning: »Wir starten natürlich gemütlicher in den Tag. Meistens haben wir keinen Wecker, der morgens klingelt – es sei denn, eine Videokonferenz steht für die Kinder an. Dann werden die Homeschooling-Aufgaben erledigt. Natürlich bleiben der Haushalt und der Einkauf etwas auf der Strecke. Wir haben zwei Hunde, die große Gassirunde fällt unter der Woche weg, weil einfach die Zeit nicht mehr da ist. Die Stimmung ist gereizter als sonst, weil wir alle den ganzen Tag aufeinandersitzen, gerade zwischen den Kindern. Sie wissen zum Teil nichts mehr mit sich anzufangen. Das Positive für uns ist das Ausschlafen und, dass der Stress in der Früh deutlich abgenommen hat. Dass ich jetzt auch noch Lehrerin bin, ist für mich wahnsinnig anstrengend. Ich muss über Stunden zwischen beiden Kindern switchen, mich selbst in Themen einlesen und einarbeiten. Es ist einfach zu viel, neben Haushalt, Arbeiten, Einkaufen und den ganzen anderen Verpflichtungen.«

Stefanie aus Fridolfing hat drei Kinder: »Der ganz normale Wahnsinn, würde ich sagen. Ob es anstrengender geworden ist? Es hält sich in Grenzen. Ich finde eher, dass es für meine Kinder schwieriger geworden ist. Die Struktur der Schule fehlt einfach. Ich bin keine Lehrerin und möchte es auch nicht sein. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich unterstütze die Kinder soweit ich kann, erkläre soweit es mir möglich ist. Es ist stressfreier in der Früh. Die Kinder schlafen eine Stunde länger als sonst, so kann ich diese Zeit für mich mehr genießen. Der Stress zum "Fertig machen" ist weniger, allerdings sind die Nerven aller deutlich dünner. Die Kinder streiten sich mehr als sonst, weil kaum noch Abstand da ist. Der Abend zieht sich extrem bei uns. Vorher wurde mehr darauf geachtet, dass alle pünktlich im Bett sind. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Im Grunde fehlt einfach die Struktur. Da sind wir aber selbst schuld, man lässt sich dazu verleiten, es etwas schleifen zu lassen. Alles hat seine guten und auch schlechten Seiten, würde ich sagen.«

SR

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