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Fall Wurm: Die Sache ist noch nicht vom Tisch

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Bernhard Wurm soll ein Denkmal zerstört haben: seinen Dreiseithof in Bergham bei Tittmoning. Dem Nordtrakt wurde darum der Denkmalstatus aberkannt. (Foto: Schwaiger)

Tittmoning. Bernhard Wurm aus Bergham bei Tittmoning soll ein Denkmal zerstört haben – und darum eine hohe Strafe zahlen (wir berichteten). Obwohl der damalige Landrat Hermann Steinmaßl im Dezember versprochen hatte, sich für den Hofbesitzer einzusetzen und die Sache so schnell wie möglich vom Tisch sein sollte, ist immer noch nicht klar, wie viel der 35-Jährige letztlich zahlen muss. Dadurch gerät auch der Baufortgang ins Stocken.


28 000 Euro sollte er zunächst zahlen

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Anfang November 2013 war Bernhard Wurm der Bußgeldbescheid über 28 000 Euro ins Haus geflattert. Er soll in seinem stattlichen Dreiseithof historische Bausubstanz »unwiederbringlich« zerstört haben – Mauern etwa und den Dachstuhl. In seiner Verzweiflung wandte sich der Denkmalbesitzer nicht nur an den damaligen Landrat, sondern auch an das Traunsteiner Tagblatt. Auf zehn DIN-A 4-Seiten rechtfertigt er sein Handeln, schildert unter anderem auch, wie die Denkmalbehörden in Traunstein und München mit ihm »umgesprungen« seien. Und er stellt auch klar, dass die Mauern aus den sechziger Jahren gewesen seien und der Dachstuhl aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Die Vertreter der Denkmalbehörde hätten beides vorher nicht einmal in Augenschein genommen.

Bei einem klärenden Gespräch im Landratsamt Traunstein – es fand kurz vor Weihnachten statt –, räumten beide Seiten, Bauherr und Behördenvertreter, Fehler ein. Landrat Hermann Steinmaßl versicherte Bernhard Wurm damals: »Bei der Höhe der Strafe wird es bei Weitem nicht bleiben.« Anfang Februar erhielt der Hofbesitzer dann einen Brief vom Landrat. Er fordert Wurm darin auf, sich bei der zuständigen Sachbearbeiterin in seiner Behörde zu entschuldigen; mit ihr hatte der Bauherr wiederholt Probleme. Außerdem stellt Steinmaßl eine Minderung der Strafe auf 12 000 bis 14 000 Euro in Aussicht.

Bernhard Wurm ist das immer noch zu viel. Obwohl er etwa einräumt, nicht genehmigte Fenster eingebaut zu haben – sie hätten die heute übliche Regenschiene nicht haben dürfen –, versteht er nicht, warum er so eine hohe Strafe zahlen muss. Hinzu kommt, dass dem Nordtrakt seines Anwesens der Denkmalstatus aberkannt worden ist und der Bauherr die sogenannten denkmalpflegerischen Mehrkosten von aktuell rund 25 000 Euro selber tragen muss. »Ich bin am Ende meiner finanziellen Möglichkeiten angekommen«, sagt der Familienvater im Gespräch mit unserer Zeitung.

Klarheit, wie es weitergehen wird, bekommt er nicht. Auf seine prompte Antwort auf Steinmaßls Brief, dass er auch gegen eine Strafe von 12 000 bis 14 000 Euro Einspruch einlegen werde, gab es bis heute keine Reaktion. Auch eine Nachfrage unserer Zeitung im Landratsamt Traunstein blieb ohne konkretes Ergebnis – auch mit dem Hinweis darauf, dass es sich um ein privates Verfahren handeln würde. Pressesprecher Roman Schneider antwortet lediglich vage: Der Fall Wurm sei nicht etwa liegen geblieben, sondern man sei gerade dabei, sich noch einmal mit der übergeordneten Behörde, also dem Landesdenkmalamt in München, abzustimmen.

Darüber hinaus betont der Pressesprecher, dass sich Steinmaßl in seinen letzten Tagen im Amt noch einmal für Bernhard Wurm eingesetzt habe. Er habe einen Brief an den Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, geschrieben und sich dafür starkgemacht, den Nordtrakt von Bernhard Wurms Dreiseithof wieder in die Denkmalliste aufzunehmen. Allerdings hatte Steinmaßl schon bei dem Treffen im Dezember angekündigt, ein solches Schreiben zeitnah aufzusetzen.

»Es wird über einen, statt mit einem gesprochen«

Bernhard Wurm ärgert vor allem, dass ihm in den Ämtern niemand wirklich zuhört: »Es wird über einen, statt mit einem gesprochen.« Noch nie habe sich jemand aus den Behörden die Mühe gemacht, seinen Hof genau anzuschauen. »Das wird alles am Schreibtisch entschieden.« Inzwischen spielt der Industriemechaniker mit dem Gedanken, eine Petition im Landtag einzureichen.

Darüber hinaus kämpft er nicht nur für sich, sondern auch für die Sache. Via Zeitungsannonce bekam er Kontakt mit anderen Denkmalbesitzern; viele von ihnen haben ebenfalls Probleme mit der Denkmalbehörde. Nach zwei Treffen mit jeweils gut 50 Teilnehmern ist nun eine Vereinsgründung geplant. Ziel ist es unter anderem, für mehr Transparenz in den Denkmalbestimmungen einzutreten. »Wie der Denkmalschutz jetzt umgesetzt wird, da machen wir unsere Denkmäler eher kaputt, als dass wir sie erhalten«, so der 35-Jährige. san