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Fachkräftemangel: Ministerin Schreyer in Traunstein: An besserer Bezahlung führt kein Weg vorbei

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Traunstein: Schreyer zum Fachkräftemangel: An besserer Bezahlung führt kein Weg vorbei
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Das neue Wohnheim der Lebenshilfe in Traunstein besuchte Sozialministerin Kerstin Schreyer. In Begleitung auch von Landtagsabgeordnetem Klaus Steiner (rechts) und von Wolfgang Maier, dem Vorsitzenden des Vereins Lebenshilfe Traunstein, unternahm sie einen Rundgang. (Foto: Pültz)

Traunstein – Eine bessere Bezahlung ist nach Ansicht von Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer unumgänglich, um den anhaltenden Fachkräftemangel in den Einrichtungen zu beheben. Anlässlich eines Besuchs im neuen Wohnheim der Lebenshilfe in Traunstein hat sie an die Tarifparteien einen eindringlichen Appell gerichtet, die Gehälter zu erhöhen.

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In der Diskussion über die Gewinnung weiterer Fachkräfte sei die Bezahlung die »entscheidende Frage«. Zu beantworten sei, »was uns die Arbeit an den Menschen wert ist«. Die Lebenshilfe hat das Wohnheim am Bahnweg vor rund einem Jahr eröffnet. Menschen mit Behinderung finden seitdem in den Wohnungen ein Zuhause. Sozialministerin Schreyer hatte ursprünglich geplant, schon zur Neueröffnung zu kommen. Der Besuch kam dann jedoch nicht zustande – jetzt holte sie ihn nach.

Mit Musik empfingen die Bewohner die Ministerin. Ein großer Teil des Chors Insieme, der aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht, hieß Schreyer mit mehreren Liedern im Wohnheim willkommen. Die Führungsmannschaft freute sich über die Besucherin und erinnerte an den Bau des Wohnheims. Wolfgang Maier, der Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe Traunstein, sprach von einem »tollen Gebäude«. Und Annemarie Funke, die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH), die die Einrichtung betreibt, erinnerte daran, dass der Freistaat Bayern den Bau der Einrichtung mit drei Millionen Euro unterstützt habe.

Schreyer machte in ihren einführenden Worten kein Hehl daraus, dass vor allem auch Geld nötig sei, um die Herausforderungen im sozialen Bereich bewältigen zu können. Der Freistaat greife immer tiefer in die Tasche. »Mein Haushalt ist um 20 Prozent angewachsen«, sagte Schreyer, die seit März 2018 Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales ist. »Bei Familie und Soziales schauen wir sehr vernünftig aus.«

Eine Lanze brach sie für das zur Beratung anstehende Bundesteilhabegesetz (BTHG). Das vom Bund unter Mitwirkung der Länder geplante Gesetzespaket beinhaltet viele Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen. »Ich brenne für das Bundesteilhabegesetz«, betonte die Ministerin. Denn das BTHG werde dazu führen, dass die Bittsteller – die Menschen mit Handicap – zu Auftraggebern werden.

Den Ausführungen der Ministerin folgte eine Diskussion. Im Fokus des Meinungsaustausches stand nicht nur, aber vor allem ein Thema: der Fachkräftemangel im sozialen Bereich. Funke sprach von einem »ganz großen Problem«. Und weiter: »Wir müssen alles tun, um Fachkräfte zu bekommen« – trotzdem blieben am Ende Stellen frei.

Unter anderem regte die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Traunstein gGmbH an, ein »verpflichtendes, soziales Jahr« einzuführen – um am Ende solche Helfer zu erhalten, wie sie die Zivildienstleistenden seinerzeit darstellten. Außerdem warb Funke um Unterstützung für eine weitere Idee: für die Schaffung einer Schule für Heilerziehungspflege in Traunstein – und zwar auf dem Campus berufliche Bildung, den der Landkreis am Bahnhof errichten will.

Verdopplung steht gegen Vervielfachung

Sozialministerin Schreyer betonte, dass sich die Zahl der Fachkräfte im Freistaat in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt habe. Gleichzeitig habe sich jedoch der Bedarf vervielfacht. Der Freistaat versuche auf vielen Wegen, dazu beizutragen, dass noch mehr Bürger einen sozialen Beruf ergreifen. So ebne er etwa auch Quereinsteigern beziehungsweise Quereinsteigerinnen – vor allem auch Müttern, die nach einer Kinderauszeit wieder arbeiten wollen – den Weg.

»Ich bin gegen die Verpflichtung eines freiwilligen Jahres«, sagte die Sozialministerin weiter. Als sie im Altenheim gearbeitet habe, so Schreyer, habe sie feststellen müssen, dass die Zivildienstleistenden die Fachkräfte damals nicht ergänzt, sondern ersetzt hätten. »Ich werde nicht dazu beitragen, dass soziale Berufe eine Entwertung erfahren.« Und zur Errichtung einer Schule für Heilerziehungspflege sagte Kerstin Schreyer: Der Antrag müsse nicht im Sozial-, sondern im Kultusministerium eingereicht werden.

Die »entscheidende Frage« sei die der Bezahlung, betonte die Sozialministerin. Der Staat habe keinen Einfluss, die Gehälter auszuhandeln liege vielmehr in der Verantwortung der Tarifparteien.

In der Diskussion kamen auch die steigenden Ansprüche zur Sprache, die die Bürger vor allem auch gegenüber dem Staat äußern – Ansprüche, die nicht von ungefähr kommen. Landtagsabgeordneter Klaus Steiner sagte, »wir haben den Fehler gemacht, dass wir alles an uns ziehen«. Die Ansprüche der Gesellschaft werden laut dem Landtagsabgeordneten »immer größer« – Ansprüche, »die der Staat nicht mehr erfüllen kann«.