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Ex-Rechtsanwalt lebte auf großem Fuß

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Traunstein – Wegen elffacher Untreue und 29-fachen Betrugs an Kunden, Firmen, Freunden und dem eigenen Schwiegervater schickte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gestern einen 42-jährigen Ex-Rechtsanwalt aus Bad Reichenhall für sechs Jahre hinter Gitter.


Der weitgehend geständige Angeklagte hatte die fremden Gelder nicht zinsträchtig angelegt, sondern sie für seine Firmen und private Zwecke verbraucht. Wurden Opfer misstrauisch, erhielten sie getürkte Mails über »Guthaben« auf ihren Konten. Ein Ehepaar hatte laut »Vermögensübersicht« über 1,2 Millionen Euro auf einem österreichischen Konto. Tatsächlich waren im Depot nur rund 20 000 Euro.

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Der frühere Rechtsanwalt, der im Juni 2014 seine Zulassung zurückgab, pflegte einen luxuriösen Lebensstil. Er leistet sich vier teure Leasingwagen gleichzeitig, charterte Privatjets samt von ihm angestellten Piloten und verbrachte Urlaube für 12 000 Euro auf den Malediven. Und da war er eigentlich schon finanziell am Ende.

Ein Beamter der Kripo Traunstein schilderte die Aktivitäten des Angeklagten »über drei Länder hinweg« – Deutschland, Österreich und Schweiz. Ausgelöst worden seien die Ermittlungen 2012 durch ein Ersuchen der Staatsanwaltschaft Salzburg an die Kollegen in Traunstein. Einer der Gründe: Anzeigeerstatter aus Salzburg fühlten sich von dem 42-Jährigen betrogen. Diesen Teil der Anklage und weitere kleinere Fälle stellte das Gericht mit Blick auf das Gewicht der übrigen Taten ein.

Dem Schwiegervater 100 000 Euro abgeknöpft

Der gebürtige Ravensburger hatte in den letzten Jahren mehrere Firmen gegründet, unter anderem eine Kosmetik- und eine Bauträgerfirma, die alle »aus dem Ruder liefen«. Alle Firmen sind inzwischen insolvent. Der geständige 42-Jährige berichtete gestern vor Gericht, dass er 2012 den Überblick über seine Firmen verlor und in Panik geriet. Den Vorwurf, seine Stellung als Rechtsanwalt und das Vertrauen der Geschädigten ausgenutzt zu haben, räumte der 42-Jährige unumwunden ein.

Unter den Opfern war auch sein Schwiegervater, dem er 100 000 Euro abknöpfte. Ein Ehepaar schädigte der Finanzberater unter Vorspiegelung einer guten Rendite um insgesamt 2,18 Millionen Euro. Ein anderes Paar verlor durch seine »Geldanlagen« 244 000 Euro. Als 2013 das Haus dieser Geschädigten abbrannte, bot der Angeklagte an, sich um die Regulierung durch die Versicherung zu kümmern. Die Versicherungsleistungen in Höhe von 450 000 Euro landeten allerdings nicht bei den Versicherungsnehmern, sondern auf Konten des Reichenhallers.

Für ein drittes Paar sollte der 42-Jährige »Kapitalüberschüsse« in Höhe von 222 000 Euro zu attraktiven Bedingungen angelegen. Sie dienten stattdessen dem aufwändigen Leben des Angeklagten. Zumeist handelte es sich bei den Geprellten um Akademiker. Unter ihnen waren ein 86-Jähriger mit Doktortitel, der knapp 237 000 Euro einbüßte, und eine Rechtsanwältin aus dem Berchtesgadener Land, die auf einem Schaden von 50 000 Euro sitzenblieb.

»Es bleibt mir nur, mich zu entschuldigen und irgendwann alles wieder gutzumachen«, beteuerte der 42-Jährige im »letzten Wort«. Zwei Finanzamtsmitarbeiter verfolgten die Verhandlung gestern aufmerksam. Dem 42-Jährigen steht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung bevor, nachdem er die veruntreuten Gelder nicht versteuert hat. kd

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