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»Explosive Stimmung« in Putzham

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Ein Streitpunkt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Petting war die Straße durch Putzham. Unter anderem wurde kritisiert, dass an der abgebildeten Stelle die Straße zu nah ans Gebäude gebaut wurde. (Foto: Höfer)

Petting – Man streite hier seit Jahren rum, hatte Bürgermeister Karl Lanzinger in der letzten Bürgerversammlung zur Lage in Putzham gesagt. Die Straße dort war vor etwa 40 Jahren asphaltiert worden, jedoch nicht eindeutig gewidmet. Inzwischen hat die Gemeinde gut 100 000 Euro in einen Straßenneubau investiert, und doch sind nicht alle zufrieden. Ausführlich berichtete der Rathauschef dem Gemeinderat über Gespräche dazu. Bei der Sanierung etwaiger »Kernwege« will die Gemeinde auf mögliche Zuschüsse warten.


»Wie immer ist auch diesmal die Stimmung explosiv«, lautet der erste Satz in der Niederschrift einer Bauausschusssitzung an Ort und Stelle in Putzham. Außer den beiden Bürgermeistern waren drei Gemeinderäte, Geschäftsleiter Reinhard Melz und Ingenieur Werner Höllige dabei. »Es sind alle Putzhamer erschienen«, heißt es weiter. Und die hatten Klagen vorzubringen.

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Kritik an Verschwenkung geäußert

So liegt ein etwa 30 Zentimeter breiter Asphaltstreifen der alten Straße auf Privatgrund und soll entfernt werden. Eine »kleine Verschwenkung« habe zu Kritik geführt, so Lanzinger, und die Straße sei an einer Stelle zu hoch. Eben weil sie bewusst geneigt gebaut worden war, sei sie auf einer Seite höher, erklärte er, für das Abwasser habe man einen Gully gesetzt. An ein Anwesen war man etwas zu nahe herangerückt. Ein Landwirt möchte, dass eine Fläche von der Straße hin zu seinem Gebäude aufgefüllt werde, verlangt aber gleichzeitig von der Gemeinde eine Bürgschaft für eventuelle Folgeschäden durch Feuchtigkeit.

Franz-Martin Abfalter zeigte gewisses Verständnis für Unmut und ein Gefühl von Ohnmacht bei den Anwohnern. »Da kommt Unfrieden rein.« Abfalter bat, es zukünftig anders anzugehen. Lanzinger verwies noch einmal auf die schwierige Situation in dem Weiler mit Gefälle hier und Gefälle dort.

»Machen wir das Beste draus«, empfahl zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl. Eine Gewährleistung der Gemeinde komme für ihn jedenfalls nicht infrage. Er äußerte Mitgefühl für die Bauarbeiter: »Die hatten bestimmt kein leichtes Leben.« Insgesamt solle man froh sein, eine so »brutal schöne Straße« zu haben.

»Die Gemeinde hat viel Geld ausgegeben«, stimmte ihm Martin Häusl zu, die Bürger sollten das angesichts der komplizierten Situation honorieren: »Irgendwo hört's auf.« Dort sei immer ein »See« gewesen, erinnerte Elvira Kraller, denn das Wasser komme aus der Wiese. »Es ist auf jeden Fall jetzt besser«, ist Lanzinger überzeugt.

An einer Stelle »ein bissl zu nahe ans Haus gerutscht«

Bloß an einer Stelle sei man »ein bissl zu nahe ans Haus gerutscht.« Hier werde man die Außenseite pflastern, damit auch große Fahrzeuge Platz haben. »So weit, so gut«, schloss der Rathauschef, und die Gemeinderäte stimmten den drei vorgeschlagenen Maßnahmen zu.

Diskussionen gibt es ebenfalls schon länger über die Straße von Teichting nach Putzham, denn bei Ausweichmanövern auf der schmalen Straße laufe man Gefahr, mit der Bodenplatte des Autos aufzuschrammen. Obwohl Lanzinger dem widersprach, berichtete Häusl aus eigenem Erleben: »Ich habe schon gesehen, wie die Funken flogen.« Andreas Götzinger bestätigte, dass die Gefahr durchaus bestehe, meinte jedoch: »Es ist halt so an dieser Stelle.« Für Prechtl wäre ein Auffüllen des Straßenumfelds dort »Wahnsinn«. Im Übrigen sei die Strecke übersichtlich. »Wir können nicht immer mehr Schilder aufstellen«, warnte Häusl, das verwirre die Leute zusehends.

Philipp Strohmeyer dagegen plädierte für ein Warnschild, da mit höherem Gras der Höhenunterschied am Straßenrand nicht mehr zu erkennen sei. »Gut: Ein Schild und sonst nichts«, fasste Lanzinger zusammen. Dem Vorschlag folgten bis auf Martin Häusl und Klaus Haunerdinger alle.

Eine Ortsbesichtigung hatte es auch an der Salzburger Straße gegeben. »Dort ist noch nie richtig ausgebaut und erschlossen worden«, erläuterte Lanzinger. Das werde auch nicht erwartet, lediglich das Regenwasser solle »weggebracht« werden. Für eine kleine Maßnahme mit Pflasterkante würde die Gemeinde Material und Baggerstunden übernehmen.

Weil in der Gemeinde praktisch alle zu sanierenden Straßen gute Aussichten haben, zu sogenannten Kernwegen deklariert und somit bezuschusst zu werden, empfahl der Bürgermeister, diese Maßnahmen zurückzustellen. Hierfür soll eine kleine Arbeitsgruppe, bestehend aus den drei Bürgermeistern, dem Geschäftsleiter und dem Bauernobmann, Vorschläge erarbeiten. Ein erster Termin steht bereits fest.

Kabelbau der Bayernwerke abwarten

Für Zufahrten in Teichting und Aich, für eine Feinschicht am Mühlenwiesenweg, in Schönram-Nordost und auf der Bürgermeister-Johann-Mayer-Straße wird die Gemeinde 61 250 Euro ausgeben. Der öffentliche Feldweg von den Tennisplätzen nach Lehen sollte nach dem Wasserleitungsbau im vergangenen Jahr heuer neu hergerichtet werden. Nun aber wollen die Bayernwerke hier Erdkabel verlegen. »Deshalb hat das jetzt keinen Sinn«, folgerte Lanzinger und empfahl: »Warten wir das ab und legen erst dann los.« – »Vielleicht machen die das dort so schön, dass wir gar nichts mehr tun brauchen«, spekulierte Theo Pastötter augenzwinkernd. höf