»Experten sollen Wald betreuen«

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Dem Landkreis Traunstein gehören 224 Hektar Kommunalwald. Um diesen wird sich bis 2031 das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein kümmern.

Traunstein – An das bayerische Waldgesetz muss sich jeder Waldbesitzer halten – auch der Landkreis Traunstein, dem quer durch sein Kreisgebiet rund 224 Hektar Kommunalwald gehören, verteilt auf 125 Grundstücke und 17 Forstdistrikte. Der Kreisumweltausschuss unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch legte die Verantwortung für die fachlich richtige Bewirtschaftung ab Juli 2016 für die Zeit bis Ende 2031 einstimmig in die Hände des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. Über den Zustand des kreiseigenen Waldbestands informierte Wolfgang Madl, Abteilungsleiter beim Forstamt.


Laut Gutachten, 2011 erstellt für den Zeitraum 2012 bis 2031, setzen sich die 224 Hektar Wald zusammen aus einer Forstbetriebsfläche von knapp 67 Hektar, wiederum unterteilt in fast zehn Hektar »Landwald«, der wirklich bewirtschaftet werden kann, und in knapp 57 Hektar »Moorwald«, auf dem kaum kommerzielle Forstwirtschaft möglich ist. Hinzu kommen nach Worten des Landrats gut 157 Hektar »sonstige Flächen«, also Moorflächen mit vereinzeltem bis zahlreichem Baumbewuchs.

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Viele Moorgebiete in den beiden Landkreisen

Wolfgang Madl berichtete, das Forstamt Traunstein sei zuständig für das Gebiet der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land mit fast 3000 Hektar Wald im Eigentum von Gemeinden, Städten und Landkreisen. Die vielen Moorgebiete im Kreis Traunstein bedeuteten eine größere Herausforderung als in anderen bayerischen Landkreisen. Für Kommunalwald sei ab zehn Hektar Fläche gemäß Waldgesetz ein Forstbetriebsgutachten anzufertigen. Dabei müssten drei Punkte unter einen Hut gebracht werden: »Wald hat dem Gemeinwohl zu dienen. Die Bewirtschaftung muss nachhaltig sein. Außerdem ist Wirtschaftlichkeit gefordert. Das Gutachten soll sicherstellen, dass der Landkreis sinnvoll mit seinem Wald umgeht und fachlich alles in Ordnung ist.«

Der »Hiebsatz« schreibe vor, wieviel Holz im Jahr entnommen werden dürfe. Das Forstamt biete dem Landkreis Traunstein an, die Verantwortung für das Umsetzen des Betriebsgutachtens einschließlich Verkehrssicherungspflicht für Wanderwege und an Bebauung grenzende Straßen zu übernehmen.

Um Missverständnissen vorzubeugen, konkretisierte Madl, tatsächlich erforderliche Maßnahmen müssten natürlich vom Waldbesitzer bezahlt werden: »Der Forst hat nur noch Köpfe, keine Arme.« Übersetzt bedeutet das: Das Forstamt verwaltet den Wald, führt Besichtigungen durch, begleitet den Landkreis in fachlicher Sicht und schlägt konkrete Maßnahmen vor. Auftragsvergaben sind Sache des Landkreises - in dessen Kasse auch die Erlöse aus Holzverkäufen fließen.

Claus Pichler (SPD) sprach allen Ausschusskollegen aus der Seele. »Die Experten sollen unseren Wald betreuen.« Er regte eine »Flurbereinigung« an, um nicht »so einen großen Fleckerlteppich« zu haben.

Richard Mayer vom Sachgebiet Liegenschaften im Landratsamt meinte dazu, eine Bereinigung sei durchaus möglich. Andererseits benötige der Landkreis oftmals Tauschflächen, etwa für Kreisstraßen. Da sei es gut, auch kleine Areale zu haben.

Irmingard Siglreithmayer (CSU) verwies auf die Probleme einer Bereinigung, vor allem bei der Wertermittlung von Wald. Dazu seien Gutachten erforderlich. Interessant fand Dr. Ute Künkele (ÖDP) den hohen Anteil an Moorwald und fragte nach eventuellen Erschließungswegen. Wolfgang Madl stellte klar: »In den nächsten 20 Jahren ist kein Neubau von Wegen geplant.« Zum Thema »Borkenkäfer«, angeschnitten unter anderem von Franz Helmberger (CSU), gab Hans-Peter Heinisch Auskunft. »Man muss nicht jeden Baum aus einem Moor herausholen. Es reicht, einen befallenen Baum zu entrinden. Dann kann er liegen bleiben.«

20 Honige im Freistaat werden geprüft

»Das Jahr der Biene« schnitt Dr. Ute Künkele im Umweltausschuss an und bezog sich auf einen TV-Beitrag über Glyphosat in Honig. Die Kreisrätin wollte wissen, ob schon mal Honig und andere Lebensmittel aus dem Landkreis daraufhin getestet worden seien.

Derzeit lasse das Bayerische Umweltministerium 20 Honige im Freistaat prüfen, entgegnete Landrat Siegfried Walch. Derzeit gingen Fachleute von keinem erhöhten Risiko aus. »Es geht um das Vertrauen in regionale Produkte.« Ob unter den Honigen auch welche aus der Region sind, dazu sagte der Landkreischef nichts.

Auf weitere Redebeiträge, beispielsweise zu bei Starkregen abgetragenem Humus auf landwirtschaftlichen Flächen, ging Walch nicht ein. Er lasse nur Themen aus dem Wirkungsbereich des Landkreises zu. Grünen-Kreisrat Alexander Reinmiedl erkundigte sich nach der Biotonne. Der Landrat erinnerte an den gültigen Kreistagsbeschluss. Noch immer aber gebe es keinen Standort für eine entsprechende Verwertungsanlage. kd

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