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Existenzsorgen nach Juni-Hochwasser

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Landwirt Johann Strobl (Mitte) nahm die Spende aus den Händen von Roland Netzer und Ulrich von Ribaupierre vom Lions-Club Marquartstein-Achental entgegen. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Das große Juni-Hochwasser im vergangenen Jahr hat den Einödhof von Johann Strobl am westlichen Ufer der Tiroler Achen besonders hart getroffen. Weil der landwirtschaftliche Betrieb trotz staatlicher Hilfen nach wie vor in seiner Existenz bedroht ist, spendete der Lions-Club Marquartstein-Achental jetzt 5000 Euro.


Der Fluss umfließt den Hof in Geisenhausen in einer weiten Kurve von etwa 90 Grad. Das Gebiet, wo das Anwesen steht, ist der einzige wesentliche Überflutungsraum oberhalb von Marquartstein im Achental. Bereits die Großeltern von Johann Strobl hatten darum in mühsamer Handarbeit einen Schutzdamm auf dem eigenen Grund errichtet. Das Staatliche Flussbauamt hatte es abgelehnt, dort einen Schutzdamm zu errichten, weil das gesamte Gebiet bei jedem Hochwasser überflutet wird.

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Bei allen Hochwassern des vergangenen Jahrhunderts hielt jedoch der alte, selbst errichtete Damm und konnte das Schlimmste abwenden. Am 2. Juni 2013 aber brach der Damm. Das Wasser reichte beim ohnehin bewusst höher gebauten Haus bis knapp unter die Türschwelle. Strobl, der den Hof allein bewirtschaftet, sollte evakuiert werden. Er verließ aber sein Haus nicht, um sich um das Vieh zu kümmern, das er auf die angrenzenden Hügel getrieben hatte. Der Flurschaden trat sofort nach dem Dammdurchbruch auf den abwärts gelegenen Flächen ein. Eine Rinne, etwa 20 Meter breit, 80 Meter lang und drei Meter tief, wurde aus dem Untergrund gerissen. Das ausgeschwemmte Erdreich verteilte sich mit dem Schwemmsand über die gesamte Feldflur von mehr als 20 Hektar. Im Auenwald wurden neu angepflanzte Triebe von über einem Tagwerk vernichtet. Nahezu alle Weidezäune wurden zerstört.

Als Sofortmaßnahme mussten rund 4800 Kubikmeter Sand und Schwemmgut abtransportiert werden. Neben Strobls eigenem Arbeitseinsatz war eine Erdbaufirma sechs Wochen lang im Einsatz. Für den Winter musste der Landwirt das gesamte Futter für seine Tiere zukaufen, da die eigenen Flächen keinen Ertrag gebracht hatten.

Der Hof stand daher trotz Soforthilfen aus dem Bayernprogramm, aus dem Hilfsfonds der Gemeinde Marquartstein und 30 000 Euro für Ernteausfall vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein in Gefahr, nicht weiter existieren zu können. »Angesichts vorsichtig geschätzter, aber befürchteter Werte von 100 000 bis 150 000 Euro überschreitet der Anteil des nicht geförderten Schadens die Lebensfähigkeit des Betriebes über alle denkbaren Größen«, resümierte Ulrich von Ribaupierre den Schadensfall in seinem Antrag auf Unterstützung beim Lions-Hilfsfonds. Der jetzt überreichte Spendenscheck ist für den Bauern, der seinen Hof noch in der alten Tradition bewirtschaftet, eine große Erleichterung. gi