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Ewig irrender Flüchtling

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Die Hofdamen am Hof der Phäaken bezirzen den gestrandeten Fremden namens Odysseus (Kilian Lösebrink). (Foto: Benekam)

Chieming – Einmal im Jahr wird es im Landschulheim Schloss Ising so richtig spannend. Neben dem für die Schüler eher lästigen »Theater« des Schulalltags geht es um das echte Theater der Schulspielgruppe.


Herausgekommen ist auch dieses Jahr wieder eine überaus bunte, fantasievolle, abwechslungsreiche und auf allen Ebenen vielschichtige Co-Produktion der Theatergruppe und der Bigband.

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Dieses Jahr hat sich das Isinger Schultheater Großes vorgenommen: Homers Epos »Die Odyssee«. 71 Schüler waren an diesem Großprojekt beteiligt und lieferten eine tolle Leistung ab. Regie führte – mit tatkräftiger Unterstützung von Ute Läufer (Organisationsleitung, Maske und Kostüme), Kunstlehrer Johannes Kneisel (Technik und Bühnenbild), sowie den Profischauspielern Thomas Pfertner und Felicitas Biller (Regieassistenz, Sprachgestaltung und Körperarbeit) – Dr. Karin Biller.

Keine Odyssee sondern eine für das Publikum klar umrissene, gut nachvollziehbare Geschichte um einen der Helden der griechischen Mythologie: Odysseus – eine darstellerische Glanzleistung von Kilian Lösebrink. Billers Fassung beginnt nicht, wie viele Theaterbearbeitungen, mit Odysseus' Irrfahrten, sondern zeigt in den ersten Szenen die Not seines Sohnes Telemachos, sehr überzeugend und einfühlsam dargestellt von Luca Korger, und Odysseus' Frau Penelope, die zwischen sehnsuchtsvoller Trauer und kämpferischer Zuversicht pendelt.

Ganze zehn Jahre weilt man schon im Ungewissen und hofft auf Odysseus' Rückkehr. Ob der geliebte Vater und Gatte den Kampf um Troja wohl überlebt hat? Das wissen nur die Götter. Und die mischen sich da gewaltig ein. Göttervater Zeus lässt sich schließlich von Tochter Athene – sehr überzeugend und wandlungsfähig von Sophie Schindler gespielt –, die darum bittet Odysseus endlich heimkehren zu lassen, erweichen. Athene nimmt die Sache in die Hand und arbeitet einen Plan zur erfolgreichen Heimführung Odysseus aus. Als alter Mann verkleidet, klärt sie Telemachos auf: Der Vater lebt.

Es sei an ihm, Telemachos, die Mutter von den lästigen Freiern am Hofe zu befreien, die ihm nicht nur nach dem Erbe, sondern auch nach dem Leben trachten. So macht er sich nach einem Mut machenden Gesang von Phemia (Nina Benekam) auf den Weg, genau, wie der von Athene ausgesandte Götterbote Hermes (Naomi Sailler). Dieser soll der Nymphe Kalypso – verführerisch schön gespielt von Diellza Kelmendi – befehlen, Odysseus nach acht Jahren »Gefangenschaft« auf der Insel Ogygia, ziehen zu lassen. Nur ungern beugt sie sich Zeus' Willen.

Auch Poseidon (Florian Glaser) tobt und schickt Stürme, will verhindern, dass Odysseus heimkehrt. Trotzdem gelingt dem Helden die Flucht aus den Fluten: Er landet nackt, aber unbeschadet am Strand von Scheria und hat abermals Glück: Die freundliche Nausikaa (Anna Liebelt) findet ihn, kleidet ihn ein und bringt ihn an den Hof des märchenhaften Volkes der Phäaken. Hier richtet man sogar ein Begrüßungsfest mit Tanz für den Fremden aus.

Auf die Bitte der Königin Arete (Anna-Maria Kraftzick) erzählt Odysseus hier dem Königspaar und den aufmerksam lauschenden und Anteil nehmenden Hofdamen (Leonie Pudelko, Sarah Hunglinger, Selma Richter, Chiara Indlekofer, Nelly Urban, Meret Bühler, Sarah Benekam, Jana Kirschner, Natalia Nachinkina und Erika Gleizer) die Geschichte seiner Odyssee seit der Abfahrt von Ogygia.

Die spannenden Irrfahrt-Abenteuer setzte das Isinger Schultheater in großartigem Schattenspiel in Szene. Dabei beherrschten die Schüler alle Mittel dieser Kunst, die den Zuschauer in die gewünschte Illusion schickt. Die Inszenierung ist eine etwas andere Familienzusammenführung, die die Zuschauer an das aktuelle Weltgeschehen denken lässt: »Ein uralter Epos mit zum Teil erschreckend aktuellem Bezug«, wie Schulleiter Wolfgang Brand in einer kurzen Dankesrede sehr treffend ausdrückte.

Epos nochmals heute und am Samstag zu sehen

Das Premierenpublikum zeigte sich von der entstaubten Bearbeitung des antiken Epos begeistert und spendete dementsprechend jubelnden Applaus für die rundherum gelungene Vorstellung mit der grandiosen musikalischen Umrahmung der Schul-Bigband unter der Leitung von Frank Schöftenhuber. Weitere Aufführungen kann man sich am heutigen Donnerstag und am Samstag, jeweils um 19 Uhr, ansehen. Voranmeldung ist unter Telefon 0171/7434433 möglich. bene