weather-image
23°

EU will Homöopathie für Tiere ausbremsen

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Birgit Gnadl aus Übersee ist Expertin für ganzheitliche Rindergesundheit. Sie ruft dazu auf, die Petition gegen die neue EU-Verordnung zu unterschreiben.

Die EU-Verordnung über Tierarzneimittel sorgt auch bei uns in der Region für Unruhe. Eine, die gegen diese Verordnung kämpft, ist Birgit Gnadl aus Übersee. Sie unterrichtet zusammen mit ihrer Kollegin Angela Lamminger-Reith seit über 20 Jahren Landwirte, Studenten, Tierärzte und Schüler an Landwirtschaftsschulen, aber auch Molkereien mit Schwerpunkt ganzheitliche Rindergesundheit.


Das Aus für homöopathische Tierheilmittel?

Anzeige

Allein im Chiemgau sind es ihren Angaben zufolge etwa 3000 landwirtschaftliche Betriebe, die regelmäßig homöopathische Präparate bei ihren Nutztieren einsetzen. Sie appelliert deshalb an alle, die Petition zu unterzeichnen. Nur so gebe es eine Chance, gegen die Verordnung anzukämpfen.

Zum Hintergrund: Die EU-Kommission hat im September 2014 einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments über Tierarzneimittel eingereicht, derzeit wird darüber im dafür zuständigen Umweltausschuss beraten: die sogenannte »Verordnung über Tierarzneimittel COM(2014) 558«. Nach der neuen Verordnung sollen künftig Tiere nur noch solche Arzneimittel erhalten dürfen, die ausdrücklich als Tierarzneimittel zugelassen sind.

Dagegen regt sich inzwischen aber kräftiger Widerstand zahlreicher Organisationen, die befürchten, dass die neue Verordnung praktisch das Aus für homöopathische Tierheilmittel bedeuten würde. Es läuft eine Petition, die man noch bis zum 24. Februar unterzeichnen kann. 50 000 Unterschriften werden benötigt. Zu finden ist die »Petition 61871« im Internet auf der Seite des Deutschen Bundestags.

Zurzeit dürfen in Deutschland pflanzliche und homöopathische Arzneimittel, die für den Menschen zugelassen sind, unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Tieren angewendet werden. Die Verordnung verlangt nun für alle Tiere eine gesonderte Zulassung – beziehungsweise im Falle der Homöopathika eine gesonderte Registrierung.

Mit Hilfe einer Petition beim Deutschen Bundestag wollen die Initiatoren auf die Folgen dieser Verordnung aufmerksam machen. Im Petitionstext heißt es: »Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Vertreter Deutschlands in der EU der EU-Verordnung für Tierarzneimittel KOM 558 in der vorliegenden Form nicht zustimmen. Homöopathische und naturheilkundliche Arzneimittel müssen auch mit der neuen EU-Verordnung für Tiere erhalten bleiben.«

32 000 Menschen haben diese Petition bis jetzt unterzeichnet, letzter Zeichnungstag ist der 24. Februar. Mit der Petition soll verhindert werden, dass Arzneimittel, aber auch Pflegeprodukte für Tiere, die zurzeit noch frei erhältlich sind, in Zukunft verschreibungspflichtig oder gar nicht mehr erhältlich sein sollen.

»Haben sich in der Praxis bewährt«

»Homöopathische und naturheilkundliche Arzneimittel, die sich seit Jahren in der Praxis bewährt haben, müssen wie bisher zur Behandlung von Tieren genutzt werden können«, betont die Landtagsabgeordnete und Biobäuerin Gisela Sengl von den Grünen.

Der EU-Abgeordnete Martin Häusling ist der Meinung, dass der Schwerpunkt der Verordnung zu sehr auf den Verkaufsinteressen der Pharmaindustrie liege und nicht darauf, die Verabreichung von Arzneimitteln möglichst einzudämmen.

Birgit Gnadl betont, dass naturheilkundliche Arznei- und Heilmittel kaum unerwünschte Nebenwirkungen hätten und es in der Regel weder Rückstände in Milch, Eiern und Fleisch gebe. Deshalb sei es wichtig, die Petition zu unterschreiben, betont die Überseerin. he