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»Es zehrt ganz schön an den Nerven« – Familien kommen an ihre Grenzen

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Traunstein: Arbeiten, Kinderbetreuen und Unterrichten zuhause sind Riesenherausforderung
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Der Unterricht zuhause bringt viele Eltern – und auch Schüler – an ihre Grenzen. (Foto: Stefan Puchner/dpa)

Landkreis – Die Nerven vieler Eltern liegen blank. Seit Wochen müssen sie ihre Arbeit, das Unterrichten der Kinder zuhause und die Betreuung des Nachwuchses unter einen Hut bekommen. Das Traunsteiner Tagblatt hat mit verschiedenen Familien gesprochen.


»Für uns Eltern wird es langsam ganz schön viel«, sagt Walter Hohler. Er ist Papa der neunjährigen Bianca, die erst nach den Pfingstferien wieder in die Schule darf. Die Eltern von Laura schaffen es nur durch flexible Arbeitgeber und wenig Schlaf, das Ganze irgendwie zu stemmen.

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»Das Unterrichten zuhause ist anstrengend, auch wenn es im Großen und Ganzen recht gut klappt«, sagt Thomas Niedermaier, der Papa von Laura (9). »Aber wir können es einfach nicht so gut rüberbringen, wie die Lehrerin in der Schule.«

Per E-Mail bekommen er und seine Frau Cami einen Wochenplan mit Arbeitsblättern und Erklärvideos. Die erledigten Aufgaben würden dann am Ende der Woche eingesammelt und korrigiert zurückgegeben. »Das funktioniert sehr gut«, betont Thomas Niedermeier. Damit Laura betreut ist, muss er mit sehr wenig Schlaf auskommen.

Nach seiner Nachtschicht etwa hat er nur zwei Stunden, dann muss Cami in die Arbeit. Sie arbeitet eigentlich jeden Vormittag. Je nach Thomas' Schicht darf sie nun aber auch wochenweise nachmittags arbeiten. »Wir geben uns oft nur die Klinke in die Hand«, sagt Thomas Niedermaier. »Irgendwie geht es, aber es zehrt ganz schön an den Nerven«, betont der Papa von Laura. Wie das Ganze nach den Pfingstferien funktionieren soll, weiß er nicht. »Wo soll sie denn hin nach drei Stunden Unterricht?«, fragt er.

»Für uns Eltern wird es langsam ganz schön viel«, sagt Walter Hohler. Auch seine Tochter Bianca darf erst nach den Pfingstferien wieder in die Schule. Doch der Seebrucker sieht – wie Cami und Thomas Niedermaier auch – wenig Erleichterung auf sich und seine Familie zukommen. »Denn wenn die Kinder nur stunden- und tageweise in die Schule können, dann ist es ja fast noch schwieriger zu organisieren, als wenn sie ganz daheim sind.« Er und seine Frau sind beide berufstätig. Wie in vielen Familien trage seine Frau aber die Hauptlast, was das Unterrichten zuhause betreffe, sagt Walter Hohler. »Alle sind genervt, die Kinder, die Eltern. Das ist wirklich nicht leicht, vor allem auch für die Kinder. Sie vermissen die Schule und ihre Freunde.«

Diese Erfahrung hat auch Angelika Friedl gemacht. Für ihren Sohn Simon (7) waren die ersten Wochen richtig schlimm. »Er wollte unbedingt in die Schule«, sagt die alleinerziehende Mutter, die zunächst zusammen mit ihrem Ex-Mann versucht hat, Arbeit, Kind und Unterricht zuhause unter einen Hut zu bekommen. Zunächst sei ihr Sohn auch ziemlich motiviert gewesen, doch das habe dann rapide abgenommen, betont die Metzgereifachverkäuferin. »Er wollte mit mir immer alles ausdiskutieren bis zum Letzten. Das war wirklich anstrengend und emotional belastend«, sagt sie. »Denn als Mama hat man natürlich auch ein schlechtes Gewissen, wenn man ständig schimpft.« Entspannt habe sich die Lage, als ihr Sohn dann doch in die Notbetreuung nach Kammer ging. »Das hat ihm richtig gutgetan, vor allem auch, mal wieder unter Kinder zu kommen«, betont Angelika Friedl.

Ihr Sohn darf als Erstklässler ab Montag wieder in die Schule. Die Metzgereifachverkäuferin hätte es besser gefunden, wenn die Aufteilung der Klasse wochenweise erfolgt wäre und nicht tageweise. »Dann hätte ich besser planen können mit der Arbeit«, sagt die Traunsteinerin. Aber grundsätzlich sei vor allem das frühe Ende der Schule um 10.40 Uhr ein Problem. Wenn sie nicht Anspruch auf eine Notbetreuung hätte, dann wüsste sie nicht, »wohin mit Simon«.

Klara Reiter

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