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»Es wird schmerzlich, aber es gehört dazu«

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Schwester Gertraud (links) und Schwester Walfrieda verlassen nach vielen Jahren Bergen. Vor allem den Blick auf den Hochfelln werden die beiden sehr vermissen. (Foto: Artes)

Bergen – Im Eingangsbereich des Erholungshauses am Säulnerweg stapeln sich bereits die Umzugskartons. Schwester Walfrieda und Schwester Gertraud sind mit Packen beschäftigt. Nach 91 Jahren werden die letzten beiden, in Bergen verbliebenen, Nonnen der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser die Gemeinde verlassen.


»Es wird schmerzlich, aber es gehört dazu«, sagt Schwester Walfrieda, die seit 1999 in Bergen ist, zum bevorstehenden Abschied. »Die Arbeit ist nicht kleiner geworden, sondern gewachsen und wir werden nicht jünger.« Deswegen wurde von der Kongregation beschlossen, das Erholungshaus in Bergen aufzugeben.

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Das Erholungshaus wurde in den 1960er Jahren gebaut und von Schwestern – auch von anderen Kongregationen – sehr geschätzt. Vor allem die flache Lage, aber auch die Berge seien bei den Mitschwestern sehr beliebt gewesen, erzählt Schwester Gertraud, für die Bergen seit 1979 das Zuhause ist. »Die Gäste haben sich immer wohl gefühlt«, haben vor allem die familiäre Atmosphäre genossen.

»Wir haben unseren Dienst sehr gerne getan«

Neben dem Erholungshaus waren die Schwestern vor allem in der Krankenpflege und im Kirchendienst tätig. Außerdem betreuten sie den Katholischen Kindergarten bis zum Jahr 2005. Da von den Schwestern kein Nachwuchs mehr kam, wird der Kindergarten seitdem »weltlich« weitergeführt. Trotzdem haben die Nonnen noch bis vor kurzem für die Kinder gekocht. »Wir haben unseren Dienst sehr gerne getan«, blicken die beiden Ordensschwestern auf die letzten Jahre zurück. »Wenn es Probleme gab, waren wir immer da für die Menschen.«

Schon vor zwei Jahren gab es laut Schwester Gertraud immer wieder Gerüchte, dass sie Bergen verlassen müssten – doch sie durften vorerst bleiben. Seit einigen Wochen steht nun fest, dass sie ihre Heimat verlassen müssen – allerdings erst im Mai und nicht, wie viele denken, bereits an diesem Sonntag nach der offiziellen Verabschiedung. »Die meisten meinen am Sonntag ist es aus«, erzählt Schwester Gertraud.

Seit einer Woche wissen die Nonnen auch, wohin sie kommen. »Wir wollten zusammenbleiben«, sagt Schwester Walfrieda. Dieser Wunsch wurde den beiden Frauen nicht erfüllt. Schwester Gertraud findet in Neumarkt ein neues Zuhause, Schwester Walfrieda zieht nach Nürnberg. Ein Trost ist für die Frauen, dass die beiden Städte nur rund 40 Kilometer auseinanderliegen und sie sich so auch besuchen können.

Unvergessliche Erinnerungen an die Zeit in Bergen

Den ersten »Schock«, Bergen verlassen zu müssen, haben die beiden »inzwischen fast verdaut«. Viele schöne Erinnerungen aus den letzten Jahren werden sie in ihre neue Zukunft mitnehmen. »Unvergesslich wird für uns das Fellnerfest sein«, erzählt Schwester Walfrieda. Jedes Jahr waren sie am 6. August auf dem Hochfelln. »Auch bei den vielen Maiandachten rund um die Gemeinde waren wir dabei«, ergänzt Schwester Gertraud. »Da haben wir einfach dazugehört.« Am meisten fehlen werden ihnen die Berge, natürlich der Hochfelln vor der Haustür und die schöne Natur.

Dass die Schwestern auch bei den Bergenern sehr geschätzt sind, merken sie an den vielen Reaktionen, seit bekannt wurde, dass sie die Gemeinde verlassen. »Viele Leute können es sich nicht vorstellen ohne Schwestern«, sagt Schwester Gertraud. Eine Nachbarin hatte schon zu ihr gesagt: »Du brauchst gar nicht fortgehen, ich hab schon ein Zimmer für dich«, erzählt sie lächelnd.

»Ihr kommt weg. Wer füttert jetzt die Enten?«

Schmunzeln müssen die Nonnen, als sie erzählen, wie sie von einem Bergener gefragt wurden: »Ihr kommt weg. Wer füttert jetzt die Enten?« Diese leben hinter dem Garten am Bach, erzählt Schwester Gertraud und werden jeden Tag von ihr und Schwester Walfrieda gefüttert. Vor ein paar Jahren hat Schwester Gertraud sechs Enten groß gezogen. »Sie waren so an mich gewöhnt, dass wir spazieren gehen konnten«, erzählt sie. Eine Begegnung bringt sie heute noch zum Lachen. Als sie wieder einmal in Bergen unterwegs war, die Enten hinter ihr her watschelten und sie an einem Haus vorbei kamen, hat der Bewohner gleich seine Frau gerufen: »Frau komm raus, so was siehst du nie wieder!«

Besonders dankbar sind Schwester Walfrieda und Schwester Gertraud auch der Gemeinde. »Die Gemeinde hat uns immer geholfen«. Zum Beispiel haben die Mitarbeiter im Garten den Rasen gemäht – »und zwar, ohne dass wir etwas sagen mussten«, so Schwester Walfrieda.

Bevor die beiden Bergen im Mai verlassen, findet am Sonntag noch eine offizielle Verabschiedung statt. Los geht es um 10 Uhr mit einem Einzug vom Pfarrheim aus. Dann gibt es in der Kirche einen Gottesdienst und im Anschluss einen Stehempfang im Pfarrheim. »Die Leute können sich dann von uns verabschieden«, so Schwester Walfrieda. Die beiden Nonnen sehen diesem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber zusammenfassend sagen sie: »Es gibt selten eine Gemeinde, die so offen für die Schwestern war, wie Bergen.« Julia Artes