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Es war Liebe auf den ersten Blick

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Seit 60 Jahren sind Martina und Johannes Hawle aus Taching verheiratet.

Taching am See – Es war Liebe auf den ersten Blick. Martina Hawle war 16, als sie ihren Johannes kennenlernte. »Seitdem sind wir beinand«, vergegenwärtigt die 80-Jährige. Jüngst feierte das Ehepaar aus Taching Diamantene Hochzeit. Auch Bürgermeisterin Ursula Haas gratulierte dem Jubelpaar.


Ursprünglich stammt Johannes Hawle aus Südmähren. Mit 19 Jahren wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Der junge Mann überlebte das Kriegstreiben der Nazis zwar mehr oder minder unbeschadet, geriet 1945 jedoch in russische Gefangenschaft. »Ich kam auf die Krim, nach Sewastopol«, erinnert sich der 94-Jährige.

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Erst knapp fünf Jahre später – Ende 1949 – kehrte der damals 26-Jährige nach Hause zurück und fand völlig veränderte Lebensbedingungen vor. Nach einem beruflichen Gastspiel in einem Verlag durchlief Johannes Hawle eine Volksschullehrer-Ausbildung. »Eigentlich hatte er die Offerte, den Verlag später einmal zu übernehmen«, erinnert sich seine Ehefrau. »Aber ich wollte unbedingt Lehrer werden«, fügt er hinzu. Aus dem Beruf wurde schnell Berufung. »Mein Mann war ein beliebter Lehrer«, erzählt Martina Hawle. Viele seiner ehemaligen Schüler sprechen bis heute mit großer Anerkennung über seine pädagogischen Fähigkeiten.

Als Junglehrer kam Johannes Hawle 1953 nach Asten. Hier besaßen die Eltern von Martina ein Geschäft. Die hübsche junge Frau hatte gerade die Realschule der Englischen Fräulein in Burghausen abgeschlossen. »Jeden Tag sind wir mit dem Radl die 13 Kilometer zur Schule gefahren, egal, ob es regnete, stürmte oder schneite. Seinerzeit fuhr ja nur der Wacker-Bus«, berichtet die 80-Jährige. Als Martina dem 30-jährigen Johannes begegnet, ist es um beide sofort geschehen. »Mir hat der Altersunterschied von 14 Jahren nie etwas ausgemacht«, betont sie, während er energisch, wenn auch augenzwinkernd widerspricht: »Nein, es sind nicht 14 Jahre, sondern nur 13 Jahre und elf Monate.« Vor 60 Jahren wurde geheiratet, aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Der Enkelsohn ist inzwischen 22, studiert in Berlin und hat ein inniges Verhältnis zu seinen Großeltern.

Weitere Stationen in der Lehrerlaufbahn Hawles waren Freutsmoos und Taching. Dort leitete er ab 1964 als Rektor die Schule. Daneben war das Ehepaar als Chorleiter und Organistin in der Kirchengemeinde aktiv. Am Flügel im Wohnzimmer sitzt Martina Hawle heute noch gerne, um für ihren Mann zu musizieren. Auch den großen Garten mit seiner üppigen Blumenpracht versorgt die agile 80-Jährige noch ganz allein.

Neben der Erziehung der beiden Kinder arbeitete Martina Hawle halbtags in einem Steuerbüro. »Gerne hätte ich die Steuerprüfung absolviert, aber es sollte halt nicht sein«, resümiert sie. Stattdessen machte sie sich mit 43 Jahren selbstständig mit ihrer Wachsstube. Hier fertigte und vertrieb Martina Hawle 22 Jahre lang Volkskunst rund um das filigrane Material Wachs.

In seiner Freizeit reiste das Ehepaar gern. Noch mit 70 Jahren erfüllte sich Johannes Hawle den Traum von einem eigenen Wohnwagen, mit dem er bis ins hohe Alter seine Gattin quer durch Europa chauffierte. Letztmalig ging es im Jahr 2012 nach Italien.

Fragt man Martina Hawle nach dem Erfolgsrezept für ihre glückliche, seit 60 Jahren währende Ehe, lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: »Viel Liebe. Damit lässt sich jeder Zwist aus der Welt schaffen. Meist streitet man ja eh gerade wegen der Kinder.« Und Johannes Hawle meint sogar: »Ich habe es gar nicht so empfunden, dass ich schon 60 Jahre verheiratet bin.« Für die weitere, hoffentlich noch lange, gemeinsame Zukunft wünschen sich die Hawles nur eines: »Gesundheit – denn, wenn man die hat, kommt alles andere von ganz allein.« mia