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Es war ein anstrengendes Wochenende für die vielen Ehrenamtlichen

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150 Betten wurden in der Chieminger Schulturnhalle aufgestellt. (Foto: Humm)
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In einem Lastwagen des Malteser-Hilfsdienstes wurden die Betten angeliefert. (Foto: Rasch)

Viel zu tun hatten die ehrenamtlichen Helfer und die Verantwortlichen, um die Turnhallen in Chieming und Traunreut herzurichten für die Ankunft von 300 Flüchtlingen. Für den heutigen Montag ist eine Infoveranstaltung um 19 Uhr im Chieminger Unterwirt geplant, in Traunreut wird es am Donnerstag um 19 Uhr einen Informationsabend im k1 geben.


Auf die Ankunft von 150 Asylbewerber am heutigen Montag oder morgigen Dienstag ist die Gemeinde Chieming bestens vorbereitet, das betonte Bürgermeister Benno Graf. Sie alle werden in der örtlichen Schulturnhalle bis Mitte September eine vorübergehende Unterkunft erhalten.

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Die Voraussetzungen dafür schufen am vergangenen Wochenende Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks (THW) Traunstein, die Malteser aus Traunstein, Beschäftigte des Kreisbauhofs unter Leitung von Peter Mayer sowie des Bauhofs der Gemeinde Chieming.

Zur Schonung des Parketts wurde der Boden der Chieminger Schulturnhalle mit einer Schutzfolie versehen, darauf folgte die Verlegung der zahlreichen Spannplatten, die der SV Erlstätt zur Verfügung gestellt hat und vom THW in der dortigen Turnhalle abgeholt wurden.

Familien kommen in Gymnastikhalle unter

Etwa zeitgleich lieferte die »Schnelle Einsatzgruppe (SEG) der Traunsteiner Malteser mit ihrem Fuhrpark die 150 Klappbetten an, die in gemeinsamer Arbeit mit Beschäftigten des THW, des Kreisbauhofes und des Chieminger Bauhofs aufgestellt wurden. Hier bewährte sich die Routine der Malteser Einsatzleitung mit Josef Sailer und Andreas Reichel, die für die reibungslose Koordination gesorgt hatten.

Das THW verlegte noch den Teppichboden in der Gymnastikhalle, den das Hotel Gut Ising zur Verfügung gestellt hat. Dort ist vorgesehen, dass Familien der Asylbewerber zusammen untergebracht werden. Angestellte des Zeltverleihs Bodmeier aus Wasserburg waren mit der Aufstellung des Verpflegungszeltes beschäftigt, das sich neben der Schulturnhalle befindet.

Warmes Essen vom Klinikum Traunstein

Für die Verpflegung (morgens und abends kalt, mittags warm) sorgt die Küche des Klinikums Traunstein. Für die ersten Tage wird die Essensausgabe von der »Schnellen Einsatzgruppe der Malteser« aus Traunstein übernommen.

Christian Nebl, der Abteilungsleiter im Landratsamt für öffentliche Sicherheit, kündigte an, dass während der Anwesenheit von Asylbewerbern ein dauerhafter Einsatz eines Security-Diensts in der Chieminger Schulturnhalle vorgesehen ist, der dort auch untergebracht sein wird.

Ausweichen in die TuS-Halle

Genau soviel zu tun wie in Chieming hatten auch die Helfer in Traunreut. Auch dort werden 150 Flüchtlinge erwartet. Rund 50 Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuz, des Malteser Hilfsdiensts, des Kreis- und Stadtbauhofs sowie Mitarbeiter des Landkreises Traunstein und der Stadt Traunreut standen am Samstag pünktlich auf der Matte, um in der Landkreisturnhalle zwischen der Walter-Mohr-Real-Schule und dem Dr. Johannes-Heidenhain-Gymnasium die Vorbereitungen für die Unterbringung von 150 Flüchtlingen zu treffen. Was nicht gekommen war, war die Lieferung des Fließbelags, mit dem der Hallenboden ausgelegt werden sollte. Mit Unterstützung von Bürgermeister Klaus Ritter und der Stadtverwaltung ist es jedoch gelungen, kurzfristig in die TuS-Halle auszuweichen, in der auf einen Bodenbelag verzichtet werden konnte. Der TuS Traunreut habe sich sofort bereit erklärt, die Halle zur Verfügung zu stellen, sagte Christian Nebl von der Abteilung öffentliche Sicherheit im Landratsamt Traunstein. »Wir sind der Stadt Traunreut und dem Verein unheimlich dankbar, dass das so unproblematisch und unbürokratisch geklappt hat.«

Die TuS-Halle mit rund 1000 Quadratmeter sei voll umfänglich geeignet, sagte Nebl. Auch Duschen und Toiletten seien ausreichend vorhanden. Alles ging wie am Schnürchen: 150 Reisebetten (keine Feldbetten), die aus dem Bestand des Malteser Hilfsdiensts Bad Reichenhall angeliefert wurden, mussten ausgeladen, ausgepackt und in der Sporthalle aufgestellt werden. Zwischen den Betten stehen Stühle und es gibt auch für alle Behältnisse für persönliche Dinge.

Trennwände und Parzellen für mehr Privatsphäre

Um den Flüchtlingen ein wenig Privatsphäre zu verschaffen, wurde die Halle mit Trennwänden in Parzellen unterteilt. »Es sollen nicht mehr als etwa zehn Personen in einer Parzelle untergebracht werden«, erklärte Nebl. Bislang sei nicht bekannt, wie viele weibliche und männliche Personen und Kinder kommen. Man gehe aber davon aus, dass es sich zu 80 Prozent um junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren handle. Als günstig erweise sich auch die Tribüne in der Sporthalle, die zusätzlich als Aufenthaltsmöglichkeit genutzt werden könne. Auf der Freifläche vor der Halle, wo sich auch der Ess- und Aufenthaltsbereich befindet, ist auch ein Zelt aufgebaut.

Lobend über die Spontanität der Traunreuter und dem Einsatz der vielen freiwilligen Helfer äußerte sich auch Franz Eichinger vom Gebäudemanagement des Landratsamtes. »Es ist richtig fantastisch.« Am morgigen Dienstag sollen die Flüchtlinge eintreffen. Aus welchen Ländern sie kommen, ist aktuell nicht bekannt. Dann geht es erst richtig los: Den Ärzten muss eingesagt werden und dem Klinikum Traunstein, das das Essen liefert. Dafür seien nach Angaben der Behördenvertreter eigens zwei Köche aus dem Urlaub geholt worden. Es werde auch darauf geachtet, dass der Speiseplan auch für muslimische Personen geeignet sei. Die Flüchtlinge, die nach Traunreut kommen, haben zwar schon eine ärztliche Erstuntersuchung hinter sich, es müssen aber noch zusätzliche Blut- und Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden. Die laufende medizinische Versorgung soll von den ortsansässigen Hausärzten übernommen werden.

»Es muss sich alles einspielen«

Eine große Herausforderung wird auch die Registrierung der Personalien sein. Hier könne man erfreulicherweise auf Dolmetscher zurückgreifen, hieß es. »Es muss sich alles einspielen. Wir machen das alle das erste Mal«, erklärte der Pressesprecher des Landratsamtes Traunstein, Roman Scheider. Diese Menschen hätten furchtbares erlebt und seien zum Teil seit einem Jahr auf der Flucht. »Die Menschen sind traumatisiert und viele haben gar keine Papiere dabei«, so der Pressesprecher. »Geben wir ihnen zunächst zwei drei Tage.« Zunächst sei es wichtig, dass die Leute gut untergebracht werden, alles andere werde sich zeigen, meinte Claudio Beilhack von der Traunreuter Stadtverwaltung. Für die Sicherheit der 150 Flüchtlinge, die sich völlig frei bewegen können, sorgen rund um die Uhr acht Kräfte eines Security-Unternehmens aus Freilassing. Das Unternehmen habe nach Angaben von Nebl im Bereich der Flüchtlingshilfe bereits Erfahrung gesammelt.

Keine Kleidungsspenden und Lebensmittel

Wie er weiter mitteilte, habe die Regierung von Oberbayern als zuständige Behörde dem Landratsamt Traunstein zugesichert, dass die »Aktion« spätestens am 13. September beendet sein müsse. Die Verantwortlichen hoffen sowohl in Chieming als auch in Traunreut auf Freiwillige, die sich bereit erklären, die Flüchtlinge beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen oder sie im Sport zu integrieren. Lebensmittelspenden seien sicher gut gemeint, dürfen aber auf gar keinen Fall angenommen werden. Weiter hieß es, dass der Malteser Hilfsdienst über einen großen Bestand an gebrauchter Kleidung verfüge, sodass zumindest vorerst keine Kleiderspenden notwendig seien. OH/ga