weather-image
27°

»Es war das Beste, sie zu töten« - Mordprozess in Traunstein

4.3
4.3
Mordprozess Traunstein
Bildtext einblenden
Foto: Axel Effner/dpa

Traunstein – Der 21-jährige Sohn erzählte die Geschichte, wie er seine 53-jährige Mutter am 15. September 2017 in Altenmarkt mit einem Zimmererhammer erschlagen hatte, »frei von der Leber weg« dem Ermittlungsrichter. Das berichtete der Zeuge am Dienstag vor der Traunsteiner Jugendkammer als Schwurgericht. Der Sohn habe wörtlich erklärt: »Es war das Beste, sie zu töten.« An anderer Stelle der Vernehmung habe er gesagt: »Das Leben mit ihr war ein Albtraum. Das wollte ich ihr und mir ersparen.«


Die Verteidiger des 21-Jährigen, Dr. Adam Ahmed aus München und Dr. Herbert Buchner aus Traunstein, versuchten auch Dienstag, zu verhindern, dass die insgesamt drei Geständnisse des Hauptangeklagten vor der Kripo Traunstein und dem Ermittlungsrichter vom Gericht verwertet werden dürfen. Die Anwälte stellten einen entsprechenden Antrag. Der 20-Jährige Mitangeklagte hingegen hatte am zweiten Verhandlungstag den Sachverhalt der Anklage von Staatsanwalt Markus Andrä in vollem Umfang eingeräumt, darin sich selbst und seinen Freund schwer belastet (wir berichteten).

Anzeige

In der letzten Vernehmung wirkte der 21-Jährige nach Worten des Richters auffällig orientiert, distanziert, wenig emotional: »Ich hatte fast den Eindruck, er erzählt es gerne. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es für ihn ein unangenehmes Gespräch war.« Der Beschuldigte habe von sich aus aussagen wollen – »auch ohne Anwalt«. Der Ermittlungsrichter gab den Inhalt der Vernehmung wieder, der sich später eins zu eins in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Traunstein niederschlug. Zum Hintergrund sprach der Zeuge von einem »Motivbündel«, das der Sohn geschildert habe: »Er wollte nicht bestraft werden für die abgebissene Lippe. Er wollte sie erlösen. Er wollte nicht, dass sie so entstellt gesehen wird.« Erwähnt habe der Sohn auch die psychische Erkrankung der 53-Jährigen, die immer schlimmer geworden sei: »Er sagte, er wolle ihr und sich ersparen, so leben zu müssen.« Der Richter vernahm damals auch den jüngeren Angeklagten, der bei seinem Geständnis deutlich betroffener und mitgenommener gewirkt habe als der Sohn der Getöteten. Vor dem Leichnam und dem Freund habe der 20-Jährige Angst gehabt. Seine Sorge habe auch der Zukunft einer mit dem 21-Jährigen und einem dritten Mann gegründeten gemeinsamen Internetfirma gegolten.

Der Geschäftspartner wird am morgigen Donnerstag in den Zeugenstand treten. Das Urteil in dem nichtöffentlichen Prozess wird voraussichtlich am 26. November verkündet. kd

Im Video: Mutter mit Hammer getötet und im Wald vergraben