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»Es wär zu Tod schad', wenn so was nicht erhalten würd'« – Landkreis zahlt Zuschüsse für Denkmäler

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Landkreis Traunstein zahlt Zuschüsse für Denkmäler und denkmalpflegerische Sanierung
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Mit viel Liebe zum Detail und enormem Aufwand wurde der Mittererhof in Trostberg restauriert. (Fotos: Farbhaus Waging am See)

Traunstein – Gute Nachricht für private Besitzer von Denkmälern im Landkreis Traunstein: Einstimmig beschloss der Kulturausschuss des Landkreises in seiner letzten Sitzung, die Zuschusshöhe von 10 auf 20 Prozent der förderfähigen Kosten für Bauarbeiten zu verdoppeln – sofern sich dies nicht schädlich auf andere Zuschüsse, etwa vom Freistaat Bayern oder der Gemeinde auswirkt.

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»Wir können nicht entscheiden, welches Gebäude unter Denkmalschutz steht und was das Landesamt für Denkmalschutz bei einer Sanierung verlangt. Aber wir können unseren Anteil daran ändern«, so Landrat Siegfried Walch dazu. »Unser Landkreis ist geprägt von sehr vielen Baudenkmälern.«

Walch: »Für kulturelle Identität wichtig«

Privatleute müssten für die Sanierung sehr viel Geld in die Hand nehmen. Dabei würden die Vorgaben des Staates in keinster Weise finanziell ausgeglichen. »Aber es ist für unsere kulturelle Identität wichtig, dass unsere Städte und Märkte ein Gesicht haben. Wir sind zum Glück eine Region mit einem großen Schatz an Denkmälern.«

Wer ein Denkmal saniert, muss nicht nur viel Geld in die Hand nehmen. Er sollte sich auch gut mit Zuschussrichtlinien von Gemeinde, Landkreis und Freistaat auskennen. Bisher zahlte der Landkreis in der Regel wie die jeweilige Gemeinde 10 Prozent des »denkmalpflegerischen Mehraufwands« dazu. Den überarbeiteten Zuschussrichtlinien stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass die Kommune mindestens einen Zuschuss von 10 Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands gewährt.

Grundsätzlich förderfähig sind nur Objekte, die in die Denkmalliste eingetragen sind oder nachgetragen werden. Zuständig dafür ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Das Objekt/Museum muss zudem überörtlich bedeutsam sein. Die Sanierung darf noch nicht begonnen worden sein – der Antrag muss also vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Sie dürfen erst nach Ausstellung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns durch das BLfD und Erlaubnisbescheid des Bauamts beginnen. Die Ausführungen der Maßnahme müssen mit dem BLfD nachweislich abgestimmt sein.

Die Zuschusshöhe richtet sich nach dem denkmalpflegerischen Mehraufwand, der vom BLfD festgelegt wird. Dabei beträgt der Kreiszuschuss an Privatpersonen/Vereine bis zu 20 Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands (auch für private Hofkapellen). Der Kreiszuschuss an Gemeinden und kirchliche Träger für Kirchen, Kapellen, und dergleichen beträgt sechs Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands.

Über Zuschüsse bis zu 5000 Euro entscheidet Landrat Siegfried Walch persönlich, über höhere Summen der Kulturausschuss. Dabei ist ein Kreiszuschuss nach wie vor nur möglich, wenn die Gemeinde mindestens einen Zuschuss von zehn Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands gewährt. Mindestens mit zehn Prozent hat sich der Eigentümer an den Gesamtkosten zu beteiligen. Dabei gibt es keinen Zuschuss an Pfarrkirchen, bei Transferierungen, beim Kauf, bei Gründung eines Museums, für den laufenden Betrieb eines Museums.

Bei Museen ist die Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für nicht staatliche Museen und individuelle Zuschussfestsetzung notwendig. Aber maximal zahlt der Landkreis zehn Prozent der Gesamtkosten bzw. sechs Prozent, wenn der Träger eine Gemeinde ist. Es ist keine Zuschusserhöhung bei Kostensteigerung möglich.

Landkreis zahlt rund 160 000 Euro

»Kirchen, Klöster, Burgen, Denkmäler, aber auch historische Wohngebäude prägen unseren Landkreis. Sie sind elementarer Bestandteil unserer historisch gewachsenen Kulturregion Chiemgau und damit unserer Identität«, erklärte Landrat Siegfried Walch dazu. Darum stelle der Landkreis auch heuer wieder rund 160 000 Euro an Zuschüssen für Baudenkmäler und Museen zur Verfügung.

Schließlich stellte Heidi Wohlmayer als Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Bauamts als besonders gelungene Instandsetzung eines Denkmals den Mittererhof in Moosham bei Trostberg. Die Eigentümerfamilie habe den Vierseithof aus dem Jahr 1841 in mühevoller Arbeit mithilfe des Malers Epple restauriert – das Tor, die Fassade, die Innenseite. Der Hauseigentümer habe sich sogar schulen lassen, um selbst bei den Malerarbeiten mithelfen zu können.

»Die Fenster sind gemacht worden, die Haustür ist ein besonders filigranes Werk.« Es gebe Schnitzereien und bunte Farben. Das sei überhaupt oft erstaunlich, wenn für alte Höfe ein Befund erstellt werde – »die Höfe waren früher oft wesentlich bunter als sie sich zuletzt dargestellt haben«, so Wohlmayer. So seien am Mittererhof die Dachbalken sehr bunt, unterm Dach würden die verschiedenen Mondphasen mit aufwändiger Malerei dargestellt.

Begeistert von dem »ganz tollen Objekt« war nicht nur Wohlmayer. Auch Landrat Siegfried Walch zeigte sich fasziniert: »Es wäre zu Tod schad', wenn so was nicht erhalten würd'«, sagte er und brach eine Lanze für den Denkmalschutz.

Im Rahmen der Sitzung entschied der Ausschuss auch, dass der Eigentümer eines Gebäudes am Stadtplatz in Tittmoning für sein Vorhaben einen Zuschuss in Höhe von 42.000 Euro erhält. Er will das denkmalgeschützte Gebäude sanieren, die Wohnungen umbauen und das Dachgeschoß ausbauen.

Option, den Zuschuss noch zu erhöhen

Die Kosten betragen laut Schätzung 1,57 Millionen Euro. Der denkmalpflegerische Mehraufwand liegt bei rund 500.000 Euro. Der Landkreis Traunstein sieht einen Zuschuss in Höhe der beantragten 42.000 Euro vor. Das entspricht 8,4 Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands. Weil aber das Gremium im Laufe der Sitzung die Zuschuss-höhe verdoppelte, fiel auch noch der Entschluss, 42.000 Euro fest zuzusagen mit der Option, diesen Zuschuss auf maximal 20 Prozent zu erhöhen – sofern sich dadurch weder der Zuschuss des Bezirks Oberbayern noch der des Freistaats oder der Stadt Tittmoning verringert. coho

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