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»Es lohnt sich, dass man sich für die Heimat einsetzt«

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Verschiedenste Themen wurden beim Alpengespräch in Inzell angesprochen. Unser Bild zeigt (von links) Traunsteins Landrat Siegfried Walch, Moderator Tilmann Schöberl und Ministerin Ilse Aigner. (Foto: Wegscheider)

Inzell – Der Alpenraum – ein Thema, das weitreichend ist und Lösungen für die Zukunft zwingend notwendig macht. Die besonderen Herausforderungen der Alpenregion wurden nun in Inzell mit Ilse Aigner, der Bayerischen Staatsministerin für Wirtschaft, diskutiert. Moderator war Tilmann Schöberl vom Bayerischen Fernsehen.


»Das Bewahrenswerte müssen wir bewahren und gleichzeitig Zukunftsperspektiven schaffen«, sagte Ilse Aigner bei dem Treffen mit geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Es gebe durchaus Nachholbedarf im oberbayerischen Raum. Der Klimawandel, die Belastungen im Transitverkehr, eingeschränkte Möglichkeiten der Flächennutzung und andere Voraussetzungen jenseits der Grenze zu Österreich sowie der Landschafts- und Naturschutz seien besondere Herausforderungen. Dafür sind laut Aigner die Absicherung solider wirtschaftlicher Grundlagen und der Erhalt der natürlichen Ressourcen der Bergregion notwendig.

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»Österreich ist im Vorteil«

»Österreich hat bessere Startvoraussetzungen und ist deshalb im Vorteil. Eine Waffengleichheit ist deshalb zwingend notwendig«, betonte Traunsteins Landrat Siegfried Walch. Ilse Aigner entgegnete, dass im Hotelgewerbe bereits die Mehrwertsteuer angeglichen worden sei und das viel bewirkt habe. Dennoch würden weitere Zuschussmöglichkeiten gesucht. Es müsse weiter investiert werden, in die Qualität der Betten und auch in die Freizeitmöglichkeiten. Zudem sei es wichtig, dass die Zuganbindungen mit der Bahn als zentralem Thema verbessert würden, ebenso wie der Ausbau der Autobahn bis zur Landesgrenze.

Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler fordert eine stärkere Unterstützung bei der touristischen Infrastruktur. »Gerade bei den Bergbahnen, den Schwimmbädern und den Wellnessangeboten ist eine gute Zusammenarbeit notwendig. Doch wichtig ist auch eine Lockerung des Anbindegebotes, dass sich Betriebe besser entwickeln können.« Laut Ilse Aigner wurde bereits Geld im Haushalt angemeldet, besonders bei öffentlichen Anlagen. Außerdem sei ein spezielles Seilbahnprogramm auf den Weg gebracht worden.

»Brauchen wir sechs Spuren?«

Gisela Sengl, die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, vertrat die Meinung, dass der Naturraum ein schützenswertes Gut ist und dies sollte auch beim Ausbau der Autobahn in Betracht gezogen werden. »Brauchen wir sechs Spuren oder reichen auch vier Spuren mit Standstreifen? Der Umweltgedanke muss ganz oben angesiedelt werden. Die Leute kommen deshalb zu uns, weil es in unserer Gegend so schön ist und man sich gut erholen kann.«

Aigner sieht dies ähnlich und betonte, dass Industriebetriebe nicht in der grünen Landschaft angesiedelt werden sollten. Es müsse genau ausgelotet werden – mit vernünftigen Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Landrat des Berchtesgadener Landes, Georg Grabner, plädierte für eine gemeinsame Sitzung mit der Salzburger Landesregierung, um grenzübergreifende Themen zu diskutieren. »Was passt in den Alpenraum?«, sei die entscheidende Frage. Aber er sprach auch von mehr Qualität bei uns in der Region.

Der Kreisobmann des Bauernverbands, Sebastian Siglreitmaier, nannte den Almwegebau als wichtigen Punkt für die Erhaltung der Almen. Außerdem forderte er »die Nichtansiedelung der großen Beutegreifer wie Wolf und Bär. Diese passen nicht zu uns«. Darüber hinaus müssten Nebenerwerbsbetriebe unbedingt erhalten werden und auch gegenüber Vollerwerbsbetrieben müsse es eine Gleichstellung geben, speziell bei Austragshäusern oder bei der Stallbauförderung.

Ilse Aigner betonte, dass Rudel unterbunden würden, aber Einzeltiere nicht zwingend verhindert werden könnten. Die Unterstützung für kleinere Betriebe sieht sie als wichtigen Punkt.

»Wie soll man einen Hirten bezahlen?«

Schlechings Bürgermeister Sepp Loferer, selbst Almbauer, nannte als springenden Punkt den Mindestlohn für Angestellte. »Wie soll man einen Hirten auf der Alm bezahlen, wenn man alle Regularien einhalten will? Wenn man so weitermacht, ist dies das Ende der Almwirtschaft!«. Ebenso tragisch findet er die Vorschriften bezüglich der Wasserversorgung. Gefordert werde, das Wasser zu filtrieren, eine UV-Anlage für viel Geld einzubauen und das auf Kosten der Bauern. Aigner sieht das ähnlich und stellte die provokante Frage: »Ich frage mich, wie die Leute früher überlebt haben, als es das alles noch nicht gegeben hat?«

Josef Heigenhauser, Bürgermeister von Reit im Winkl, stärkte die Ansichten seines Kollegen. »Die Landwirte sind dringend notwendig, denn sonst wachsen viel Flächen und Almwiesen zu und diese sind für die Tourismusgemeinden existenziell wichtig. Er warb auch für mehr Unterstützung seitens der Regierung und nannte als Beispiel die drei Pistenraupen der Gemeinde im Wert von 750 000 Euro, die für die Präparierung der kostenlosen Loipen nicht gefördert werden.

Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner sprach sich mit aller Vehemenz für eine Erschließung der Zwieselstraße aus. »Der Inzeller und Reichenhaller Hausberg ist ein beliebtes Ausflugsziel und ohne eine angemessene Zufahrt wird die Zwieselalm nicht mehr weiter betrieben werden können. Hier sollte eine passende Lösung gefunden werden!«

Gabriella Squarra, Kurdirektorin in Bad Reichenhall, bemängelte die nicht einheitlichen Rahmenbedingungen zwischen Deutschland und Österreich. Prozesse müssten beschleunigt werden, besonders bei neuen Projekten im Hotelbau und touristischen Neuerungen.

»Die Allgäuer sind uns meilenweit voraus«

MdL Klaus Stöttner und Kreisrat in Rosenheim sieht viel Nachholbedarf in Oberbayern. »Die Allgäuer sind uns meilenweit voraus. Wir sind einfach schlecht aufgestellt und das in vielen Bereichen.«

»Das Allgäu hat sich als Marke zusammengeschlossen und sie sind auch in der Vernetzung sehr weit«, sagte Aigner. »Bei uns müssen wir die Kräfte mehr bündeln. Eine gemeinsame Vermarktung ist sehr wichtig. Wir müssen dahin kommen, dass wir als Gesamtmarke auftreten.«

Abschließend dankte Ministerin Ilse Aigner für das offene Gespräch und betonte nochmal ausdrücklich, dass das ehrenamtliche Engagement und das Brauchtum, die Bekenntnis zur Heimat und die bei uns verankerten Traditionen sehr wichtig für unsere Gegend seien. Es lohne sich, dass man sich für die Heimat einsetze und den Lebens- und Arbeitsraum weiterentwickle. hw