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»Es liegt an uns, was wir daraus machen«

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Staudach-Egerndach. Gemessen am Wärme- und Strombedarf liegt Staudach-Egerndach über dem bundesweiten und auch über dem Durchschnitt im Achental. Woran dies liegt und wie die Energiebilanz verbessert werden kann, wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung aufgezeigt.


Björn Freitag, Energie Konzept Bayern, stellte die vom Ökomodell Achental in Auftrag gegebene Studie zum Energiekonzept Achental vor, wobei er die für Staudach-Egerndach relevanten Parameter aufführte. Noch immer wird der Wärmebedarf der Gemeinde zu 77 Prozent aus Öl gedeckt. Der Anteil an Erneuerbaren Energien (hauptsächlich Biomasse) zur Wärmegewinnung beträgt 19,8 Prozent. Damit liege die Gemeinde unter dem Achentaler Durchschnitt. Hier werden bereits 25 Prozent des Bedarfs durch Erneuerbare Energien gedeckt.

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Ähnlich sehe es beim Strom aus. Mit 3,3 Megawattstunden pro Jahr und Bürger, werde in der Gemeinde mehr Strom als im Achentalvergleich (3,2 MWh/a) benötigt. Rund 25 Prozent des Stroms werde aus Photovoltaik und Wasser produziert. Die Frage, ob das Achental bis 2020 energieautark sein könne, bejahte der Experte. Allerdings nur, wenn jeder einzelne Bürger mithelfe.

32 Prozent aller Heizungen vor 1990 installiert

Nach dem Motto »Einsparung und Effizienz« nannte er einige Beispiele. So könnte allein durch den Austausch von Haushaltsgeräten und Leuchtmitteln der Stromverbrauch um 15 Prozent reduziert werden. Noch höher sei das Einsparpotenzial im Bereich der Wärmeenergie, denn hier seien bis zu 30 Prozent möglich. Voraussetzung sei eine energetische Sanierung der Häuser mit neuen Fenstern, Dämmungen und natürlich auch einer Verringerung des Ölverbrauchs. 32 Prozent aller Heizungen in Staudach-Egerndach wurden vor 1990 installiert und haben nur einen Wirkungsgrad von 68 Prozent. Neue Heizanlagen kommen auf 87 Prozent. »Da lohnt sich ein Austausch«, betonte Björn Freitag. Auch das Heizverhalten sollte überdacht werden, denn nur ein Grad weniger in den Wohnungen, bedeute sechs Prozent Heizenergie sparen.

Maßnahmen in Richtung Energieneutralität sollten im Ausbau der Erneuerbaren Energien liegen, in Effizienz und Einsparung aber auch in der Bewusstseinsbildung, denn nicht jeder Bürger wisse, wo und wie Energie gespart werden könne, so Freitag. Einsparungen seien im Strombereich durch effiziente Geräte möglich. Allerdings sollte es nicht sein, dass der ausgediente Stromfresser Kühlschrank dann als Zweitgerät weiterbetrieben werde. Öl könne besser durch den Austausch von Heizkesseln genutzt werden. Die Gemeinde sollte mit gutem Beispiel vorangehen und die Energieeffizienz steigern, eventuell durch das Umrüsten der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik. Zudem wäre es wichtig, die Bevölkerung über bestehende Förderprogramme zu informieren und auch auf die Fördermittelberatung im Landratsamt hinzuweisen.

Gemeinde soll aktiv werden

Mit Leuchtturnprojekten sollte die Gemeinde vorangehen. Der Austausch von Umwälzpumpen amortisiere sich schnell, bringe hohe Einsparungen und sei öffentlichkeitswirksam. Die Gemeinde könnte Sammelbestellungen organisieren und regionale Heizungsbauer einbeziehen. Auch der Austausch alter Ölheizungen rechne sich. Durch gezielte Information der »Betroffenen« könne diesen der Vorteil näher gebracht werden und auch auf Förderungen aufmerksam gemacht werden. Zudem könnten Standorte mit Altwasserrechten untersucht werden. Detailanalysen wären über Hochschul-Abschlussarbeiten günstig zu erstellen.

Laut Freitag sei von Vorteil, wenn die Energiebilanz der kommunalen Liegenschaften erfasst und überwacht werde. Zudem wäre denkbar, die Energiewende auch zu vermarkten und als klimaneutralen Urlaub anzubieten. Möglich sei auch, ein Energieunternehmen Achental zu gründen. Ein regionales Unternehmen könnte dann den vor Ort produzierten Strom aus Photovoltaikanlagen, die bereits über 20 Jahre laufen und keine Förderung mehr erhalten, kaufen und an die Bürger günstig weiterveräußern. Dies habe den Vorteil, dass Übertragungsverluste gering gehalten werden und der Strom günstig angeboten werden könne. Letztlich wünschte der Experte, dass dieses Konzept nicht in der Schublade verschwinden solle, denn das Achental habe für die Energieunabhängigkeit eine gute Ausgangsposition.

»Nun liegt es an uns, was wir daraus machen«, so Bürgermeister Hans Pertl abschließend. tb