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»Es ist gut, sich auf Neues einzulassen«

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Dr. Christoph Hentschel tritt am 1. September die Pfarrstelle in Taching am See an. Der 33-Jährige ist voller Vorfreude auf seinen neuen Wirkungskreis, wie er im Gespräch mit der Heimatzeitung deutlich machte.

Taching am See – Wohin der Lebensweg Christoph Hentschel auch führt, die Modelleisenbahn ist immer dabei. Wenn der 33-Jährige am 1. September die Pfarrstelle für Taching am See, Tengling, Tettenhausen und Törring antritt, ist ein »kleiner Ableger« der Anlage ebenfalls im Gepäck. »Die Modelleisenbahn ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens«, erzählt der sympathische Geistliche im Gespräch mit unserer Zeitung.


Denn eigentlich wollte »Klein Christoph« – wie der Papa – Lokführer werden. »Das war viele Jahre mein großer Berufswunsch. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich diesen Weg nicht gewählt habe«, sagt er. Das Licht der Welt erblickte Christoph Hentschel 1982 in Altötting. Das sei zwar punktuell wichtig, erzählt der Pfarrer, aber eine emotionale Bindung zu dem Wallfahrtsort bestehe nicht: »Ich sehe mich vielmehr als Ampfinger, der in Altötting geboren wurde.«

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In Ampfing verbrachte Hentschel, der noch einen drei Jahre jüngeren Bruder hat, seine Kindheit und Jugend. In Mühldorf besuchte er das Gymnasium. In dieser Zeit rückte der kindliche Traumjob zunehmend in den Hintergrund. »In Ampfing trat ein junger Pfarrer seinen Dienst an. Er lenkte meinen Blick auf eine mir bis dahin unbekannte Form von Kirchlichkeit«, erinnert sich Hentschel. Mit den Firmvorbereitungen wuchs schließlich der Wunsch, in der Kirche einen Beruf zu ergreifen. »Aber an Pfarrer dachte ich zu dieser Zeit noch nicht«, sagt der 33-Jährige. Sein Interesse an Jesus Christus bewog Christoph Hentschel dazu, in der Kollegstufe Religion als Leistungskurs belegen zu wollen. Weil dies in Mühldorf nicht möglich war, wechselte der Jugendliche für die letzten zwei Jahre an das Gymnasium nach Gars. »Dort kam zum ersten Mal seit 20 Jahren ein Leistungskurs Religion zustande. Das gab mir die Chance, meine Interessen zu vertiefen und legte einen wichtigen Grundstein, mein religiöses Reifen aktiv anzugehen«, sagt der Geistliche, der daraus für sich die Lehren zog: »Vertraue deiner eigenen Veranlagung. Und nichts ist unmöglich. Das Argument 'Das war schon immer so' hat mich noch nie überzeugt.«

2001 legte Christoph Hentschel sein Abitur ab – mit den Leistungsfächern Religion und Latein. »Ursprünglich war mein Plan, erst den Zivildienst abzuleisten und dann ein Jahr später frei Theologie zu studieren«, so der 33-Jährige. Es kam anders. Hentschel wurde ausgemustert und so konnte er gleich mit dem Studium beginnen. Im Herbst des gleichen Jahres trat er ins Münchner Priesterseminar ein – eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat: »Es war ein guter Übergang von dem behüteten Elternhaus in eine begleitete Welt. Es war ein wichtiger Schritt, um ein neues Umfeld aufzubauen und mich mit dem Leben in der Stadt vertraut zu machen.« Seine Eltern hatten zu keiner Zeit ein Problem mit der nicht ganz gewöhnlichen Berufswahl ihres Sohnes: »Mein Vater war immer Ministrant. Wir haben den Glauben in der Familie gelebt. Und meine Mutter hat nach meiner Entscheidung zahlreiche Ehrenämter in der Pfarrei übernommen«, erzählt Hentschel.

2003 zog es Christoph Hentschel für ein Jahr zum Studium nach Tübingen. Heute erinnert er sich freudig an diese Zeit zurück; »aber anfangs war es eine große Herausforderung. Ich war völlig auf mich allein gestellt und es dauerte einige Zeit, bis ich ein neues soziales Netzwerk aufgebaut hatte«, bekräftigt der Geistliche. Zwei Jahre später legte er in München seine Prüfung zum Diplom-Theologen ab. Danach sollte es für ein Jahr ins »Heilige Land« gehen – doch erneut führte Hentschels Lebensweg in eine andere Richtung. Er erhielt das Angebot zur Promotion, die er 2008 zum Thema »Neues Testament« ablegte. Da war Dr. theol. Christoph Hentschel gerade einmal 26 Jahre alt. »Das ist mein Tempo. Wenn ich von etwas überzeugt bin, setze ich meine ganze Energie dafür ein«, erklärt er fast schon entschuldigend und lächelt zurückhaltend. Noch im Herbst des gleichen Jahres nahm er am Pastoralkurs teil und bereitete sich in Traunreut auf seine Priesterweihe vor. Am 26. Juni 2010 wurde Dr. Christoph Hentschel in Freising zum Priester geweiht. »Das war ohne Zweifel eine wichtige Station in meinem Leben. Aber die Priesterweihe ist kein Ende, sondern Geschenk und Zurüstung. Geschenk, weil Gott mich mit meinen Fähigkeiten in seinen Dienst nimmt; Zurüstung, weil er mich kräftigt für den weiteren Weg, der vor mir liegt«, sagt der Pfarrer.

Dieser Weg führte Hentschel unmittelbar nach seiner Weihe zunächst als Kaplan nach Ismaning und Unterföhring. Zwei Jahre später wechselte der junge Geistliche als Pfarrvikar nach Moosburg. Dort wurde er als Pfarradministrator schnell mit der Leitung des Pfarrverbands Moosburg-Pfrombach betraut. Ende Juli verabschiedeten die Moosburger in einer bewegenden Feier ihren beliebten Pfarrer nach dreijähriger Tätigkeit. »Das sind Gefühle, die mich prägen: die Trauer, Moosburg zu verlassen, aber auch die Vorfreude auf die neue Aufgabe im Pfarrverband Taching, Tengling, Törring, Tettenhausen«, sagt der 33-Jährige.

»Jede Veränderung ist auch eine Chance«

»Es ist gut, sich auf Neues einzulassen«, lautet der Leitspruch des jungen Pfarrers. Das gelte nicht nur für seine Person, sondern auch für die Gläubigen in seinem neuen Wirkungskreis. »Jede Veränderung ist auch eine Chance«, ist sich Hentschel sicher: »Es bietet die Möglichkeit, Gewohntes aufzubrechen.« Dabei ist sich der Geistliche durchaus der Trauer der Gläubigen um den scheidenden Pfarrer Walter Laakmann bewusst. »Die Menschen dürfen ihn auch betrauern. Und wenn sie es wünschen, werde ich sie bei diesem Trauerprozess auch begleiten«, bietet Dr. Christoph Hentschel an. Auch das Rad wolle er an seiner neuen Wirkungsstätte nicht neu erfinden. »Natürlich werde ich meinen eigenen Stil einbringen. Aber vieles, was sich in der Pfarrgemeinde bewährt hat, werde ich sicher beibehalten«, betont der 33-Jährige. Er denkt dabei vor allem an die Fronleichnams-Prozession von Tengling über den Tachinger See nach Tettenhausen. Überhaupt möchte er das Gewässer häufiger in seine spirituelle Arbeit einbinden. »Die Anwohner haben eine starke Bindung zum See.« Hentschel denkt dabei unter anderem an Lichterprozessionen oder musikalische Andachten.

Die erste Zeit nach seinem Amtsantritt wird Dr. Christoph Hentschel im Studienseminar in Traunstein wohnen. Zum einen, weil der Pfarrhof in Taching am See einer gründlichen Renovierung unterzogen wird; zum anderen, weil er neben seiner Aufgabe als Pfarrer noch als Spiritual am Studienseminar tätig ist. »Die Kirche befindet sich im Wandel. Die Arbeit im Studienseminar ergänzt sich hervorragend mit dem Pfarramt in Taching. Man kann mit der Jugend zusammenarbeiten und sie für den Glauben, für Jesus Christus begeistern«, erzählt der 33-Jährige. So hat er sich in Pastoralpsychologie fortgebildet und strebt zusätzlich eine Ausbildung zum Supervisor an.

Auch wenn er nicht ständig in Taching weile, sei er doch regelmäßig erreichbar, verspricht der neue Seelsorger, der zur Entspannung gerne Krimis liest und jahrelang gelaufen ist. Allerdings plagen Hentschel augenblicklich gesundheitliche Probleme. »Aber wenn ich wieder fit bin, möchte ich gerne am Tachinger Seelauf teilnehmen«, kündigt er an. Auch drei Lieder hat der junge Pfarrer bereits komponiert; eines davon widmete er den Moosburgern zu deren Kastulusfest. mia