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»Es ist an der Zeit, dieses Amt in jüngere Hände zu legen«

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Mit ihrem neuen E-Bike möchte Ingrid Bödeker nun auch »die Region im weiteren Umkreis« erkunden. Außerdem will sie mehr Zeit für ihre fünf Enkel haben. Das sei der Hauptgrund, warum sie ihr Amt als Stadträtin niederlege, betont die 72-Jährige. (Foto: Reiter)

Ingrid Bödeker (72) hört nach über 20 Jahren als Stadträtin auf – Sie will mehr Zeit für ihre fünf Enkel und ihre Hobbys haben


Traunstein – Ingrid Bödeker (72) will sich nun mehr Zeit für ihre fünf kleinen Enkel nehmen. Nach über 20 Jahren als Stadträtin wird sie ihr Amt niederlegen. Das wurde gestern auch im Hauptausschuss bekanntgegeben. Offiziell verabschiedet wird die langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende in der kommenden Woche. »Es ist an der Zeit, dieses Amt in jüngere Hände zu legen«, sagt die Traunsteinerin, die mit Fritz Stahl, Manfred Kösterke und Christian Kegel drei Oberbürgermeister erlebte.

Zur Politik kam Ingrid Bödeker durch ihren Mann, der vor zwei Jahren starb. »Er war ein sehr engagierter SPDler.« 1996 sei sie dann gefragt worden, ob sie nicht als Stadträtin kandidieren wolle – »und diese Entscheidung habe ich nie bereut«, sagt die 72-Jährige.

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Besonders in Erinnerung blieb Ingrid Bödeker der August im Jahr 2002, als Traunstein gerade noch vom Hochwasser verschont blieb. »Es fehlten nur ein paar Zentimeter. Die Anwohner der Unteren Stadt waren schon evakuiert. Das war wirklich sehr dramatisch.« Zum Glück hätten sich die Hochwasserschutzmaßnahmen, die Oberbürgermeister Fritz Stahl damals intensiv vorangetrieben habe, bezahlt gemacht.

Von den derzeitigen Projekten liegen der 72-Jährigen besonders die Sanierung der Klosterkirche und die Gestaltung des Salinenparks »an diesem historisch wertvollen Ort« am Herzen.

Besonders enttäuscht sei sie gewesen, dass sich die Bürger gegen die Landesgartenschau in Traunstein ausgesprochen haben. »Das hätte die Stadt ein gutes Stück vorangebracht«, ist die 72-Jährige überzeugt. Und auch der zweite Bürgerentscheid zur Güterhalle ging nicht so aus, wie es sich die SPDlerin gewünscht hätte. »Die Güterhalle wäre ein sehr geeigneter Ort für ein Jugendzentrum gewesen«, betont Ingrid Bödeker. Die Traunsteinerin war viele Jahre als Jugendreferentin engagiert. »2008 wurde ich dann übergangslos Seniorenreferentin«, sagt Bödeker und lacht. Besonders eingesetzt habe sie sich für die Bewegungsgeräte am Wochinger Spitz, die zunächst – auch im Stadtrat – auf viel Widerstand gestoßen seien. »Die Geräte kommen jetzt aber bei jungen und älteren Leuten sehr gut an«, freut sie sich.

Auf die Frage, ob die Stimmung im Stadtrat heute eine andere sei als vor 20 Jahren, antwortet Bödeker: »Ja, der Gemeinschaftsgeist ist etwas verloren gegangen.« Doch die 72-Jährige betont auch, dass sie nicht deshalb aufhöre. »Das sind wirklich private Gründe. Ich will mehr Zeit für meine Enkel haben. Der jüngste ist erst sechs Monate alt, die älteste vier. Gerade diese Zeit will ich genießen, denn sie vergeht so schnell«, betont Bödeker. Außerdem habe sie viele Hobbys wie Radfahren, mit der evangelischen Kantorei singen und bei der Traunsteiner Tafel helfen. »Langweilig wird mir also sicher nicht«, sagt sie und lacht.

Für Ingrid Bödeker nachrücken wird Monika Stockinger (54) aus Haslach, die sich schon sehr auf ihre neue Aufgabe freut. »Ich bin vor allem gespannt, was da auf mich zukommt«, sagt die engagierte Traunsteinerin, die in vielen Vereinen und Organisationen aktiv ist. KR