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»Es gibt noch erhebliche Bedenken«

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Foto: dpa/Symbolbild

Traunstein – Heftige Diskussion im Ausschuss: Wie sollen die Kinder der Ludwig-Thoma-Schule, der Haslacher Grundschule und der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule nachmittags betreut werden?


Eigentlich war dieser Punkt schon beschlossene Sache. Es hatte eine Elternumfrage dazu gegeben mit dem Ergebnis, dass anstatt der bisherigen Mittagsbetreuung die pädagogisch höherwertige, offene Ganztagsklasse gewünscht wird. Der Stadtrat hatte dem bereits zugestimmt. Nun wurde das Ganze aber wieder in Frage gestellt, da es große Bedenken auch von Seiten der Schulleiter gibt.

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»Wir sollten uns da noch einmal etwas Zeit geben und Gespräche führen«, betonte Dr. Christian Hümmer (CSU), der Stadträtin Christa Fuchs im Hauptausschuss vertrat. Außerdem befürchtete er, dass die offene und die gebundene Ganztagsklasse in Konkurrenz treten könnten. Dies sah auch Thomas Stadler (Grüne) als mögliches Problem.

»Wir haben ja noch ein Jahr Zeit«

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte, »dass beide Formen parallel durchführbar sind«. Eine Umstellung sei immer auch mit Problemen verbunden, »aber lasst es uns doch einfach versuchen. Wir haben ja noch ein Jahr Zeit«, sagte Kegel. Die Einführung sei ja erst für das Schuljahr 2018/2019 geplant.

Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) verstand nicht, »warum wir jetzt wieder alles in Frage stellen«. Es sei doch eine Umfrage gemacht worden und das sei der Wille der Eltern. »Wenn wir das jetzt nicht so machen, dann hätten wir uns die Zeit und die viele Mühe für die Umfrage ja gleich sparen können«, betonte sie.

Isabelle Thaler (CSU) warf der Verwaltung und dem Oberbürgermeister mangelnde Transparenz vor. Sie habe erst durch eine E-Mail eines Schulleiters erfahren, dass es Bedenken gebe. Sie sprach von »Falschinformationen in der Beschlussvorlage«, was Oberbürgermeister Christian Kegel laut werden ließ. Er empfand diesen Vorwurf »arg dreist«. Es würden immer Dutzende Seiten an Informationen ausgearbeitet und ausgehändigt.

Dritte Bürgermeister Waltraud Wiesholler-Niederlöhner kritisierte, dass ihre Fraktion keine E-Mail erhalten habe. »Das ist schon etwas fragwürdig«, fand sie. »Wenn man etwas möchte, dann sollte man sich auch an alle Parteien wenden.«

Stefan Namberger (CSU) betonte, dass diese E-Mail auf Nachfrage geschickt worden sei.

Die Bedenken beziehen sich laut Rektor Clemens Gruber von der Ludwig-Thoma-Grundschule unter anderem darauf, dass womöglich zu wenige Eltern dann die jetzt bestehende gebundene Ganztagsklasse wählen. »Die offene Ganztagsklasse ist nämlich viel flexibler, da können die Eltern ihre Kinder an zwei bis vier Tagen um 14 oder 16 Uhr abholen«, erklärte der 45-Jährige im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Bei der gebundenen Ganztagsklasse seien vier Tage fix. »Das ist aber eine viel höherwertige Form der Betreuung, es handelt sich um Unterricht durch Lehrkräfte«, betonte er.

Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus wisse er, dass viele Eltern eine Nachmittagsbetreuung brauchen, »aber auch möglichst flexibel sein möchten«. Deshalb befürchtet Clemens Gruber, dass die gebundene Ganztagsklasse an der Ludwig-Thoma-Schule dann Geschichte sein wird. Es gebe in ganz Oberbayern nur drei Schulen in Ballungsräumen – Ingolstadt, Ebersberg und München Stadt – an denen die offene und gebundene parallel laufen würden. »Wir haben dafür im Stadtgebiet einfach zu wenige Schüler.« Er kritisierte, dass noch viele Dinge offen seien, wie etwa die Betreuung am Freitagnachmittag. »Ich sehe einfach Handlungsbedarf«, betonte Rektor Gruber.

Oberbürgermeister Christian Kegel sieht es als Aufgabe der Schulleiter – falls es in diese Richtung Bedenken gibt, die er nicht teilt – die Vorzüge der gebundenen Ganztagsklasse so herauszuarbeiten, dass genug Eltern diese Form wählen. Zu dem Vorwurf, die Stadt wolle das derzeit bestehende System nur ändern, um Kosten zu sparen, sagte er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Das ist absurd. Wir zahlen pro Jahr pro Klasse 5000 Euro an den Freistaat, egal ob gebundene oder offene Ganztagsklasse.« Und zusätzlich müssten noch – anders als bei der Mittagsbetreuung – die Fahrtkosten für die Schüler übernommen werden.

Die Bedarfserhebung bei den Eltern sei gemacht worden, nachdem es von Seiten des Freistaats eine Änderung gegeben habe. »Früher waren offene Ganztagsklassen an Grundschulen nämlich nicht möglich.« Die Diskussion wird vermutlich am Donnerstag im Stadtrat fortgeführt. KR