weather-image
15°

»Es gibt einfach wieder viel zu viele Biber«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Ein grausames Ende fand diese Jungkuh auf ihrer Weide in Grabenstätt, die an einem Entwässerungsgraben liegt. Der Biber hat die Wiese derart unterminiert, dass das Tier in das Loch unter der Wiese einbrach und nicht mehr heraus kam. (Foto: Hohler)

Grabenstätt – »Schauen Sie sich das an. Das darf doch nicht wahr sein«, sagt Anna Klauser. Die Grabenstätter Bäuerin zeigt entsetzt auf die tote Kalbin in dem Loch auf der Weide. Was man kaum für möglich halten mag, ist hier passiert: Das etwa eineinhalb Jahre alte Jungtier ist in eine Biberburg eingebrochen und dort verendet.


Die Weide liegt unmittelbar neben dem Entwässerungsgraben, der zwischen Klausers Flächen hindurchführt – für den Biber ein geradezu malerisches Paradies, in dem er den Graben mit dem Gehölz der Böschung wunderbar aufstauen kann. In die Böschung gräbt er riesige Löcher, bis zu zehn Meter unter den Wiesen hindurch reichen die Gänge, die zu seinen Biberburgen führen. Und genau das ist das Problem. Denn dabei unterminiert er die Weideflächen. »Wenn dann noch der Graben aufgestaut ist, weil der Biber einen Damm gebaut hat, schwemmt das Wasser zusätzlich noch Material aus dem Boden«, erklärt Klauser.

Anzeige

Auch ein Häcksler ist schon einmal eingebrochen

Dieses Mal war es »nur« eine eineinhalbjährige Kalbin, die in das Loch gefallen ist. Den materiellen Schaden schätzt sie auf rund 1000 Euro für das Tier plus die Kosten für die Wiederherstellung der Weidefläche, die den Wert des Tieres deutlich übersteigen. Wenn aber schon eine Jungkuh in ein solches Biberloch einbrechen kann, was passiert dann, wenn ein Traktor über ein solches Loch fährt? Bei Erntearbeiten ist auch schon einmal ein Häcksler eingebrochen, der nur mit schwerem Gerät wieder freizubekommen war. »Das kann auch für den Menschen gefährlich werden.«

Um den Hof mit etwa 40 Milchkühen und 30 Stück Jungvieh im Vollerwerb zu bewirtschaften, ist Anna Klauser auf die hofnahen Flächen zwingend angewiesen. »Der Bund Naturschutz hätte mir schon angeboten, die Flächen am Entwässerungsgraben zu pachten. Aber was hilft mir das, wenn ich meine Tiere austreiben will, weil ich einen Biobetrieb habe? Da sind weit entfernte Tauschflächen völlig sinnlos«, macht sie klar.

Im Gegenteil, Anna Klauser dreht den Spieß um und spricht aus, was sich viele Bauern denken, aber kaum einer laut ausspricht: »Ich hab nichts gegen den Biber – im Nationalpark oder im Bayerischen Wald. Aber auf landwirtschaftlich genutzten Flächen hat er nichts zu suchen!« Sie fordert daher, den Biberschutz generell neu zu überdenken. Denn im Gegensatz zu früher »gibt es heute wieder viel zu viele Biber«. Deshalb müsse man dringend die Unterschutzstellung des Bibers neu bewerten.

»Siedlungsdichte wieder vergleichsweise hoch«

Durch Überjagung war der Biber in Bayern 1867 ausgerottet worden. »Heute, über 40 Jahre nach der erfolgreichen Wiedereinbürgerung, ist die Siedlungsdichte der Biber in manchen Teilen Bayerns wieder vergleichsweise hoch«, schreibt das Landesamt für Umweltschutz auf seiner Internetseite. »Es ist abzusehen, dass Biber in den nächsten Jahrzehnten fast alle geeigneten Gewässer besiedeln werden. (...) Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Biber streng geschützt. Das bedeutet, es ist verboten, ihm nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Genauso ist es verboten, den Biber zu stören, seine Baue und Dämme zu beschädigen oder zu zerstören. Biber dürfen nicht verkauft oder gekauft werden, weder lebend noch tot oder ausgestopft.«

Darauf verweist auch das Landratsamt Traunstein. Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und des Veterinäramts nahmen das Loch mit der toten Kalbin in Augenschein. »Das Loch war ungewöhnlich groß«, erklärt dazu der Pressesprecher des Landratsamts, Roman Schneider. »Es handelte sich um einen sandigen Boden, auf dem das Tier eingebrochen ist.« Auf der hofnahen Weide, die von einem Bach durchflossen wird, hat man auch schon einzelne Abfänge genehmigt.

Doch der Biber sei streng geschützt, macht Schneider deutlich. »Wir müssen Gesetze umsetzen, wir können sie nicht in Zweifel ziehen«, stellt er klar. Um Konflikte mit der Landwirtschaft zu lösen, gebe es das Bibermanagement mit den vier Säulen Beratung (im Landkreis Traunstein gibt es fünf Berater), Prävention (etwa das Umwickeln von Bäumen mit Draht oder das Anbringen von Absperrgittern), Zahlung von Schadenersatz, falls keine Versicherung greift, und als letztes Mittel Abfang. »Aber den müssen wir für jedes Tier einzeln genehmigen«, so Schneider.

Population im Landkreis Traunstein »sehr, sehr groß«

Aber selbst, wenn man sich zur Genehmigung weiterer Abfänge entschließen würde, wäre es gar nicht so einfach, einen Jäger dafür zu finden. Denn »der Biber unterliegt nicht dem Jagdrecht, sondern immer dem Naturschutzrecht«, so Schneider weiter. Man dürfte ihn höchstens mit Lebendfallen fangen. »Und das ist sehr aufwändig, auch weil der Biber nachtaktiv ist. Uns ist aber klar, dass der Biber in der Landwirtschaft ein ganz großes Problem ist«, sagt Schneider. »Der Biber ist streng geschützt. Aber so langsam ist die Population im Landkreis Traunstein wirklich sehr, sehr groß.« coho